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Merkel, Kramp-Karrenbauer und von der Leyen Die drei starken Frauen der CDU

Dieser Tag und diese Woche steht eindeutig im Zeichen von drei starken Frauen in der CDU: Ursula von der Leyen als neue - und erste - Kommissionspräsidentin der EU, Annegret Kramp-Karrenbauer als neue Verteidigungsministerin und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Was nicht heißt, das nicht jede von ihnen auch massiv in der Kritik steht.

Kramp-Karrenbauer: eine Zumutung?

Nicht nur CDU-Chefin, jetzt auch Verteidigungsministerin - Kramp-Karrenbauer wird im neuen Job überzeugen müssen. Die Opposition hält sie dafür nicht für ausreichend qualifiziert - und kritisiert die Entscheidung der Kanzlerin.

"Eine Zumutung für die Truppe und für unsere NATO-Partner"

FDP-Vizefraktionschef Alexander Graf Lambsdorff

Das Verteidigungsministerium sei für die Union eine "Kernposition", entgegnet Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus der Kritik. Kramp-Karrenbauer sei qualifiziert für das Amt - auch weil sie als langjährige Innenministerin im Saarland Erfahrung im Sicherheitsbereich gesammelt habe.

Von der Leyen: Brückenbauerin, die es allen recht macht?

Während Kanzlerin Merkel sagte "Ministerin verloren, neue Partnerin in Brüssel gewonnen", übt die Opposition Kritik - auch am Procedere, das Prinzip der Spitzenkandidaten sei unterlaufen worden.

"Dass von der Leyen erst kurz vor ihrer Wahl zentrale Themen zur Sprache gebracht hat, zeigt, wie kontraproduktiv die Hau-Ruck-Aktion des Rates gegen das Europäische Parlament war"

Die Grünen-Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck

Auch die internationalen Pressestimmen zur Wahl von der Leyens als EU-Kommissionspräsidentin sind durchaus gemischt: "Reihen zusammenhalten, Rechtsstaat verteidigen, mehr als Marionette sein, Brückenbauerin, die es allen recht macht" sind nur einige Stimmen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel konterte und bezeichnete von der Leyen als "überzeugte und überzeugende Europäerin". Sie werde mit großem Elan die Herausforderungen angehen, "vor denen wir als Europäische Union stehen". Merkel erklärte, sie verliere zwar eine langjährige Ministerin, gewinne aber eine neue Partnerin in Brüssel: "Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit." 

Merkel: Strippenzieherin im Hintergrund?

Ist sie die Strippenzieherin im Hintergrund, die es geschafft hat, ihre ganz persönliche Agenda in der EU und zu Hause an allen vorbei durchzuziehen? So die Vorwürfe der Kritiker. Anlässlich ihres 65sten Geburtstags sitzt der Fokus in dieser Woche aber auch auf dem Rückblick auf die politische Karriere einer Politikerin, deren Konzept des Pragmatismus ihr sowohl großes Lob als auch herbe Kritik einbrachten.

Der Vorwurf der Strippenzieherin lässt sich zumindest hinterfragen. Beispiel Ursula von der Leyen: Die ehemalige Verteidigungsministerin war überhaupt nicht Merkels Favoritin für diesen Posten. Andere wie der französische Präsident Emmanuel Macron hatten die Kandidatur von der Leyens betrieben. Und Merkel?

"Für die Kanzlerin war das in Ordnung - sie hat den Vorschlag unterstützt, weil sie als Pragmatikerin eine Lösung wollte, mit der möglichst viele Staats- und Regierungschefs einverstanden sind"

Josef Janning vom Think Tank "European Counsil on Foreign Relations"

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