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Für manche Menschen ist es ein Tabu, für andere ist es Realität. Eine Liebesbeziehung am Arbeitsplatz. Aber wie ist das, wenn man verliebt, verlobt oder verheiratet ist mit Kollegen oder gar dem Chef?!

Der SWR1 Thema Heute Podcast

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Liebe zwischen Konferenz und Mittagspause

Wir verbringen wahnsinnig viel Zeit bei der Arbeit. In der Woche sind es rund 40 Stunden - und das ist mehr Zeit, als wir mit lieben Freunden oder sogar mit der Familie verbringen. Hier mal ein Meeting, da ein Workshop und dazwischen Mittagspause oder abendliche Geschäftsessen. In diesem Umfeld kommt man sich dann schnell mal näher.

Laut einer Umfrage ist fast die Hälfte aller Arbeitnehmer schon mit einem Kollegen ausgegangen, 45 Prozent hatte sogar eine Beziehung mit einem Kollegen oder einer Kollegin aus dem eigenen Team.

Ein junger Mann klebt am 26.11.2016 in einem Coworking Space in Berlin ein Herz aus Klebezetteln an das Buerofenster, waehrend seine Kollegin im Hintergrund ihn verliebt anschaut (gestellte Szene). (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
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Liebe im Job: So funktioniert es!

Auch wenn es die große Liebe ist, die Arbeit darf nicht vernachlässigt werden. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass die Arbeit unter der Beziehung leidet und man den Job schleifen lässt. Auch wenn man frisch verliebt ist, sollte jeder die Hände bei sich behalten. Fummeln ist nicht nur peinlich, sondern kann auch zu Lästerein im Kollegenkreis führen. Monatelanges Verstecken spielen heizt dagegen Diskussionen und Gerüchte an. Es empfiehlt sich ehrlich zu sein.

Falls es sich um eine Beziehung zwischen Chef und Angestellter handelt, dann versuchen neutral zu bleiben. Sonst kommt es unnötig zu Stress in der Partnerschaft. Jeder macht schließlich nur seinen Job. Außerdem sollte die Arbeit im Büro zurück bleiben. Zuhause haben die Themen nichts verloren. Selbes gilt, wenn man sich mal daheim zofft. Dann den Ärger nicht mit in die Firma nehmen. Und wenn alles super harmonisch funktioniert, gibt es sicher immer wieder Neider, die einem die Beziehung nicht gönnen. Dann einfach ein dickes Fell zulegen.

Liebe braucht Luft zum Atmen

Eine Liebesbeziehung am Arbeitsplatz geht, sagt der Psychotherapeut Wolfgang Krüger im SWR1 Interview. Allerdings gibt es dafür Regeln und No-Gos.

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Liebesbeziehung kostet Chef den Job

Der McDonalds-Chef wurde er vor kurzem gefeuert, weil er eine Liebesbeziehung zu einer Mitarbeiterin hatte. Wie wird das in großen Deutschen Firmen geregelt? Gibt es hier auch so harte Bandagen?

Regelung in Deutschland weniger strikt

Auch bei uns in Deutschland gibt es ganz ähnliche Regelungen. Allerdings seltener und auch allgemeiner formuliert, als in den USA. Festgehalten werden diese Richtlinien im “Code of Conduct” - einem unternehmenseigenen Verhaltenskodex. Da schreibt VW zum Beispiel:

»Die Auswahl, Einstellung und Förderung unserer Mitarbeiter erfolgt grundsätzlich auf der Grundlage ihrer Qualifikation und ihrer Fähigkeiten.«

Verhaltenskodex von VW

Das bedeutet indirekt: Nur weil ich als Vorgesetzte eine persönliche Beziehung zu einem Mitarbeiter habe, darf ich ihn nicht bevorzugen.

Abgasskandal: Ein Kfz-Meister lädt ein Software-Update auf einen Volkswagen Golf  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa)
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Entscheidungen nicht durch persönliche Beziehungen beeinflussen

Die Beziehung selbst ist aber nicht über die Unternehmensrichtlinien verboten. Bayer formuliert das ähnlich: “Wir lassen uns in unseren Entscheidungen im Hinblick auf Mitarbeiter oder Verträge mit Dritten nicht von familiären oder persönlichen Beziehungen beeinflussen.” Allerdings gibt es hier eine Zusatzbemerkung, die das ganze schärfer macht:

»Der Anschein von Interessenkonflikten kann unserem guten Ruf genauso schaden, wie tatsächliche Interessenkonflikte. Wir sollten auf der Hut vor Situationen sein, in denen andere Personen denken könnten, dass das Ziel unserer Aktivität, Entscheidung oder Aussage darin besteht, einen unfairen Vorteil zu erzielen.«

Unternehmensrichtlinien von Bayer

Hier könnte also schon das bloße Bestehen einer privaten Beziehung als nicht gewünscht gelten.

Verhaltenskondex kommt aus Historie

Dass es in Deutschland seltener klar festgelegte Verbote für Beziehungen am Arbeitsplatz gibt, hängt mit der Geschichte der Codes of Conduct zusammen. Die sind eine amerikanische Erfindung. Schon im 19. Jahrhundert gab es dort unternehmensspezifische, interne Regelungen darüber, was okay ist und was nicht.

Im europäischen Raum hielt man das damals für unnötig, da hier Handelsgesetze und Arbeitsrecht die meisten der Punkte regelten. Erst im Zuge der Globalisierung kam der Verhaltenskodex als Instrument der Unternehmensführung verstärkt zu uns. (Katha Jansen, SWR)

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