Frau mit Mundschutz läuft an geschlossenem Weihnachtsmarktstand vorüber (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

SWR1 Sonntagmorgen

Weihnachten in Zeiten von Corona

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An Heiligabend füllen sich normalerweise die Kirchen. Da wird es richtig eng in den Kirchenbänken. Nicht so in diesem Jahr. Die notwendigen Abstands- und Hygieneregeln verhindern das. Die großen Kirchen lassen sich davon jedoch nicht entmutigen.

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Ein Bischof, der Saxophon spielt - das kann man in diesem Jahr im musikalischen Online-Adventskalender des Bistums Mainz hören. Bischof Peter Kohlgraf spielt das Lied „Maria durch ein Dornwald ging“. Zahlreiche Online-Angebote und -Gottesdienste sind ein Weg, mit der Corona-Situation umzugehen. Die Kirchen und Gläubigen begegnen der schwierigen Situation mit viel Kreativität und Energie. 

Mann mit Mundschutz zündet eine Adventskerze in einer Kirche an. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Adventsvorbereitungen unter Corona-Bedingungen. Picture Alliance

Kirchen suchen Ideen für Weihnachtsgottesdienst

Auf der Webseite der Evangelischen Landeskirche Württemberg zum Beispiel gibt es einen „Ideenpool für die Festtage unter Corona-Bedingungen“. Auch die Evangelische Kirche im Rheinland hat ähnliche Angebote. Man geht das Problem positiv an: „Dennoch werden wir auch unter diesen Rahmenbedingungen fröhlich Weihnachten feiern.“ Schließlich hätte das erste Weihnachtsfest in Bethlehem unter wesentlich schwierigeren Bedingungen stattgefunden – und viele andere Weihnachtsfeste auch. 

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Zu den Rahmenbedingungen von Weihnachten 2020 gehört auch ein neues Weihnachtsgottesdienst-Ticketsysteme für Kirchengemeinden. „Mit diesem System können Gemeinden eine individuelle, maximale Teilnehmeranzahl pro Gottesdienst/ Veranstaltung festlegen und so Vertrauen bezüglich Platzverfügbarkeit und bestmöglicher Sicherheit unter Corona-Bedingungen schaffen“, schreibt die Landeskirche Württemberg. 

Kreativität trotz - oder gerade wegen - der Krise

In der Ausnahmesituation entwickeln die Kirchen viel Kreativität und erleben einen technischen Modernisierungsschub. Die Digitalisierung der Kirche habe eine „unglaubliche Beschleunigung“ erfahren. Die Krise birgt nach den Worten von Stefan Werner, Direktor des Evangelischen Oberkirchenrats in Stuttgart, auch eine große Chance: „Jetzt ist die Stunde des Experimentierens, der Kreativität… Wir können so viel ausprobieren, was wir sonst nicht im Ansatz gewagt hätten“, stellt Werner fest.  

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Die Menschen in der Pandemie zuhause zu erreichen, scheint vielerorts erstaunlich gut zu funktionieren. Einige Landeskirchen haben dazu eine Studie in Auftrag gegeben. Ergebnis: Die große Mehrheit der Teilnehmenden von Online-Gottesdiensten wünschten sich die digitalen Angebote auch nach dem Ende der Pandemie. Kirchenvertreter sehen in dem Studienergebnis auch eine Chance für die bevorstehenden Weihnachtsgottesdienste.  

Zusammen feiern - aber bitte mit Abstand

Denn es ist klar, die Pandemie erlaubt keine vollen Gotteshäuser. Die Kirchen planen deshalb neben den Online-Angeboten, vielerorts die Zahl der Gottesdienste zu erhöhen, damit bei weniger Teilnehmern pro Veranstaltung viele Gläubige die Geburt Christi in den Kirchen feiern können.
Daneben planen Gemeinden Freiluftmessen. In Pirmasens beispielsweise. Alternativ gibt es Gemeinden, die verschiedene Stationen anbieten, an denen sich die Gläubigen für einen Moment aufhalten können, damit sich nicht zu viele Menschen über einen langen Zeitraum an einem Ort aufhalten. Auch ökumenische Gottesdienste sind geplant. In Miesau im Landkreis Kaiserslautern beispielsweise soll es einen ökumenischen Waldgottesdienst geben. 

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Menschen brauchen in der Pandemie mehr Rückhalt

Michael Hertl vom Erzbistum Freiburg erklärt, dass bisher kein Fall einer Corona-Infektion in einer katholischen Kirche bekannt sei. Deshalb wünscht er sich, dass die bestehenden Konzepte zu Weihnachten nicht weiter verschärft werden müssen. „Denn wir erfahren auch, dass die Menschen mehr noch als sonst nach geistigem Rückhalt in dieser Krise suchen – und deshalb haben die Kirchen geöffnet – immer zum Gebet und eben auch zum Gottesdienst.“  

»Am wichtigsten ist, dass man sich im Gottesdienst sicher fühlen kann. Denn unsere Gottesdienste sind dafür da, dass Menschen an Körper und Seele heil werden können.«

Für den Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm, steht fest, dass die christliche Weihnachtsbotschaft gerade jetzt ein Hoffnungslicht in eine verunsicherte Welt sende und Halt gebe. Die frohe Botschaft von Jesu Geburt „lässt sich auch in diesem Jahr nicht aufhalten“.

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Moderator Hans Michael Ehl (Foto: SWR)

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