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Ein Stimmungsbild aus dem Südwesten Wie spürbar ist der Abschwung?

Deutschland im Sommer. Temperaturen nahe 40 Grad. Doch neben der Ferienstimmung beschleicht viele Menschen in diesem Jahr ein Gefühl der Unsicherheit.

Die Zeichen für einen wirtschaftlichen Abschwung mehren sich: Kurzarbeit, Stellenabbau und Einstellungsstopp bei den Zulieferern. Gewinneinbruch bei Daimler und der BASF. Was bringen die nächsten Monate? Stehen wir nach Jahren des Booms vor einer Zeitenwende? Wie konkret spürbar ist die Abkühlung in den Firmenhallen? Und welche Unternehmen sind längst dabei, sich komplett neu aufzustellen – für eine andere, digitale Zukunft? Wir haben nachgefragt in Unternehmen, bei Beschäftigten, bei Anwohnern, in Rathäusern und Arbeitsagenturen. Eine Reise durch den Südwesten im Sommer 2019.

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Bundesweiter Trend des Abschwungs

Die Anzeichen für eine Konjunkturflaute in Deutschland mehren sich: Die seit geraumer Zeit schwächelnde Industrie produzierte im zweiten Quartal weniger als im ersten Vierteljahr, auch im Juni gab es ein Minus, wie aus vergangene Woche veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Die exportorientierte deutsche Industrie leidet unter internationalen Handelskonflikten, den Unwägbarkeiten des Brexits und dem Strukturwandel in der Autoindustrie.

"Die Produktionsdaten für den Juni verheißen nichts Gutes für die deutsche Konjunktur. Der deutliche Rückgang der weltweiten Industrienachfrage trifft die deutsche Wirtschaft härter als erwartet."

Ulrich Kater (Dekabank-Chefvolkswirt)
Ein Arbeiter steht in einer Montagehalle des Siemens-Turbinenwerks. Im Vordergrund hängt eine Turbine in der Montage. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Kahnert/zb/dpa)
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Im Vergleich zum Vorjahresmonat ging die Erzeugung um 5,2 Prozent zurück. Das ist der stärkste Rückgang seit November 2009 - als im Verlauf der internationalen Finanzkrise die Wirtschaft einbrach. Die deutsche Industrie rechnet mit einem weiteren Rückgang ihrer Produktion in den nächsten drei Monaten, wie aus der aktuellen Konjunkturumfrage des ifo-Instituts hervorgeht. "Immer mehr Firmen vermelden, dass sie ihre Produktion im kommenden Vierteljahr drosseln wollen", sagte ifo-Konjunkturexperte Robert Lehmann.

Jobs fallen weg

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental kündigte am vergangenen Mittwoch an, nach dem jüngsten Gewinneinbruch Stellen zu streichen.

Continental schließt Werk in Oppenweiler (Foto: SWR)

Am Vortag hatte bereits Bosch mitgeteilt, dass die schwächere Nachfrage vor allem nach Dieselmotoren Stellen kosten werde. Der Autozulieferer ElringKlinger rutschte wegen der Flaute an den Automärkten weltweit im zweiten Quartal in die roten Zahlen.

Bürger zurückhaltend(er)

Bislang wurde die Konjunktur in Deutschland vom Bauboom und der Konsumfreude der Verbraucher am Laufen gehalten. Zuletzt hatte sich die Konsumlust der Menschen allerdings etwas eingetrübt. Die Bundesbürger werden beim Geldausgeben zunehmend vorsichtiger. Angesichts der andauernden Schwäche der deutschen Industrie gehen Volkswirte davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal im Vergleich zum Jahresanfang nicht mehr gewachsen, möglicherweise sogar leicht geschrumpft ist.

(Quelle: dpa)

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