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Während des ersten Lockdowns wurden sie für ihren Einsatz beklatscht. Mittlerweile aber sind die Pflegekräfte immer öfter Anfeindungen ausgesetzt. Viele von ihnen sind am Rande ihrer Kräfte.

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Im Frühjahr wurde ihnen applaudiert, und sie galten als die Helden der Republik. Die Bundesregierung hat einen Bonus für sie auf den Weg gebracht und in den vergangenen Monaten 13.000 neue Stellen geschaffen, zu denen im neuen Jahr noch einmal 20.000 weitere hinzukommen sollen. Verbessert hat das die Situation der Pflegekräfte in Deutschland nur wenig. Denn viele von ihnen sind hoher körperlicher wie psychischer Dauerbelastung ausgesetzt. Zudem klagen immer mehr, dass sie feindselig angegangen werden.

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Große körperliche und seelische Strapazen

„Die wochenlange Begleitung Schwerstkranker hinterlässt ihre Spuren“, sagt Sabine Mader. Sie ist Klinikseelsorgerin im Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart und bekommt den Stress des Klinikpersonals hautnah mit. Viele Pflegerinnen und Pfleger, berichtet sie, seien einer hohen körperlichen wie seelischen Belastung ausgesetzt und hätten daher einen hohen Gesprächsbedarf. „Die Leute sind müde“, lautet ihre Zwischenbilanz nach einem Dreivierteljahr mit dem Coronavirus.

Mehrfache Belastung

Es sind gleich mehrere Faktoren, die viel Kraft kosten und für Erschöpfung sorgen: Da ist zum einen die hoch verantwortungsvolle Pflege der Kranken, die nicht nur körperliche Energie kostet, sondern im Grunde auch pausenlose Aufmerksamkeit. Hinzu kommen die unangenehmen Schutzmaßnahmen. Denn stundenlanges Tragen von Spezialkleidung und Masken erhöht die Belastung zusätzlich.

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Der Applaus ist verklungen

Der Applaus vom Frühjahr, als die Pflegekräfte aufgrund ihres Einsatzes in aller Öffentlichkeit beklatscht wurden, sei schon lange verklungen, konstatiert Volker Held, der Pflegedienstleiter der Intensivstation in der Südwestklinik Böblingen. Während man damals von Restaurants und Privatpersonen mit Essen unterstützt worden sei und auch Autowerkstätten ihre Hilfe für Dienstfahrzeuge angeboten hätten, sehe man sich heute verstärkt Misstrauen und Anfeindungen ausgesetzt. Pflegerinnen und Pfleger, die in den Kliniken verantwortungsvolle Arbeit leisteten, würden in ihrer Freizeit oft angefeindet, weil sie fälschlicherweise als Überträger des Virus angesehen werden.

Kaum Aussicht auf Besserung

Dass sich die schwierige Lage des Personals in den Kliniken auf absehbare Zeit ändert, ist kaum zu erwarten. Denn dafür müsste die Zahl der Pflegekräfte deutlich zunehmen und der Patienten stärker zurückgehen. Somit dürfte der Stress für Pflegerinnen und Pfleger weiter anhalten. Gleichwohl haben sie, so berichtet Seelsorgerin Sabine Mader, zumindest einen großen Wunsch: Es wäre gut, wenn die Bevölkerung anerkennen würde, dass die allgemeine Lage ernst ist und sie sich auch an die vorgeschriebenen Maßnahmen hält.

Moderator Hans Michael Ehl (Foto: SWR)

Moderator am Sonntagmorgen Hans Michael Ehl

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