SWR1 Sonntagmorgen

Welthospiztag

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Sterbende und deren Angehörige begleiten und betreuen – das hat sich die Hospizbewegung zum Ziel gesetzt, die in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen sozialen Dienst geworden ist. Auf diese Arbeit will der Welthospiztag aufmerksam machen. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Solidarität bis zuletzt“.

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Uwe Vilz wünscht sich, dass noch mehr Menschen erfahren, was Hospizarbeit genau bedeutet. Der Geschäftsführer des Mainzer Hospizes sagt: „Wir hören ganz oft den Satz ‚Wenn ich gewusst hätte, was Sie hier alles anbieten oder wie gut es hier im stationären Hospiz ist, dann hätte ich mich schon viel früher an Sie gewandt‘“. Auch die Hospize leiden unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. In SWR1 Sonntagmorgen drängte Vilz darauf, dass bei der Verteilung von Schutzausrüstung und Tests auch die ambulanten Hospizdienste nicht vergessen werden dürften.

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Es gibt ambulante, Tages- oder auch stationäre Hospizarbeit. Die Hospizbewegung hat eine jahrhundertealte Tradition. Der Begriff kommt vom lateinischen Namen für die Herbergen, die ab dem vierten Jahrhundert entlang der Pilgerrouten entstanden – für gesunde wie kranke Pilger. Im Mittelalter gab es vielerorts Hospize für Leprakranke. In Freiburg etwa wurde ein solches Hospiz erstmal im Jahr 1251 erwähnt. Die moderne Hospizbewegung nahm ihren Anfang in Großbritannien. 1967 wurde in London das St. Christopher’s Hospice gegründet. Das erste stationäre Hospiz in Deutschland wurde 1986 in Aachen gegründet. Von Anfang an war das ehrenamtliche Engagement eine tragende Säule der Hospizbewegung.

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In Baden-Württemberg gibt es nach Zahlen des Hospiz- und Palliativ Verbandes derzeit 34 stationäre Hospize. Knapp 8.000 Ehrenamtliche begleiten in Baden-Württemberg Sterbende. In Rheinland-Pfalz sind es laut Sozialministerium rund 2.000 Ehrenamtliche, die sich in der Hospizbewegung engagieren. „Ehrenamtliche helfen sterbenden Menschen in Hospizen, bis zuletzt eine Verbindung zu dem Leben herzustellen“, schreibt die Caritas Rottenburg-Stuttgart. Wer Sterbende begleiten will, der kann sich in sogenannten Letzte-Hilfe-Kursen schulen lassen. Letzte-Hilfe-Kurse vermitteln Grundwissen und Orientierungen sowie einfache Handgriffe, heißt es in einer Broschüre des Palliativzentrums Südbaden.

"Letzte-Hilfe-Kurs" (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
"Letzte-Hilfe-Kurs" Picture Alliance

Zum Welthospiztag haben die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas eine bessere palliative Versorgung schwerstkranker Menschen gefordert. Der Caritasverband warnte, organisierte Angebote der Sterbehilfe dürften nicht zur akzeptierten Normalität werden. Der Geschäftsführer des Mainzer Hospizes, Uwe Vilz, sagte, er befürchte, dass die geschäftsmäßige Suizidhilfe zu einer gesellschaftlich üblichen Form werden könnte, das Leben zu beenden, weil alte Menschen niemandem zu Last fallen wollten. Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar das seit 2015 geltende Verbot organisierter Hilfe beim Suizid gekippt.

Der Welthospiztag soll die Aufmerksamkeit für die Hospizarbeit erhöhen. Er findet jährlich am zweiten Samstag im Oktober statt. Seit dem Jahr 2000 gibt es, verbunden damit, auch den Deutschen Hospiztag, der jedes Jahr am 14. Oktober stattfindet.

Der Standpunkt in SWR1 Sonntagmorgen:

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Moderatorin Silke Arning (Foto: SWR)

Moderatorin am Sonntagmorgen Silke Arning

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