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"Vorhang zu und alle Fragen offen", steht auf dem Banner am Staatstheater Mainz. Die Kunst- und Veranstaltungsszene treffen die Corona-Schutzmaßnahmen hart - nicht nur die Künstler sondern alle, die bei Konzerten, Messen und beim Theater mitarbeiten.

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Christian Eichenberger sieht sein Unternehmen am Abgrund. Er ist Vorstandsvorsitzender der Party Rent Group AG, einem großen Eventausstatter, der europaweit tätig ist. "Wir haben nichts falsch gemacht. Wir stehen auch hinter den Maßnahmen der Regierung, aber mein Lebenswerk steht am Abgrund", sagt Eichenberger. Er kämpft um das das Überleben seines Unternehmens und hat deshalb zusammen mit anderen aus der Branche das Aktionsbündnis #AlarmstufeRot gegründet.

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Zahlreiche Berufsgruppen betroffen

Das Unternehmen Party Rent Group hat rund 950 Mitarbeiter. 80 Prozent der Jobs sind in Deutschland. Jobs aus 156 Berufsgruppen, die jetzt akut bedroht sind, sagt Eichenberger. Es betreffe Techniker, Ausstatter, Zeltbauer, Bühnenbauer, Moderatoren, Künstler und Event-Caterer. Die Branche brauche dringend Hilfe. "Das macht schlaflose Nächte", sagt der Unternehmer.

Fast keine finanziellen Hilfen

Die Bundesregierung und Landesregierungen haben zahlreiche Corona-Hilfen beschlossen, gigantische Summen unter anderem für Kurzarbeitergeld, Zuschüsse, Notkredite an Firmen und ein Konjunkturpaket. Ist davon nichts in der Branche angekommen? Nein, antwortet Eichenberger vom Aktionsbündnis #AlarmstufeRot. "Unsere Branche hat insgesamt gesehen fast keine finanziellen Hilfen bekommen. Wir sind vergessen worden."

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Die laufenden Fixkosten erdrücken die Betriebe

Der Mitinitiator von #AlarmstufeRot schildert die Situation am Beispiel eines seiner Standorte. Vor der Krise hatte er Fixkosten von einer Million Euro. "Wir haben es mit größten Anstrengungen geschafft - kalte Büros, Stilllegung des Fuhrparks - die Fixkosten auf eine halbe Million Euro zu drücken." Der Standort erhalte lediglich 50.000 Euro Hilfe. "Wir bleiben auf 90 Prozent der Kosten sitzen und das überlebt ein Betrieb nicht."

Vorwürfe gegen die Politik in Berlin

Die Politik in Berlin habe kein Interesse an der Rettung der Veranstaltungswirtschaft, kritisiert er. "Wir haben unzählige Lösungspapiere formuliert. Wir haben Rettungsdialoge mit dem Wirtschafts- und Finanzministerium geführt. Alles ohne Erfolg. Rund 90 Prozent aller Veranstaltungen in Deutschland sind wirtschaftsbezogene Veranstaltung, betont Eichenberger, "also Produktpräsentationen, Messen, Hauptversammlungen, Börsengänge."

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Massenhafte Insolvenzen drohen

Rund 40 Prozent der Branchenbetriebe würden laut einer Umfrage im Dezember Insolvenz anmelden müssen, erklärt Eichenberger. Dabei sind in Deutschland Unternehmen von internationalem Ruf: Zeltbauer, Event-Ausstatter, Bühnenbauer, Messebauer und Veranstalter. Der Unternehmer spricht von Hidden Champions - mittelständische Firmen, die auf ihrem Gebiet europa- oder sogar weltweit führend sind. Viele haben sich dem Aktionsbündnis #Alarmstufe Rot angeschlossen.

Die Branche brauche dringend finanzielle Überlebenshilfen. Ein Problem sei die Deckelung der Hilfe auf 50.000 Euro, ein anderes die Begrenzung der Hilfen auf Betriebe unter 250 Mitarbeiter, sagt der Vertreter von #AlarmstufeRot.

"Umfassende Anerkennung der Kosten"

Zentrale Forderung des Aktionsbündnisses ist die umfassende Anerkennung der Kosten. "Konkret heißt das, dass bei den aktuellen Kostenanerkennungen zum Beispiel Personalkosten nur ganz gering anerkannt werden, dass zum Beispiel Abschreibungen gar nicht berücksichtigt sind, dass zum Beispiel interne Unternehmensmieten nicht anerkannt sind oder eben Ausfallkosten, weil wir Veranstaltung vorbereiten und die Mitarbeiter zurückholen und dann fallen diese Veranstaltung aus, und wir bleiben auf diesen Kosten auch komplett sitzen", sagt Eichenberger. Wenn diese umfängliche Anerkennung der Kosten nicht komme, seien viel Betriebe nicht überlebensfähig.

Der Standpunkt in SWR1 Sonntagmorgen

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Moderator Hans Michael Ehl (Foto: SWR)

Moderator am Sonntagmorgen Hans Michael Ehl

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