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Erholung und Zeit für sich - das wünschen sich viele Frauen dieses Jahr zum Muttertag am 10. Mai. Denn die Auswirkungen der Coronakrise bekommen besonders die Mütter zu spüren.

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Meistens sind es immer noch die Frauen, die sich neben dem Job um Kinder und Haushalt kümmern. So ist es auch bei Annika Fritz aus Freiburg St. Georgen. Eigentlich unterrichtet sie in Teilzeit Mathe und Sport. Doch wegen Corona-Kontaktbeschränkungen betreut sie zurzeit vor allem ihre zwei Kinder  - drei Jahre und ein Jahr alt - allein von zu Hause aus. Zum Arbeiten kommt sie erst ab acht Uhr abends. Ein Ausnahmezustand der jetzt seit acht Wochen anhält. „Es gibt viele Phasen, wo ich einfach nur Löcher in die Luft starre. Mein Mann kommt heim und will sich mit mir unterhalten und ich bin einfach nicht mehr aufnahmefähig.“

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Die junge Mutter ist tagsüber auf sich allein gestellt. Großeltern, Kita, Freunde und eben auch gleichaltrige Kinder fehlen. Die Isolation macht vor allem dem drei Jahren alten Sohn Moritz zu schaffen. „Wenn ich nicht sofort zuhöre oder mich mal über den Zaun mit einem Nachbarn unterhalte, dann schlägt er mich gleich um Aufmerksamkeit zu kriegen. Des kenne ich überhaupt nicht von ihm.“

Mütter stecken in der Coronakrise häufig beruflich zurück

Es sind die Frauen, die auch in der aktuellen Krise häufiger beruflich zurückstecken und statt dessen die Kinderbetreuung, den Unterricht zu Hause und die alltäglichen Hausarbeiten übernehmen. Die Mannheimer Corona-Studie, die Paare 2018 und Mitte April 2020 befragt hat, zeigt, dass bei den Müttern von Kindern unter 16 Jahren die Arbeitszeit nur in der Familie von durchschnittlich 6,9 auf 8,2 Stunden am Tag gestiegen ist.

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Für die Soziologin Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, kommt das nicht überraschend: "Wir hatten in Deutschland noch nie eine wirkliche Gleichberechtigung, wenn es um die Kinderbetreuung und die Hausarbeit ging und das rächt sich jetzt."

Frauen übernehmen nach wie vor die unbezahlten häuslichen Aufgaben

Frauen hätten sich im Laufe der Jahre angeglichen, was die Arbeitszeiten betrifft. Auf der anderen Seite hätten aber nur wenige Männer in gleichen Teilen unbezahlte häusliche Aufgaben wie Kinderbetreuung, Hausarbeit oder die Pflege von Angehörigen übernommen. Um das auszugleichen, müssten die Arbeitszeiten von Frauen angehoben und die von Männern wiederum reduziert werden. Doch das lehnten immer noch viele Arbeitgeber ab. Dabei tue eine gleichmäßigere Verteilung der Aufgaben den Familien sehr gut, so Allmendinger.

Wachsendes gegenseitiges Verständnis

Das Zusammenleben unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie bietet nach Einschätzung des Soziologen Florian Schulz von der Universität Bamberg aber auch die Chancen. Viele Paare sind gezwungen, neue Abläufe und Abmachungen zu finden. Dadurch könne im besten Falle auch das gegenseitige Verständnis füreinander wachsen.

Wegen der Kinder arbeiten viele Frauen in Teilzeit (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
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