Der Standpunkt in unserer Sendung

Es ist Zeit für Zivilcourage. Von Susanne Babila

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Susanne Babila

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Ich bin erschüttert und kann kaum glauben, dass sich - 85 Jahre nach der Reichspogromnacht - Jüdinnen und Juden in Deutschland nicht mehr sicher fühlen können. Sich nicht mehr trauen, öffentlich Hebräisch zu sprechen, eine Kippa zu tragen oder ihre Kinder in die Schule zu schicken. Und in Deutschland Synagogen zu bombensicheren Festungen gemacht werden müssen. Wenn vor deutschen Rathäusern Israel-Flaggen verbrannt oder antisemitische Parolen gerufen werden, dann ist es höchste Zeit gegen den Haß die Stimme zu erheben, Zeichen zu setzen und in den Dialog zu treten. 

Mit Menschen, die nicht wahrhaben wollen, dass das sogenannte Heilige Land die Heimat beider Völker ist – der Palästinenser wie auch der Israelis. Menschen, die nicht anerkennen, dass Israel sich wehren muss, wenn seine Bürgerinnen und Bürger verschleppt und bestialisch ermordet werden. Menschen, die ihren Israel-Hass auf jüdische Deutsche übertragen. 

Und es ist höchste Zeit uns mit Muslimen zusammenzuschließen, die mit Juden und Jüdinnen in Deutschland befreundet sind; mit Palästinensern, die Angst um ihre Angehörigen, Freunde und Bekannte in Gaza haben, aber Antisemitismus verabscheuen. Die in Deutschland friedlich leben wollen, aber für die terroristischen Gewalttaten in Sippenhaft genommen werden. Mit ihnen müssen wir reden, sie zu Wort kommen lassen. Denn nur gemeinsam können wir dem Hass die Stirn bieten. Es ist Zeit für Zivilcourage – wenn nicht jetzt, wann dann? Wir alle müssen Gesicht zeigen und aufstehen, wenn Juden bedroht, beleidigt oder angegriffen werden. Und das heißt auch, gegen das Vergessen - für Versöhnung und Menschlichkeit zu werben, Mit Herz und Verstand, jetzt und heute.

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Susanne Babila