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Tag für den Klimaschutz Die Welt demonstriert - das Kabinett in Berlin einigt sich

Durch den Klimawandel wird bis zum Jahr 2100 mit einem Anstieg der Durchschnittstemperatur von bis zu 6,5 °C gerechnet, wenn nichts dagegen getan wird.

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Koalition einigt sich auf Klimapaket

Für mehr Klimaschutz in Deutschland kommen auf Bürger und Unternehmen weitreichende Änderungen zu. Die Spitzen der großen Koalition einigten sich in einer knapp 19-stündigen Sitzung am Freitag in Berlin auf ein Maßnahmenpaket, mit dem die Bundesrepublik ihre verbindlichen Klimaschutz-Ziele für 2030 schaffen soll.

Als zentrales Element soll klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) einen Preis bekommen und Benzin und Diesel, Heizöl und Erdgas verteuern - es ist aber ein Einstieg auf einem moderaten Niveau geplant. Im Gegenzug soll eine Reihe von Entlastungen und Anreizen kommen.

»Der Klimawandel ist eine Schicksalfrage für die Menschheit.«

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Das schwarz-rote Klimaschutzpaket soll ein Gesamtvolumen von mehr als 50 Milliarden Euro haben. Zur Finanzierung soll es weder neue Schulden noch eine zeitweise diskutierte Klimaanleihe geben, wie es am Freitag aus Koalitionskreisen hieß. Nach der Verständigung der Spitzen von Union und SPD beriet das Klimakabinett der Regierung über "Eckpunkte für das Klimaschutzprogramm 2030". Ein Überblick über wichtige Elemente:

CO²-PREIS

Ein CO²-Preis in den Bereichen Verkehr und Wärme soll klimafreundlichen Antrieben und Heizungen einen Schub zu geben. Die CO²-Bepreisung von Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas soll 2021 mit einem Festpreis für Verschmutzungsrechte von 10 Euro pro Tonne CO² starten. Bis 2025 soll der Preis schrittweise auf 35 Euro steigen. Erst danach soll der Preis der Verschmutzungsrechte sich über einen Handel bilden und innerhalb eines Korridors von Angebot und Nachfrage bestimmt werden. Mit diesen Verschmutzungsrechten müssen nicht die Endkunden handeln, sondern Unternehmen, die fossile Heiz- und Kraftstoffe in Verkehr bringen oder liefern.

Sie bewirken aber, dass es an der Tankstelle und beim Heizen teurer wird. Die Preise von Heizöl, Sprit und Erdgas hängen von vielen Faktoren ab, der CO²-Preis soll ein Bestandteil des Endpreises werden. Experten gehen davon aus, dass ein CO²-Preis von 35 Euro pro Tonne zum Beispiel Diesel beim Tanken um mehr als 9 Cent verteuert. Für das erste Jahr des Handels mit Zertifikaten - also 2026 - soll eine Preis-Untergrenze von 35 Euro pro Tonne festgelegt werden und eine Obergrenze von 60 Euro. Das soll verhindern, dass es für die Verbraucher zu teuer wird.

VERKEHR

Im Gegenzug für den CO²-Preis, der dem Staat Milliarden Mehreinnahmen bringt, soll unter anderem die Pendlerpauschale steigen. Pro Entfernungskilometer sollen demnach 35 statt 30 Cent von der Steuer abgesetzt werden können - aber erst ab dem 21. Kilometer und befristet bis Ende 2026. Die Koalition will zudem Bahnfahren billiger und Flüge teurer machen. So soll die Mehrwertsteuer auf Bahntickets im Fernverkehr von derzeit 19 auf 7 Prozent sinken.

Autos stehen in langen Warteschlangen in Oestrich-Winkel (Foto: SWR, SWR -)
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Im Gegenzug soll die Luftverkehrsteuer für Starts von deutschen Flughäfen zum 1. Januar 2020 angehoben werden. Details, welche Strecken dies betrifft, wurden vorerst nicht genannt. Um die schwache Nachfrage nach Elektro-Autos zu erhöhen, soll die von Bund und Herstellern getragene Kaufprämie erhöht werden - für Autos mit einem Preis von unter 40 000 Euro. Die Kfz-Steuer soll stärker als bisher an den CO2-Emissionen ausgerichtet werden.

HEIZEN

Wer eine alte Ölheizung gegen ein klimafreundlicheres Modell auswechselt, soll mit einer «Austauschprämie» von bis zu 40 Prozent der Kosten gefördert werden. Der Einbau neuer Ölheizungen soll ab 2026 verboten sein - «in Gebäuden, in denen eine klimafreundlichere Wärmeerzeugung möglich ist». Für die energiesparende Gebäudesanierung ist eine steuerliche Förderung geplant.

ÖKO-STROM

Im Gegenzug zu einem CO2-Preis im Verkehr und bei Gebäuden soll auch die EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms ab 2021 gesenkt werden. Der Ausbau des Ökostroms soll beschleunigt werden. Derzeit stockt vor allem der Ausbau der Windkraft an Land, weil es lange Genehmigungsverfahren und viele Klagen gibt. Um die Akzeptanz für neue Windräder zu erhöhen, sollen Kommunen künftig eine finanzielle Beteiligung am Betrieb von Anlagen erhalten. Beim Ausbau von Photovoltaik soll eine bisherige Förder-Begrenzung aufgehoben werden.

Wird Angela Merkel ihre Chance nutzen, als „Klima-Kanzlerin” etwas zu reißen?

Die Regierung will den Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland bis 2030 um ein Drittel senken - von 866 Millionen Tonnen im Jahr auf rund 560 Millionen Tonnen. Ob sie das schafft, bezweifeln einige Wissenschaftler.

Junge Frau trägt eine Jacke mit Friday for future Aufnäher (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
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Laut Umfrage (ARD Deutschland Trend) sehen mehr als 80 Prozent der Bürger in Deutschland großen Handlungsbedarf in Sachen Klimaschutz. Vor allem SchülerInnen gehen dafür freitags auf die Straße.

Fridays for Future

Rund um den Globus haben am Freitag mehrere Hunderttausend Menschen für mehr Klimaschutz demonstriert. Einem Aufruf der Jugendbewegung Fridays for Future zum globalen Streik folgten allein in Australien rund 300.000 Menschen, wie die Veranstalter mitteilten.

Auch in Deutschland war der Zulauf groß: In Berlin gingen nach Angaben der Aktivisten mehr als 100.000 Menschen auf die Straße, in Köln 70.000, und auch in Hamburg waren es laut Polizei 70.000. In München und Hannover beteiligten sich gut 25.000 Menschen, und selbst in kleineren Städten wie Münster und Freiburg waren es rund 20.000. In ganz Deutschland waren in Dutzenden Städten mehr als 570 Aktionen und Demonstrationen angemeldet. (dpa)

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