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Spätestens seit der Corona-Krise arbeiten viele Menschen zumindest zeitweise zuhause. Doch was ist da eigentlich erlaubt und was nicht? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Was ist der Unterschied zwischen Homeoffice und mobilem Arbeiten?

Unter „Homeoffice“ verstehen viele Unternehmen das, was juristisch als „Telearbeit“ definiert ist: ein fest installierter Arbeitsplatz zuhause. Dafür stellt der Arbeitgeber die Ausrüstung, z. B. Computer und Telefon, gegebenenfalls sogar Schreibtisch und Bürostuhl. Zudem müssen Unternehmen und Beschäftigte die konkrete wöchentliche Arbeitszeit und die Dauer der Telearbeit festlegen, zum Beispiel im Arbeitsvertrag oder in einer separaten Vereinbarung. Der Arbeitgeber ist zudem dafür verantwortlich, dass das Homeoffice dem Arbeitsschutz entspricht.

Ein Mann sitzt mit seinem Laptop in einem Cafe. (Foto: unsplash.com/Kae Ng)
Telearbeit oder mobiles Arbeiten? Nicht jeder Beschäftigte dürfte statt im Homeoffice auch in einem Café arbeiten. unsplash.com/Kae Ng

„Mobiles Arbeiten“ ist dagegen nicht gesetzlich definiert, hierunter fallen entsprechend flexiblere Arbeitsformen – egal ob am Dienst-Laptop oder am privaten PC, in der Küche oder auf dem Balkon, zuhause oder unterwegs. Dafür muss auch nicht explizit geregelt sein, wann und wo gearbeitet wird. Für viele Beschäftigte, die während der Corona-Krise von zuhause aus arbeiten, trifft deswegen eher zu, dass sie mobil arbeiten.

Darf ich generell von anderen Orten aus arbeiten?

Wer mobil arbeitet, darf dies theoretisch von überall aus tun, praktisch sind ein paar Punkte zu beachten. So sollte zum Beispiel der Datenschutz gewährleistet sein. Wer sensible Kunden- oder Unternehmensdaten bearbeitet, muss sicherstellen, dass diese auch am jeweiligen Arbeitsort geschützt sind – zum Beispiel vor neugierigen Blicken eines Sitznachbarn in der Bahn. In vielen Unternehmen gelten dafür extra Datenschutzvereinbarungen. Rechtsanwalt Michael Felser rät deswegen:

»Wenn Sie den Laptop auf haben, muss sichergestellt sein, dass keiner Ihre Unterlagen einsehen kann. Für diesen Datenschutz ist der Mitarbeiter verantwortlich. Auch personenbezogene Daten wie die Namen von Kollegen und Kunden müssen sicher sein.«

Rechtsanwalt Michael Felser

Auch wer im Café oder in der Bahn ein öffentliches, ungesichertes WLAN nutzt, sollte dies mit seinem Unternehmen absprechen. Gegebenenfalls kann in diesem Fall ein sogenanntes VPN (Virtual Private Network) genutzt werden, das die Unternehmens-IT zur Verfügung stellt, um die Datenübertragung zu verschlüsseln.

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Was passiert, wenn ich daheim einen Unfall habe und beispielsweise stürze?

Beschäftigte sind auch zuhause unfallversichert. Allerdings gilt dieser Versicherungsschutz nur, wenn der Unfall bei einer dienstlichen Tätigkeit passiert. Die Abgrenzung kann im Einzelfall schwierig sein. So kann zum Beispiel ein Sturz beim Austausch einer Druckerpatrone versichert sein, während der Gang in die Küche, um sich etwas zu trinken zu holen, nicht unfallversichert ist, wie das Bundessozialgericht entschieden hat.

Muss ich meinem Arbeitgeber Zugang zu meiner Wohnung gewähren?

Vor allem bei der Telearbeit ist der Arbeitgeber verpflichtet, den Arbeitsschutz sicherzustellen. Für die Einrichtung des Telearbeitsplatzes ist es deswegen üblicherweise erforderlich, den Arbeitgeber in die Wohnung zu lassen. Das kann zum Beispiel in einer Dienstvereinbarung vereinbart werden, so Rechtsanwalt Michael Felser. Denn:

»Das Grundgesetz und der Schutz der eigenen Wohnung gilt natürlich auch hier. Der Arbeitgeber darf dann nicht in die Küche oder in den Keller gehen, aber den Arbeitsplatz darf er betreten – natürlich nur nach Vorankündigung.«

Rechtsanwalt Michael Felser

Wer zahlt meine Nebenkosten wie Strom, Internet oder Zubehör?

