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Vorwurf der unerlaubten Glücksspielwerbung Wettanbieter & Bundesliga-Clubs im Visier der Behörden

Wegen unerlaubter Glücksspielwerbung sind sieben Vereine der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga ins Visier der Aufsichtsbehörden geraten. Nach Informationen der ARD-Radio-Recherche Sport gehören dazu Borussia Dortmund, Werder Bremen und der Sportwettenanbieter Betway.

Ob bwin, tipico oder betway: Zahlreiche Anbieter von Sportwetten haben auch in Deutschland verbotenes Glücksspiel im Angebot, wie beispielsweise Spielautomaten, BlackJack oder Roulette. Wenn Fußball-Vereine das Logo des Anbieters auf ihrer Internetseite oder auf Banden im Stadion präsentieren, werben sie automatisch für diese illegalen Angebote der Unternehmen mit.

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Was tun die Behörden?

Auf Anfrage der ARD-Radio-Recherche Sport teilte die Bezirksregierung Düsseldorf, es „(…) soll den Fußballvereinen unsererseits kein absichtliches rechtswidriges Handeln vorgeworfen werden. Die Vereine, denen häufig nicht bewusst ist, dass sie durch ihre Werbemaßnahmen auch die illegalen Online-Casino-Angebote der Sportwettveranstalter bewerben, werden im Rahmen des Verfahrens über die vorliegenden Verstöße informiert und aufgefordert, diese abzustellen.“

So müssen die Vereine deutlich darauf hinweisen, dass sie nur für das Sportwett-Angebot der Unternehmen werben. Internet-Links dürfen nicht zu den Seiten der Wettanbieter führen, wenn diese Online-Casinos im Angebot haben. Folgen die Vereine entsprechenden Vorschlägen der Aufsichtsbehörden nicht, droht eine Untersagungsverfügung. Bedeutet: Der Verein müsste die Werbung einstellen. Auch die Verhängung eines Bußgeldes ist möglich.

Sportwetten (Foto: dpa Bildfunk, Lukas Barth)
Das Kreuz ist schnell gemacht und das Geld auch (Symbolbild). Lukas Barth

Anteil der Sportwett-Süchtigen steigt

Generelle Kritik an Partnerschaften zwischen Wettanbietern, Bundesliga-Vereinen, Verbänden und Sportlern kommt von Suchtexperten. Auf Anfrage der ARD-Radio-Recherche Sport geben mehrere Landesstellen für Suchtfragen und Glücksspielsucht an, dass der prozentuale Anteil der Online-Sportwetter unter den Glücksspielsüchtigen gestiegen sei.

Grund für gestiegene Suchtgefahr sind Live-Wetten

Die sind aber nach dem Glücksspielstaatsvertrag größtenteils verboten. Und sie sind eine große Gefahr, sagt der Glücksspielforscher Tobias Hayer von der Uni Bremen im SWR1-Interview.

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„Bei Live-Wetten während laufender Veranstaltungen ändern sich die Wettquoten quasi sekündlich. Das hat eine ganz enorme Spiel-Geschwindigkeit und Dynamik. Das kickt! Das bringt die Stimulation mit sich und damit auch die Suchtgefahr."

Tobias Hayer, Glücksspielexperte der Uni Bremen

Ein weiterer Grund für die gestiegene Suchtgefahr sehen Experten in der “ausufernden” Werbung für Sportwetten-Anbieter. Rund 50 Millionen Euro Sponsorengelder fließen laut des Sportwetten-Verbandes derzeit pro Jahr in den Deutschen Sport. Der Großteil in den Fußball. In der 1. Bundesliga wird fast jeder Verein von einem privaten Wettanbieter gesponsert. Zudem gibt es Partnerschaften zwischen dem DFB und bwin, sowie zwischen der DFL und Tipico. Durch die Partnerschaften würden die Suchtgefahren verharmlost, so Suchtexperten.

Sportwetten-Werbebande im Fußball-Stadion  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Sportwetten-Werbebanner Picture Alliance

Wetteinsätze nehmen stark zu

Laut dem Statistikportal statista wurden in Deutschland im Jahr 2018 rund 8,8 Milliarden Euro auf Sportereignisse gewettet. Die Wetteinsätze sollen sich demnach in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt haben. Auch die Steuereinnahmen durch Sportwetten haben sich in Deutschland laut statistischem Bundesamt in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt, auf rund 383 Millionen Euro.

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