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Es wird eng im Kalender Welt-Gedenktage und was dahinter steckt

Vom Internationalen Jogginghosen-Tag bis zum Welt-Toiletten-Tag: Manchmal scheint es fast, als wäre jeder Tag ein so genannter Welttag. Viele sind einfach nur witzig, andere wie der Welt-Glücks-Tag haben trotz ihres skurrilen Namens einen ernsten Hintergrund.

Von witzig bis bitterernst

Mittlerweile hat fast alles seinen Gedenktag: die Putzfrau, der Schweinebraten, die Jogginghose und auch die Zahl Pi. Der Journalist und Autor Timo Lokoschat fasst in seinem Buch "Es wird eng im Kalender" 365 kuriose Gedenk- und Feiertage zusammen. Manche stammen von Interessengruppen und PR-Firmen, andere sind Trends aus dem Internet. Nur die wenigsten gehören allerdings zu den offiziellen Gedenktagen der UN wie der Welt-Krebs-Tag oder der Welt-Flüchtlings-Tag.

Eine Erfindung der Vereinten Nationen

"Die Welttage sollen wichtige und ernste Themen ins Bewusstsein der Menschen bringen", sagt Arne Molfenter von den Vereinten Nationen. Als Beispiele nennt er auch den Gedenk-Tag an die Opfer des Holocausts oder den Welt-Aids-Tag. Mit der Tradition der Welttage begannen die Vereinten Nationen schon im Jahr 1947. Mit dem "UN Day" wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der Zusammenschluss von heute 193 Staaten zu einer gemeinsamen Organisation gewürdigt. "Für uns ist das lange her, damals wurde das als fundamental angesehen", so Molfenter. Über die Jahre ist auch die Zahl der offiziellen UN-Welttage gewachsen. Damit ein Thema einen eigenen Welttag bekommt, muss die Generalversammlung der Vereinten Nationen darüber abstimmen. Neue Vorschläge dafür kann jedes UN-Mitgliedsland abgeben. "Das hält sich aber sehr in Grenzen", findet Arne Molfenter.

Für uns absurd, für andere wichtig

Doch manchmal lassen sich die vielen Spaß-Tage und die ernsten Varianten der UN kaum unterscheiden, etwa beim neuen Welttag des Glücks. "Das klingt beim ersten Hören vielleicht absurd, aber auch das ist ein ernster Tag", sagt Arne Molfenter. Dahinter steckt auch die Forderung nach einem Wirtschaftswachstum, das die Armut nachhaltig beseitigt. Doch auch über die offensichtlich witzig gemeinten Varianten wie den Tag der verlorenen Socke will Arne Molfenter von der UN nichts Negatives sagen. "Jeder soll seinen Tag begehen, den er begehen möchte", sagt der UN-Mitarbeiter. "Wir konzentrieren uns auf die wichtigen."

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Von Feuchtgebieten und dem Glück

Hintergründe zu mehr und weniger ernst gemeinten Welttagen

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Im Februar wird der Welttag der Feuchtgebiete begangen. Der hat aber rein gar nichts mit der Star-Moderatorin und Bestseller-Autorin Charlotte Roche zu tun.

Im Februar wird der Welttag der Feuchtgebiete begangen. Der hat aber rein gar nichts mit der Star-Moderatorin und Bestseller-Autorin Charlotte Roche zu tun.

Stattdessen geht der Welttag auf das Übereinkommen über den Schutz von Feuchtgebieten aus dem Jahr 1971 zurück. Dabei geht es unter anderem um Moor- und Sumpfgebiete, Flüsse, Seen und Küsten. Wie der Titicacasee in Südamerika gelten viele der Regionen als bedroht.

Schüler aus der Schweiz und Frankreich protestieren bei den Vereinten Nationen in Genf gegen Kinderarbeit. Der 12. Juni soll jedes Jahr auf dieses Problem aufmerksam machen, das es noch immer in vielen Ländern der Welt gibt.

Der Welttag des Glücks mag beim ersten Hören etwas skurril klingen. Dabei geht es aber auch um die Forderung nach einem Wirtschaftswachstum, das die nachhaltige Entwicklung und die Armutsbeseitigung fördert.

Der Welttag des Zugvogels im Mai will auf den Verlust natürlicher Lebensräume hinweisen. Viele Landstriche werden laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen durch intensive Landwirtschaft oder Tourismus stark beeinträchtigt - oder wurden schon zerstört.

Am 18. Juli ist internationaler Nelson-Mandela-Tag. Die Vereinten Nationen haben beschlossen, dass der ehemalige Präsident Südafrikas unter anderem wegen seines Einsatzes für das Ende der Apartheid gewürdigt wird.

Der Welttag des Buches am 23. April soll Lust aufs Lesen machen. Der Tag wurde ausgewählt, weil an ihm bekannte Autoren der Weltliteratur wie Cervantes oder Shakespeare gestorben sind.

Bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen kann prinzipiell jedes Mitgliedsland einen Antrag stellen, damit ein Thema einen eigenen Welttag bekommt.

Der Welt-Toiletten-Tag ist am 19. November 2001 ins Leben gerufen worden, allerdings nicht direkt von den Vereinten Nationen. Nach Angaben der internationalen Hilfsorganisation Oxfam haben weltweit fast 40 Prozent der Menschen keinen Zugang zu hygienischen Toiletten.

Angeblich hat sich eine deutsche Schriftstellerin den Welt-Putzfrauen-Tag ausgedacht, um ihr neues Buch zu bewerben. Sie soll dafür sogar einen eigenen Wikipedia-Artikel geschrieben haben. Als das auffiel, hatten viele Medien ihn schon übernommen.

Am 6. Juli ist Welt-Kuss-Tag. Angeblich wird er seit 1990 in Großbritannien begangen. Hier in München können sich Passanten gegen eine Spende für einen guten Zweck küssen lassen.

Der Internationale Jogginghosen-Tag geht wohl auf einen Schüler aus Österreich zurück. Am 21. Januar 2011 haben beim sozialen Netzwerk Facebook 600.000 Nutzer angegeben, dass sie daran teilnehmen und an dem Tag eine Jogginghose tragen.

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