Königin Elisabeth II. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/PA Wire | Tolga Akmen)

Expertin zum Tod von Queen Elizabeth II.

"Ihr Lachen und ihre blitzenden Augen bis zum Schluss haben mich fasziniert"

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Michael Lueg
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Nadine Kratochvil

Die britische Königin Elizabeth II. ist am Donnerstagabend im Alter von 96 Jahren auf Schloss Balmoral in Schottland gestorben. Sie war seit Februar 1952 auf dem Thron und somit die am längsten amtierende Monarchin der Welt. Dr. Ulrike Grunewald, Autorin der Dokumentation "The Queen" über das Leben und den Tod der Queen.

Dr. Ulrike Grunewald kam der Queen in ihrem Leben relativ nah, bei ihrem Staatsbesuch 2015 in Berlin. "Da standen wir direkt bei ihr vor dem Schloss Bellevue. Also ja, ich hatte schon einen guten Eindruck von ihr, wie sie sich als Person so präsentiert hat." Der Queen so dicht beizustehen, das weckt ein besonderes Gefühl "Man spricht ja immer vom Zauber, von der Magie der Monarchie. Ich bin jetzt keine Monarchistin, auch wenn ich mich mit dem Thema ja in den letzten Jahren sehr intensiv befasst habe. Aber es hat schon was Besonderes einem solchen Menschen gegenüberzutreten."

Das ist eine Weltikone. Und was mich fasziniert hat ist, dass bis zum Schluss ihre Augen so wach geblitzt haben und dieses wunderbare Lachen.

"Und aus Palastkreisen hört man ja, dass sie auch in den letzten Tagen noch bester Stimmung war."

Leuchtende Augen bis zuletzt

Ihren letzten offiziellen Auftritt hatte Königin Elizabeth II. am Dienstag als sie auf ihrem Landsitz Schloss Balmoral in den schottischen Highlands Liz Truss empfangen hat. Der ehemalige Premierminister Boris Johnson hatte seinen Rücktritt eingereicht. Die bisherige Außenministerin wurde daraufhin von der Queen zu seiner Nachfolgerin ernannt. Hier entstand auch das letzte Foto von der Queen wie sie vor dem Kamin steht, mit leuchtenden Augen, nur 2 Tage vor ihrem Tod.

Die britische Königin Elizabeth II. wartet im Salon, bevor sie Liz Truss am Dienstag, den 6. September 2022, zu einer Audienz in Balmoral in Schottland empfängt (Foto: picture-alliance / Reportdienste, ASSOCIATED PRESS | Jane Barlow)
Die britische Königin Elizabeth II. wartet im Salon, wo sie Liz Truss zu einer Audienz in Balmoral in Schottland empfängt. ASSOCIATED PRESS | Jane Barlow

Sie war auch geistig, glaube ich, bis zum Schluss da. Das hat sie ja auch immer davon abgehalten, ihren Sohn Charles zum Regenten zu machen. Aber sie hatte die Einstellung, sie bleibt an Bord bis zum Schluss. Das hatte sie ja dem Commonwealth mit 21 Jahren auch schon versprochen. Und dieses Versprechen hat sie gehalten.

Die Queen war eine lebenslange Konstante

Über 70 Jahre lang war Queen Elizabeth auf dem Thron – an eine Zeit ohne diese Königin können sich nur die wenigsten erinnern. Sie war eine unerschütterliche, einigende Kraft für die Menschen und ihr Land - in guten wie in schlechten Zeiten.

"Das ist wohl auf der ganzen Welt so, dass kaum jemand einen anderen Monarchen in Erinnerung hat. Es wird wahrscheinlich sehr viel von ihr bleiben. Das wird sich in der Zeit zeigen, die jetzt folgt. Sie hat ja dafür gesorgt, dass die Monarchie gut aufgestellt ist mit drei Generationen, die jetzt folgen. Sie hat mit Sicherheit sehr viel Erfahrung weitergegeben an Charles. Er wird ein schweres Erbe antreten, aber er hat die ganze Erfahrung, die er von seiner Mutter mitnimmt. William hat sich auch in letzter Zeit mehr eingeklinkt, als das früher bei ihm der Fall war. Also ich denke, das Erbe der Queen wird sichtbar werden in den nächsten Jahren, die Charles regiert. Es wird die Frage sein, wie stark er eigene Akzente setzen kann."

Die Queen war bekannt für Versöhnung und für diese Königsfamilie kann man ja nur hoffen, dass das als Idee und als Erbe bleibt und auch berücksichtigt wird. Wir wissen ja alle wie der Widerstreit zwischen William und Harry diese Familie im Moment strapaziert.

Charles III. tritt ein schweres Erbe an

Mit dem Tod der Queen ist ihr ältester Sohn Charles III. nun automatisch König von Großbritannien. Nach Angaben des Palasts heißt er jetzt König Charles III. Über sechs Jahrzehnte hatte er Zeit sich vorzubereiten. Zuletzt war er auch täglich bei seiner Mutter. "Er ist mit Sicherheit sehr gut vorbereitet. Er hat parallel ja immer alle Staatspapiere schon gelesen. Er hat von seiner Mutter sicherlich die besten Tipps bekommen. Keine war so erfahren wie die Queen."

Charles sei sehr bekannt dafür, dass er starke Lobbyarbeit betrieben hat, so Dr. Ulrike Grunewald. "Früher belächelt als grüner Prinz, fast als Spinner in den ersten Jahren seiner Aktivität angesehen. Die Frage wird sein, wie er mit seinen Überzeugungen umgeht. Vielleicht ist es in dieser Zeit auch angebracht, dass es einen König gibt, der sich mehr einmischt, als die Queen das getan hat."

Veränderungen in der Monarchie

"Mit Sicherheit ist ja lange bekannt, dass er den Apparat verschlanken will, weniger Familienmitglieder einbinden will. Er wird sicherlich einige Veränderungen vornehmen, was die Schlösser angeht. Man hört, das Balmoral zum Beispiel nicht mehr als Sommersitz dienen soll sondern als Museum. Er wird vielleicht noch mehr der Öffentlichkeit zugänglich machen. Also da wird es schon Akzente geben, ja, Veränderungen bestimmt."

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