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Der Bundestag hat sich für die erweiterte Zustimmungslösung bei der Organspende ausgesprochen. Die doppelte Widerspruchslösung von Gesundheitsminister Spahn wurde abgelehnt.

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Sendedatum
Sendezeit
6:00 Uhr
Sender
SWR1
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Viele Patienten in Deutschland sterben, weil eines ihrer Organe versagt und sie kein Spenderorgan bekommen. Der Grund: Zu wenige Bürgerinnen und Bürger setzen sich mit der Frage auseinander, ob sie Spender sein möchten oder nicht. Sie treffen keine Entscheidung und die Wartelisten für Spenderorgane bleiben viel zu lang. Betroffene sehen darin einen Skandal.

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Michael Emrich hatte Glück: Nach sieben Wochen im Koma fand sich ein passender Spender für eine Lungentransplantation. Die Operation verlief gut. Jetzt trainiert er jeden Tag, um wieder zu Kräften zu kommen. Zu den beiden Gesetzentwürfen, über die die Abgeordneten im Bundestag beraten und entschieden haben, hat er eine klare Haltung: Er bevorzugt die „doppelte Widerspruchslösung“, die u.a. von Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD) vorgeschlagen wurde: Danach würde jeder automatisch zum Organspender, wenn er oder sie nicht ausdrücklich widerspricht.

Auch die Angehörigen hätten demnach ein Widerspruchsrecht. Nur so, ist der Stuttgarter Michael Emrich überzeugt, lässt sich die Zahl der Spenderorgane ausreichend steigern. Ähnlich sehen das Betroffene aus Rheinland-Pfalz. Für sie ist es ein Skandal, dass sie so lange auf eine Organspende warten müssen.

Bedenken bei den Kirchen

Die großen Kirchen haben erhebliche rechtliche und ethische Bedenken gegen die Widerspruchslösung. Sie verabschiede sich vom Charakter der freiwilligen Spende und erlaube den Zugriff auf den menschlichen Körper auch ohne Zustimmung, so Bischof Gebhard Fürst von der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

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Zahlreiche evangelische wie auch katholische Theologen haben sich für die „Zustimmungslösung“ ausgesprochen. Nach diesem Gesetzentwurf, den Annalena Baerbock (Grüne), Hermann Gröhe (CDU) u.a. Abgeordnete vorschlagen, dürfen Spenderorgane nur von Bürgerinnen und Bürgern kommen, die sich zuvor ausdrücklich dazu bereit erklärt haben. Zugleich sollen sie häufiger informiert und aufgefordert werden, eine Entscheidung zu treffen.

Ethikkommission: keine Datenweitergabe ohne Zustimmung

Auch die Ethikkommission bevorzugt die Zustimmungslösung. Ihr Vorsitzender Peter Dabrock begründet dies gegenüber dem SWR mit einem Vergleich: „Bei der Datenschutzgrundverordnung machen wir es gerade so, dass jede Datenweitergabe mit einer Zustimmung versehen werden muss. Und hier, bei einer Sache, die höchstpersönlich und existentieller ist, da unterstellen wir einfach: `Jaja, der sieht das so.` Das ist nicht richtig.“

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Contra Widerspruchsregelung Organspende

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Moderatorin Petra Pfeiffer (Foto: SWR)

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