Grundsätzlich ist der Arbeitgeber verpflichtet, die Kosten für den Arbeitsplatz zu tragen. In der Praxis lassen sich diese im Homeoffice aber gar nicht immer exakt beziffern, wenn sich die private und die dienstliche Nutzung vermischen. So kann der Arbeitgeber zum Beispiel nicht verpflichtet werden, die Miete anteilig für einen Heimarbeitsplatz zu übernehmen, wenn die Arbeit zuhause auf Wunsch des Beschäftigten selbst erfolgt, hat das Bundesarbeitsgericht entschieden.

Überwiegt das Interesse des Beschäftigten, zuhause zu arbeiten, muss der Arbeitgeber über die Büroausstattung hinaus demnach zunächst auch keinen weiteren Aufwendungsersatz zahlen. Ist hingegen zum Beispiel für Videokonferenzen eine schnellere Internetverbindung notwendig – es entstehen also Mehrkosten –, kann der Arbeitgeber unter Umständen an diesen beteiligt werden.

Rechtsanwalt Felser empfiehlt deswegen, sich mit dem Arbeitgeber auf eine Kostenbeteiligung zu verständigen, sofern es nicht ohnehin schon entsprechende Dienstvereinbarungen gibt.

»Der Arbeitgeber wird natürlich sagen: Den Laptop hat man sowieso, den Internetanschluss mit Flatrate auch. Trotzdem gibt es in vielen Unternehmen Regeln. Wenn es diese nicht gibt, sollte man vereinbaren, dass Mehrkosten erstattet werden.«

Rechtsanwalt Michael Felser

Gilt die Vertrauensarbeitszeit? Was ist, wenn ich stempeln muss?

Im Homeoffice gelten dieselben gesetzlichen Arbeitszeitbestimmungen wie im Unternehmen auch – egal ob Kernarbeitszeit, Gleitzeit oder Vertrauensarbeitszeit. Und auch im Homeoffice muss die Arbeitszeit erfasst werden. Das können Arbeitgeber aber an die Beschäftigten delegieren, zum Beispiel bei der Vertrauensarbeitszeit. Wenn „gestempelt“ wird, also eine Zeiterfassung erfolgt, dann müssen die Arbeitszeiten ggf. nachgetragen werden.

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Kann ich das Homeoffice von der Steuer absetzen?

Bisher kann das private Arbeitszimmer nur von der Steuer absetzen, wer keinen anderen Arbeitsplatz im Unternehmen hat. Und selbst das setzt voraus, dass das Arbeitszimmer ein abgetrennter Raum ist, der fast ausschließlich beruflich genutzt wird. Die Arbeitsecke im Wohnzimmer geht also nicht. Wie viel dann bei der Steuer geltend gemacht werden kann, hängt von der Größe der Wohnung und des Arbeitszimmers ab. Das Bundesfinanzministerium plant derzeit aber, Heimarbeiter während der Corona-Krise großzügiger zu entlasten. Das ist aber noch nicht beschlossen.

Schon jetzt können aber private Computer, Drucker und andere Technik zumindest zum Teil steuerlich geltend gemacht werden, wenn sie auch beruflich verwendet werden.

Was ist, wenn mein Internet zuhause nicht funktioniert?

Internetausfälle, Stromausfälle oder sonstige Probleme im Homeoffice sind in der Regel Betriebsrisiken, die der Arbeitgeber zu tragen hat. Zu diesem Schluss kommt der Professor für Arbeitsrecht Oliver Ricken. Zwar kann die Verantwortung zum Teil an Beschäftigte übertragen werden, zum Beispiel, dass das Internet funktionieren muss. Ist dies aber nicht der Fall, könnte „der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz in den Betriebsräumen anbieten“, so Ricken.

Kann mich der Arbeitgeber zum Homeoffice verpflichten?

In der Regel nicht. Das hat zum Beispiel das Landesarbeitsgericht Brandenburg entschieden. Demnach hat der Arbeitgeber zwar ein Weisungsrecht, wo die Arbeit zu verrichten ist, ins Homeoffice darf er Beschäftigte aber nicht versetzen. Es sei denn, die Anordnung von Homeoffice ist im Arbeitsvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag geregelt. In diesem Fall darf ein Unternehmen seine Beschäftigten auch gegen ihren Willen ins Homeoffice schicken.

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