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Karriere oder Kind? Väter unter Druck

Kind oder Karriere? Vor dieser Frage stehen Frauen seit Jahrzehnten. Inzwischen merken aber auch immer mehr Männer, wie schwer Familie und Beruf zu vereinbaren sind. Väter wollen oft mehr sein als Wochenend-Papas, werden dafür aber im Job oftmals abgestraft.

Der SWR1 Thema Heute Podcast

»Karrierekiller Kind?« Ist das heute wirklich immer noch so? Macht ein Kind die Karriere kaputt? Unsere Reporterinnen und Reporter haben Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen getroffen, wir berichten aus Schweden und Japan und wir sprechen mit einem Vater von Drillingen.

Dauer

Flexibler im Job

Nur noch fünf Stunden am Tag arbeiten – bei vollem Gehalt und Urlaub. Kann nicht funktionieren? Doch! Ein Bielefelder IT-Unternehmer macht in seiner Agentur die Probe aufs Exempel. Der Arbeitstag des Unternehmens dauert von 8 bis 13 Uhr. Ein Experiment, das Lasse Rheingans sich und seinen 15 Mitarbeitern vor einem Jahr verordnet hat, als er die Agentur frisch übernommen hatte.

Und Arbeitspsychologen bestätigen: Kürzere Arbeitszeiten sind produktiver, pro Stunde schafft ein Mitarbeiter mehr als an einem langen Arbeitstag in der achten, neunten oder zehnten Stunde. Dieser Produktivitätsgewinn lässt sich durch höhere Motivation und anfänglich größere Leistungsfähigkeit erklären. Allerdings: Gleiches Pensum in kürzerer Zeit bedeutet auch mehr Arbeitsverdichtung und Druck. Man muss sich stärker konzentrieren, kleine Pausen fallen aus.

So ergeht es den SWR1 HörerInnen

Chris aus Wäschenbeuren hat schlechte Erfahrungen gemacht: " 2011 kam meine Tochter zur Welt und ich habe mich doch tatsächlich erdreistet zwei Monate Elternzeit zu nehmen. Nach meiner Rückkehr bekam ich unlösbare Aufgaben ... und tschüss. Man(n) sollte glauben, dass ein moderner Mechatronik-Ingenieur über genügend Gleitzeitmöglichkeiten verfügt um seine Kinder in den Kindergarten bringen zu können - auch hier Fehlanzeige. Obwohl weder Kundenkontakt besteht, noch eine getaktete Produktion angeschlossen ist, verlangt die Kernzeit eine Anwesenheit von 8 - 15 Uhr. Das macht vernünftiges und zuverlässiges "Elternschichten" - er morgens, sie abends oder umgekehrt - unmöglich."

Auch Sven aus Ludwigsburg hatte Probleme ein "zuverlässiger" Papa zu sein: "Meine Kids sind 26, 23, 20 - ich arbeite als Facharbeiter in einem Mittelständischem Unternehmen, Als meine Kinder damals klein waren, verstand die komplette Führungsriege nicht, wenn ich mal daheim bleiben musste, als meine Frau schwanger war, oder mal eins der Kinder krank war und meine Frau auch. (...) Ich solle mir ein Beispiel an den Kollegen nehmen, da passen Oma und Opa auf! Heute nimmt sogar die Führungsspitze Elternzeit und der selbe Chef sagt dazu nichts mehr-Fazit: so ändern sich die Zeiten."

Andreas aus Wiesloch allerdings hatte Glück mit seinem Arbeitgeber: "Als ich im Oktober 1993 für ein halbes Jahr Erziehungsurlaub nahm, galt ich noch als Exot. Unser erster Sohn war damals acht Monate alt und ich arbeitete als Krankenpfleger und Stationsleitung in einer Klinik. Mein Arbeitgeber unterstützte mich dabei und ich kam nach sechs Monaten wieder in meine Leitungsposition zurück. Fast alle Menschen hatten es damals sehr positiv gesehen."

Ein Vater trägt sein Kind an der Schulter. (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Foto: Colourbox.de -

Deutschland bei Familienfreundlichkeit auf sechstem Rang

Deutschland liegt in puncto familienfreundlicher Politik laut einem Unicef-Ranking auf dem sechsten Rang der Industrieländer. In Schweden sind die politischen Bedingungen für Familien am günstigsten. Auf den weiteren Plätzen folgen dann Norwegen, Island, Estland und Portugal. Am wenigsten haben Familien demnach in der Schweiz, Griechenland, Zypern, Großbritannien und Irland von ihren Regierungen zu erwarten.

»Wir brauchen Regierungen, die Eltern dabei unterstützen, ein Umfeld für die Pflege von Kleinkindern zu schaffen.«

Henrietta Fore, Unicef-Exekutivdirektorin

Schikaniert und angefeindet in Japan

Japanische Väter wollen Elternzeit nehmen. Die Unternehmen machen es ihnen jedoch schwer. Konkret ist es so, dass das japanische Recht eine Elternzeit - auch der Väter - von einem Jahr und mehr möglich macht und sogar empfiehlt. Doch japanische Unternehmen versuchen die Mitarbeiter von solchen Plänen abzubringen. Mehrere junge Väter wurden sogar strafversetzt oder gekündigt, weil sie es gewagt hatten, Elternzeit zu nehmen. Inzwischen gibt es Klagen.

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