Internationaler Tag gegen Prostitution

Sexkaufverbot gefordert

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"Dein Spaß ist mein Horrortrip" - mit einer Plakataktion mobilisieren Frauen gegen Prostitution. Die Kampagne „#Rotlichtaus“ soll auf die Missstände in der Prostitution aufmerksam machen.

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In Deutschland gibt es rund 40.000 angemeldete Prostituierte, doch die tatsächliche Zahl dürfte nach Einschätzung von Expert*innen zehnmal so hoch sein. Sexarbeiterinnen sind ganz besonders von der Corona-Pandemie betroffen. Noch immer sind zahlreiche Bordelle geschlossen - trotz massiver Proteste der Prostituierten und ihrer Interessenverbände.

Unterschiedliche Positionen bei Betrieb von Bordellen

Die Landesregierungen im Südwesten reagieren auf diese Proteste unterschiedlich. Während Baden-Württemberg noch an der Schließung der Bordelle festhält, ist deren Betrieb in Rheinland-Pfalz seit 1.10. wieder erlaubt.

Corona-Flyer in Bordell (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Corona-Flyer am «Tag der offenen Tür» im Juli 2020 in einem Karlsruher Bordell. Picture Alliance

Mit der Wiedereröffnung der Erotikbetriebe sind allerdings strenge Auflagen verbunden. Freier müssen im Vorfeld telefonisch oder digital einen Termin vereinbaren. Außerdem sind sie verpflichtet, sich auszuweisen. Zudem müssen die Bordelle Hygienekonzepte vorlegen. Frauenministerin Anne Spiegel (Grüne) sagte im SWR, die Frauen in der Prostitution müssten wieder eine Perspektive haben. Viele hätten in den vergangenen Monaten finanzielle Einbußen gehabt.

Kritik an Entscheidung der rheinland-pfälzischen Landesregierung

Karen Ehlers von SISTERS e.V., ein Verein, der sich für den Ausstieg aus der Prostitution einsetzt, findet diese Entscheidung unverantwortlich. Wie Abstandsregeln bei der Prostitution eingehalten werden könnten, dazu fehle ihr die Fantasie. Außerdem verweist sie gegenüber dem SWR auf die hohe Ansteckungsgefahr durch Aerosole.

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Kampagne für Sexkaufverbot

Der Verein SISTERS e.V. hat gemeinsam mit dem Landesfrauenrat Baden-Württemberg u.a. im Vorfeld des Internationalen Tags gegen Prostitution (5.10.2020) eine große Plakataktion in Stuttgart gestartet. Mit Slogans wie „Du kommst und ich verkomme“ oder „Dein Spaß ist mein Horrortrip“ soll sie auf die schwierige Situation von Prostituierten aufmerksam machen und eine gesellschaftliche Debatte darüber anstoßen. 90 Prozent der Frauen, die in der Prostitution sind, würden das nicht freiwillig machen, so Ehlers. Deshalb fordert sie ein generelles Sexkaufverbot.

Das nordische Modell

In Schweden steht der Sexkauf bereits seit 1999 unter Strafe, das Angebot von Sex-Dienstleistungen dagegen nicht. Damit entkriminalisiert das Nordische Modell Prostituierte, es bestraft Freier mit Geld- oder Haftstrafen und finanziert Ausstiegsprogramme für Sexarbeiterinnen.

„Prostitution lässt sich nicht verbieten, nur verschieben“

Doch einige kirchliche Beratungsstellen, die sich um Prostituierte vor Ort kümmern, sind gegen ein Sexkaufverbot. So auch Silvia Vorhauer von der evangelischen Mitternachtsmission in Dortmund. „Wir können von unserer Erfahrung berichten, dass Verbote nichts nützen. Prostitution lässt sich nicht verbieten, nur verschieben“, so die Sozialarbeiterin.

 

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Diese Gefahr sieht Karen Ehlers von SISTERS e.V. nicht. Schon jetzt sei ein großer Bereich der Prostitution nicht sonderlich transparent. Gewalt gegen Frauen gebe es bereits. Das Nordische Modell biete die Möglichkeit, dass sich diese Frauen eine Alternative suchen könnten und sich nicht mehr der Gewalt aussetzen müssten.    

Stadt Stuttgart fördert Kampagne „Rotlichtaus“ des Landesfrauenrats und SISTERS e.V.

Bis zum 15. Oktober 2020 sind verschiedene Aktionen im Stuttgarter Stadtgebiet geplant.  Am 05.10.20 wird auf dem Kronprinzenplatz ein Bildschirm aufgebaut und von 10 Uhr bis 20 Uhr oben zu sehender Aufklärungs- und Sensibilisierungsfilm gezeigt.

Der Standpunkt in SWR1 Sonntagmorgen

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Moderator Hans Michael Ehl (Foto: SWR)

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