STAND

Der Gemüsestand vom Biobauern nebem dem griechischen Händler mit Fässchen voll verschiedenster Oliven und eingelegtem Feta. Daneben Brot aus der Bauern-Bäckerei, Eier und Hähnchen vom Geflügelhof. Dazu noch der Blumenstand und an der Ecke die Verkaufs-Wagen von Metzger und Käse-Laden. Gibt es diese Wochenmärkte überhaupt noch, oder: jetzt wieder mehr, weil die Verbraucher sie zu schätzen gelernt haben?

»Ich mag die Atmosphäre auf dem Wochenmarkt: das Schlendern zwischen den Ständen, das Gefühl, etwas Frisches direkt vom Erzeuger zu kaufen. Und dann esse ich immer noch eine Weißwurst und halte ein Schwätzchen, mit teils wildfremden Menschen. Das geht nur auf dem Wochenmarkt«

Der SWR1 Thema Heute Podcast

Gefühlt sind sie angesagt wie nie: Die Wochenmärkte in Baden-Württemberg. Hier gibt es die Produkte direkt vom regionalen Produzenten inklusive nettem Plausch. Wir klären in SWR1 Baden-Württemberg, ob es auf den Wochenmärkten wirklich das bessere Obst und Gemüse gibt, wer dort eigentlich einkauft und wie die Verkäufer auf dem Wochenmarkt ihre eigene Zukunft sehen.

Dauer

Das sagt die Statistik

Fast 29 Millionen Menschen haben in Deutschland im vergangenen Jahr laut einer Allensbach-Statistik auf einem Wochenmarkt eingekauft - diese Zahl war ab 2016 nahezu konstant. Rund 1,4 Mrd. Euro haben die Verbraucher im Jahr 2016 auf Wochenmärkten ausgegeben, so die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). Allerdings stellte die Deutsche Marktgilde - ein Veranstalter von Wochenmärkten - 2016 fest, dass die Zahl von 3300 Wochenmärkten zwar "ordentlich" sei, die Märkte in den Jahren zuvor aber um bis zu 50 Prozent geschrumpft seien.

Mit dem Preisdruck der Discounter können viele Händler nicht mehr mithalten, auch sterben immer mehr Familienbetriebe aus. Das Händler-Dasein ist eben kein Zuckerschlecken: frühes Aufstehen, langes Arbeiten, Kälte, Hitze, Knochen- statt 9-to-5-Job.

Auf der anderen Seite scheint wohl auch bei den Verbrauchern mittlerweile ein Umdenken stattzufinden. Wer es zeitlich einrichten kann, der weiß, was er bei seinem Besuch auf dem Wochenmarkt bekommt. Und wenn der Händler dann keine Großmarkt-Ware anbietet, sondern selbst ab Hof oder von den Bauern und Erzeugern der Region verkauft, dann weiß er die "bewussten" Verbraucher auf seiner Seite.

Marktstand am frühen Morgen (Foto: SWR)
Stand auf der Freiburger Wochenmarkt

Auch im Winter macht der Wochenmarkt keine Pause

...bei den Marktleuten auf dem Bad Mergentheimer Wochenmarkt zum Beispiel. Zwar sind es einige Händler weniger als im Sommer, aber trotzdem kann die Kundschaft auch im Winter regional und saisonal einkaufen.

Hat gut Lachen trotz winterlicher Temperaturen: Marktbeschickerin Frank auf dem Wochenmarkt in Bad Mergentheim (Foto: SWR)
Hat gut Lachen trotz winterlicher Temperaturen: Marktbeschickerin Frank auf dem Wochenmarkt in Bad Mergentheim

Der etwas andere "Wochenmarkt"

Ulmer Bürger können frische Produkte vom Wochenmarkt kaufen, ohne selbst hinzugehen - und das mit nur einem Mausklick. Gegründet wurde der Shop von drei Ulmern, die bald Unterstützung von der Stadt bekamen.

Wochenmarkt: auch ein Ort der Begegnung

Natürlich ist ein Wochenmarkt auch immer für ein kleines Schwätzchen gut - beim Einkaufen trifft man die ein oder anderen bekannten Gesichter, mehr als ein kurzes Kopfnicken oder "Hallo" ist allemal drin. Anders als im Supermarkt scheint so ein Marktbesuch die Menschen etwas aus ihrer Hetze zu reissen. Slow-Foot sozusagen...

Es gibt dort aber auch die Begegnungen der anderen Art - man trifft auf fremde Menschen und deren Geschichten. So wie unsere Kolleg*innen von SWR Heimat. Mit Fotobox und Notizblock ausgerüstet, waren sie auf dem Karlsruher Wochenmarkt unterwegs:

Supermarkt contra Wochenmarkt

Mit dem Einkaufswagen durch prall gefüllte Regalreihen fahren, nach Lust und Laune zugreifen und am Ende an einer Kasse bezahlen: Das ist für uns heute selbstverständlich. Doch das war nicht immer so. Bis in die 1960er Jahre hinein war das Prinzip der Selbstbedienung in Deutschland nahezu unbekannt, Supermärkte gab es nicht. Dann wurden sie aber zur großen Konkurrenz für Wochenmärkte und Tante Emma-Läden.

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