STAND

Im September 1970 kamen die ersten fair gehandelten Produkte in Deutschland auf den Markt. Sie sollen Produzenten in Dritt-Welt-Ländern einen Mindestlohn und somit ein Leben in Würde garantieren. Mittlerweile werden in Deutschland 1,85 Milliarden Euro mit fair gehandelten Produkten umgesetzt.

Audio herunterladen (44,2 MB | MP3)

Der Ausgangspunkt fair gehandelter Produkte lag in Aktionsgruppen, die vielfach kirchlich orientiert waren. Ihr Ziel war es, Hunger, Armut und Ungerechtigkeit in sogenannten Dritt-Welt-Ländern zu überwinden. Hierzu wurde eine Art neues Modell von Wirtschaftsethik entwickelt. Es sah vor, mit Erzeugern von Produkten in Asien, Afrika und Lateinamerika direkte Verträge abzuschließen sowie ihnen auf diesem Weg zu helfen, für ihre Ware einen Mindestpreis zu bekommen und somit über ein verlässliches Einkommen zu verfügen. Mit diesem Schritt sollten sie eine größere Unabhängigkeit gegenüber Preisschwankungen auf dem herkömmlichen Markt bekommen, denen die Produzenten in starkem Maße ausgesetzt waren.

Audio herunterladen (2,6 MB | MP3)

Kaffee als Klassiker

Nachdem anfangs Kunsthandwerk aus armen Ländern angeboten wurden, kam bald darauf fair gehandelter Kaffee und Tee auf den deutschen Markt. Es folgten getrocknetes Obst, Kakao, Zucker, Fruchtsäfte, Reis, Gewürze und Nüsse. Einen großen Aufschwung erfuhr die Bewegung, als Anfang der 90er Jahre fair gehandelte Ware auch in großen Supermarktketten angeboten wurden. Inzwischen werden auch Textilien und Kinderspielzeug angeboten, wobei fair gehandelter Kaffee nach wie vor als das Produkt gilt, das am meisten verkauft wird. Insgesamt beträgt der Umsatz von fair gehandelten Produkten in Deutschland mittlerweile 1,85 Milliarden Euro.

Espresso (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Picture Alliance

Schwierigkeiten mit dem Siegel  

Um Produkte aus fairem Handel besser sichtbar zu machen, wurde versucht ein eingängiges Kennzeichen zu kreieren. Mittlerweile gibt es zwar mit dem international normierten „Fair-Trade-Siegel“ des Dachverbandes FLO (Fairtrade Labelling Organizations International) eine entsprechende Auszeichnung. Doch daneben gibt es noch weitere Siegel, die nur für spezielle Länder oder Produkte – zum Beispiel Bananen, Blumen oder Teppiche - gelten. Auch wenn dies die Orientierung im Einzelfall erschweren kann, unterstreicht Andrea Fütterer, die Vorstandsvorsitzende des Forums Fairer Handel, dass beim Kauf dieser Ware deren Produzenten in fairer Weise davon profitieren. Zudem weist Andrea Fütterer auf einen politischen Erfolg: Möglicherweise nämlich verabschiedet die Bundesregierung in Kürze - unter anderem angestoßen durch Initiativen des Fairen Handels - ein sogenanntes Lieferkettengesetz. Dieses soll die Einhaltung der Menschenrechte während des gesamten Produktions-, Verarbeitungs- und Lieferweges von Waren vor allem aus Dritt-Welt-Ländern garantieren.

Audio herunterladen (4,5 MB | MP3)

Bundesweite „Faire Woche“

Ab sofort bis zum 25. September läuft deutschlandweit – wie jedes Jahr im September - die Faire Woche. Mit jährlich durchschnittlich 2.000 Aktionen ist sie bundesweit die größte Aktionswoche des Fairen Handels. In diesem Jahr steht die Faire Woche unter dem Motto "Fair statt mehr" statt. Wer wissen möchte, wann es welche Veranstaltungen in der eigenen Umgebung gibt, bekommt hier mehr Informationen: Kalender der Fairen Woche.

Der Standpunkt in SWR1 Sonntagmorgen:

Audio herunterladen (1,6 MB | MP3)

Moderator Hans Michael Ehl (Foto: SWR)

Moderator am Sonntagmorgen Hans Michael Ehl

Moderator am Sonntagmorgen

Religion, Migration & Gesellschaft SWR1 Sonntagmorgen

Ein Magazin rund um das Thema Religion und Gesellschaft. Vier Stunden lang Musik, Informationen, Hintergründe, Lebenserfahrungen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN