Junge Delegierte und ihre Erwartungen beim Weltkirchenrat

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Kratz, Leonore

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Anmoderation: Gestern (Mittwoch) ist in Karlsruhe die 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen gestartet - ein Zusammenschluss von Mitgliedskirchen aus der ganzen Welt, die sich nur alle acht Jahre treffen und noch nie in Deutschland getagt haben. Bereits im Vorfeld haben sich 400 Jugendliche aus Kuba, Ägypten, Texas, Deutschland und vielen anderen Ländern zusammengefunden und über Themen gesprochen, die sie bewegen. Was sind das für Themen, welche Erwartungen haben junge Leute an die Vollversammlung und was bedeutet ihnen ihr Glaube? Leonore Kratz hat mit einigen von ihnen gesprochen.

Atmo Musik

Es hat was von Festival: Junge Menschen tanzen und singen zur Musik von Keyboard, Gitarre und Bongo. Die Bühne im nüchternen Kongresssaal ist mit bunten Bändern geschmückt.

Nach der ausgelassenen Pause werden die rund 400 Teilnehmenden unter 35 Jahre wieder ernst. Sie sind nach Karlsruhe gekommen, um zusammen zu diskutieren und zu beten. Einer von ihnen ist David Ibrahim aus England.

Für mich ist es wirklich wichtig, dass die jungen Leute eine Stimme haben. Dass sie über Themen sprechen, die auch in der Vollversammlung eine Rolle spielen, gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Ansichten zu teilen. Ich denke, das ist eine gute Chance, dass junge Menschen wirklich teilhaben können.

David Ibrahim ist Psychiater. Ihm ist das Thema psychische Gesundheit besonders wichtig. Zum Beispiel der Gewissenskonflikt, in dem sich viele schwule, lesbische oder trans Menschen in konservativen Kirchen befinden. Wenn die Jungen diese Probleme ansprechen, ist er überzeugt, können sie gemeinsam mit den Alten etwas ändern. Jessica Alixenko kommt aus einer Freikirche in Münster. Auch sie findet: Die progressive Sicht der Jungen ist im WCC, dem Weltkirchenrat wichtig:

Da kommen so Themen auf wie jetzt LGBTQI, wie Klimawandel, also was für uns Jugendliche natürlich deutlich wichtiger ist als für manche der älteren Generation. Und wenn wir als Einheit stehen, als alle Jugendlichen auf der ganzen Welt und das auch vor dem WCC tun, ist die Chance gehört zu werden deutlich größer.

Global und international zu denken, scheint für die Jugendlichen selbstverständlich. Jessica Alixenko spricht zum Beispiel mehrere Sprachen fließend, gerade lernt sie Hebräisch. Und ob auf der Toilette oder in der Kaffeepause – überall hört man spanisch, französisch, englisch.

Atmo „Ist hier frei“?

Ökumene ist für Jessica Alixenko nicht bloß ein Füllwort oder eine Phrase:

Ich glaube, dass ein internationaler Austausch, ein ökumenischer Austausch superwichtig ist, weil wir viel voneinander lernen können. Es werden auch Sachen, die teils politisch sind, angesprochen: Wie können wir jetzt hier in Deutschland, die wir ja eigentlich sehr sicher sind, in einer sehr guten politischen Lage leben, wie können wir anderen helfen?

Dazu gehört, die schwierige Menschenrechtslage in verschiedenen Ländern ernst zu nehmen. Zum Beispiel die Erfahrungen einer jungen Palästinenserin in ihrem Land. Ramy Hanna gehört zur koptisch-orthodoxen Kirche und lebt in Heidelberg. Die ökumenische Bewegung hat er in seiner Heimat Ägypten kennengelernt. Er sieht es als seine christliche Aufgabe, über Gemeinsamkeiten zwischen den Kirchen zu sprechen.

Denn manchmal vergessen wir über die Dinge zu sprechen, die wir gemeinsam haben, und heben stattdessen die Unterschiede hervor. Und das bringt uns immer mehr auseinander in einer Welt, die sowieso schon an Spaltung zugrunde geht.

In einem Abschlussbericht haben die Jugendlichen zusammengefasst, welche Themen sie besonders bewegen. Dieser soll in die Vollversammlung einfließen.

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Kratz, Leonore