ÖRK: Plenum „Europa jenseits von Kolonialismus und Krieg“

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AUTOR/IN
Fichtner, Nela

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Die riesige Halle ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Europapräsident des Weltkirchenrats „Anders `Wejrud“ bittet den ersten ukrainischen Gast auf die Bühne zu kommen, Erzbischof Yevstratiy von Chernihiv und Nizhyn

Atmo, 0`12 „Please, Archbischof …the floor is yours….. Klatschen:

ukr. Bischof
In den letzten 6 Monaten wurden tausende Zivilisten getötet. Russland fährt damit fort, wie seit Jahrhunderten, alle Mittel und koloniale Rhetorik zu nutzen, um uns zu vernichten. Aber wir kämpfen erfolgreich für unsere Freiheit und unsere unabhängige Zukunft. Die Wahrheit ist auf der Seite der ukrainischen Menschen und wo Wahrheit ist, ist Gott. Und wo Gott ist, ist der Sieg

Erzbischof Yevstratiy und seine orthodoxe Kirche der Ukraine, die sich 2018 vom Moskauer Patriarchat abgespalten hat, sind noch keine Mitglieder des Weltkirchenrats. Doch dessen Generalsekretär, Ioan Sauca, war extra kürzlich in die Ukraine gereist, um sie zur Teilnahme zu überreden. Ebenso wie die 23-jährige ukrainische Journalistin Ivanka Illina. Sie ist Mitglied der ukrainischen orthodoxen Kirche, die sich erst im Frühjahr vom russisch-orthodoxen Patriarchat gelöst hat.

Ivanka
Seit sechs Monaten kämpfen wir nun schon mutig gegen militärische Angriffe der russischen Konföderation und deshalb bitten wir Ukrainer nicht nur um Unterstützung und Hilfe, sondern wir hoffen auf das Verständnis der Menschen in aller Welt und wir müssen angehört werden, der Krieg ist noch nicht vorbei.

Die 20 Delegierten der russisch-orthodoxen Kirche sind beim Ukraine-Plenum nur als Zuhörer zugelassen. Die Veranstalter des Weltkirchenrates wollten, dass die Ukrainerinnen und Ukrainern die Lage in ihrer Heimat unwidersprochen schildern können. Denn die russischen Delegationsmitglieder sehen die Ursachen des Krieges nicht in der Aggression ihrer Regierung, sondern im Nationalismus der Ukraine. Vakhtang Kipshidze ist stellvertretender Kommunikationsdirektor der russisch-orthodoxen Kirche. Er weist jegliche Kritik am Verhalten seines Patriarchen Kyrill zurück – auch wenn es um dessen Segnung russischer Waffen geht:

Vahktang
„Waffen zu segnen ist eine europäische Tradition – seit dem Mittelalter. Unsere Kirche -wie alle europäischen Kirchen- segnet das Militär (in ihrem Dienst), dabei geht es um spirituelle Begleitung, nicht um geheiligte Waffen.“

Vakhtang Kipshidze lässt offen, ob die russische Delegation bereit ist, bei der Vollversammlung mit den Teilnehmenden aus der Ukraine zu sprechen. Von den Veranstaltern ist dafür bislang nichts geplant. Doch Ivanka Illina gibt nicht auf – noch bis nächsten Donnerstag wäre Gelegenheit, dass sich beide Seiten aussprechen
….
Ilina
Wir hoffen, dass Treffen mit der russischen Delegation organisiert werden und dass ein Mediator dabei sein wird, weil es viele Dinge gibt, die wir einander sagen müssen.

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Fichtner, Nela