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Während des Nationalsozialismus war vom Vatikan wenig Einspruch gegen die Shoah zu hören. Über die Gründe wurde lange spekuliert. Jetzt könnte die Öffnung der vatikanischen Archive zur Amtszeit Papst Pius XII. Licht ins Dunkel bringen. Am 2. März 2020 werden sie erstmals für die Öffentlichkeit zugängig.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
6:00 Uhr
Sender
SWR1
Papst Pius XII (Foto: Imago, imago images / United Archives International)
Papst Pius XII. (Pontifikat 1939 – 1958). Imago imago images / United Archives International

Klare Kante? Fehlanzeige!

Papst Pius XII. war von März 1939 bis zu seinem Tode im Jahr 1958 Papst. Ihm wurde oft vorgeworfen zur Shoah geschwiegen zu haben. Zumindest habe er sich nicht deutlich gegen die Ermordung von 6 Millionen Juden ausgesprochen. Ob er allerdings vom Ausmaß der Vernichtung wusste, ist nicht bekannt. Ebenso wenig, wer im Vatikan welche Informationen wann weitergab. Diese Fragen sind aber entscheidend. Nicht nur, um sein Pontifikat zu bewerten. Sondern auch um zu verstehen, welche Rolle die katholische Kirche im Nationalsozialismus spielte.

Petersplatz im Vatikan (Foto: Imago, imago images/ Westend61)
Petersplatz im Vatikan. Imago imago images/ Westend61

Geheimnis wird gelüftet

Aufschluss können nur die vatikanischen Archive geben. Die Akten aus dem Pontifikat von Pius XII. waren bislang für die Öffentlichkeit unter Verschluss: insgesamt rund 200.000 Schachteln mit jeweils tausend Blatt Papier. Erst Papst Franziskus erklärte sie als nicht mehr geheim und kündigte ihre Öffnung an.

Die vatikanischen Archive (Foto: Imago, imago images / Anan Sesa)
In den vatikanischen Archiven. Imago imago images / Anan Sesa

Hat sich der Vatikan schuldig gemacht?

Aufklärung erhoffen sich Historiker jetzt auch zu anderen Fragen: in welchem Umfang leistete der Vatikan Fluchthilfe für Naziverbrecher und wer wusste davon? Warum hat Papst Pius XII. den Staat Israel nicht anerkannt? Fragen, die für das katholisch-jüdische Verhältnis wichtig sind. Und die u.a. der Zentralrat der Juden in Deutschland klären will.

Aufklärung wird dauern

Auch der Kirchenhistoriker Prof. Hubert Wolf aus Münster will pünktlich zur Öffnung der Archive am 2. März in Rom sein.

Dauer

Es werde lange dauern, betont Wolf gegenüber SWR1 Sonntagmorgen, bis sich der vatikanische Informationsfluss und die Entscheidungsfindungen während der NS-Zeit nachvollziehen lassen. Erst dann könne man beurteilen, wie das Verhalten von Pius XII. im Nationalsozialismus zu bewerten sei.

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