Isotopenanalyse von Spargel "Deutscher Spargel" nicht immer aus Deutschland

Verbraucher zahlen vor allem zu Beginn der Spargelsaison für deutschen Spargel viel Geld. Wir haben Proben bei verschiedenen Ständen genommen und ins Labor geschickt.

Dauer

Traditionell dauert die Spargelsaison von April bis zum 24. Juni. Doch aufgrund der milden Temperaturen hat laut Deutschem Bauernverband in diesem Jahr die Spargelsaison so früh wie selten begonnen. Viele Landwirte setzen auf den Anbau unter Folie, da gedeihen die Pflanzen schneller. So konnten schon im März Spargel in Deutschland geerntet werden.

Deutscher Spargel ist beliebter als ausländischer Spargel

Je früher der Erntezeitpunkt, desto besser für die Spargelbauern, denn die Kunden wollen vor allem Spargel aus Deutschland. Spargel ist besonders lecker, wenn er frisch ist und die Verbraucher nehmen an, dass deutscher Spargel frischer ist als ausländischer, weil die Transportwege kürzer sind. 

Deutscher Spargel ist meist teurer

Spargelanbau ist sehr aufwändig und auch heute noch mit viel Handarbeit verbunden. Deshalb ist deutscher im Durchschnitt teurer als ausländischer Spargel, da hier die Lohnkosten höher sind als etwa in Anbauländern wie Griechenland, Peru oder Polen. Außerdem wissen die Großhändler im Ausland: ist erstmal deutscher Spargel auf dem Markt, kaufen die Verbraucher in Deutschland ausländischen Spargel nur noch, wenn er erheblich günstiger ist. Deshalb fällt mit dem Saisonstart des deutschen Spargels der Preis für den ausländischen Spargel erheblich. Doch gerade zu Beginn der Saison sind die deutschen Stangen noch teuer: Zwischen 16 und 20 Euro kostet das Kilogramm in der Handelsklasse I. Je länger die Saison dauert, desto günstiger wird der Spargel, denn dann stechen immer mehr Betriebe das "weiße Gold" und das Angebot wird größer.  

Miese Masche: Umpacken

Skrupellose Händler nutzen gerade zu Beginn der Saisondiese erheblichen Preisunterschiede zwischen ausländischem und deutschem Spargel aus: sie packen um. Sie kaufen billigen, ausländischen Spargel und packen ihn in Kisten von deutschen Spargelbauern. 

Andreas Eberhardt betreibt in Weisenheim am Sand in der Vorderpfalz einen Spargelhof. Auf 150 Hektar baut er die weißen Stangen an. Er kennt den Trick mit der "Umpackerei": "Wir haben schon mitbekommen, dass unsere Kunden, die bei uns groß einkaufen, gesehen haben, dass andere Händler ausländische Ware in unsere Kisten eingepackt haben", erzählt er.  

Kontrolle durch die Behörden

Viele geschichtete Spargelstangen liegen zum Verkauf aus mit neongelben Preisschildern ausgezeichnet. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)
Bei Spargel wird mit der Herkunft manchmal geschwindelt, um einen höheren Preis zu erzielen. picture-alliance / Reportdienste -

Den Spargelstangen sieht man nicht an, ob sie aus Deutschland oder aus dem Ausland kommen. Deshalb muss man unter die weiße Schale schauen und zwar mittels einer Isotopenanalyse. Dabei werden kleinste Teile des Spargels chemisch untersucht. Man kann so feststellen, aus welchem Land der Spargel stammt. In Rheinland-Pfalz untersuchen die Behörden die Herkunft des Spargels gar nicht. In Baden-Württemberg ist das Untersuchungsamt für Lebensmittelüberwachung in Freiburg dafür zuständig. Das Amt deckt immer wieder Betrügereien auf: "Wir nehmen pro Jahr etwa 40-60 Proben und wir achten dabei sehr darauf, diese risiokoorientiert zu entnehmen. Das heißt für uns, zu Beginn der Spargelsaison. Denn da ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein ausländischer Spargel als deutscher Spargel ausgeben, wird am höchsten", erklärt Laborleiterin Dr. Eva Annweiler. 

Doch für die Saison 2019 liegen noch keine Ergebnisse vor. Deshalb macht das Marktcheck-Team auf den Wochenmärkten in Mainz, Mannheim und Stuttgart den Test. Wir kaufen bei insgesamt acht Händlern Spargel ein, der angeblich aus Deutschland kommen soll. 

Isotopenanalyse im Labor

Die acht Proben werden im Labor auf die Herkunft der Isotopen hin untersucht. In einer Datenbank sind die Isotopen-Werte etlicher Anbaugebiete weltweit gespeichert. Die Proben werden mit den Werten in der Datenbank verglichen. Dr. Andreas Boner sagt: "Wir haben verschiedene Spargelproben untersucht und tatsächlich war eine Spargelprobe dabei, die keine Isotopenwerte aus Deutschland aufwies." Der Test ist so fein, dass Boner tatsächlich sogar das genaue Herkunftsland der einen Spargelprobe ermitteln konnte: „Diese Verdachtsprobe passt gut zu den Spargelmustern, die wir aus Griechenland kennen."  

Händler streitet Schuld ab

Stangen aus Griechenland, statt heimischem Spargel aus Deutschland. Gekauft haben wir den Spargel bei einem Händler auf dem Mainzer Wochenmarkt. Konfrontiert mit dem Vorwurf, schiebt er alle Schuld auf den Großhändler. Doch auch dieser er streitet alle Anschuldigungen ab. Für die ehrlichen Spargelbauern aus der Region ist das ärgerlich. Sie fürchten, dass ein paar schwarze Schafe die Branche in Verruf bringen und die Kunden das Vertrauen verlieren können. 

Wie sich Kunden vor Betrügern schützen können

Man sieht dem Spargel nicht an, wo er herkommt. Doch man erkennt leicht, ob er frisch ist und das ist für den Genuss ausschlaggebend. Die Spargelstangen sollten festgeschlossene Köpfchen haben. Außerdem: Frischer Spargel quietscht, wenn man die Stangen aneinander reibt und lässt sich leicht brechen. Die Schnittenden sollten saftig sein, doch auch hier wird getrickst: manche Händler schneiden die trocknen Enden ab, um Frische vorzugaukeln. 

Fazit

Gerade zu Beginn der Spargelsaison, kann der Kunde sich nicht immer auf die Herkunftsangabe verlassen. Trotzdem: wer auf frische Ware achtet und wenn es lecker schmeckt, hat vermutlich in die Stangen aus Deutschland investiert. 

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautorin: Barbara Hirl | Online: Heike Scherbel
© SWR Marktcheck

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