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Steigende Mieten im Südwesten Immer teurer - kann man sich Wohnen heute noch leisten?

Wie soll man sich das eigentlich noch leisten? Wohnen scheint mehr und mehr ein Luxusgut. 1.137 statt 438 Euro: soviel sollen ein Stuttgarter Renterpaar jetzt für seine 60 m²-Wohnung zahlen, in der es seit 50 Jahren lebt.

"Wir haben eine Modernisierungsankündigung vom neuen Hausbesitzer bekommen, der das Haus letztes Jahr gekauft hat. Jetzt wird die Miete so stark steigen, dass wir uns das nicht mehr leisten können", sagt Jürgen Atorf. Und das ist kein Einzelfall: Viele Menschen geben bereits die Hälfte ihres Einkommens nur für Miete aus. Ein Grund: internationale Unternehmen kaufen sich in den deutschen Wohnungsmarkt ein und treiben die Preise nach oben.

Ehepaar Atorf wohnt seit 50 Jahren in derselben Wohnung. Beide haben in dem Zeitraum eine Mietpreiserhöhung von 438 auf 1.137 Euro. © SWRClaus Hanischdörfer (Foto: ard-foto s2-intern/extern, Claus Hanischdörfer)
Ehepaar Atorf wohnt seit 50 Jahren in derselben Wohnung. Beide haben in dem Zeitraum eine Mietpreiserhöhung von 438 auf 1.137 Euro. ard-foto s2-intern/extern Claus Hanischdörfer

Das kann nicht gut gehen, weiß Barbara Steenbergen. Sie vertritt gegenüber der EU die Interessen deutscher Mieter und trifft auf Menschen, die nicht wissen, wem ihre Wohnung oder ihr Haus gehört.

Der SWR1 Thema Heute Podcast

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Zwischen Mietpreisbremse und sozialem Wohnungsbau

Wohnraum in Ballungsräumen ist knapp und teurer geworden. Das "Betongeld" vermögender Investoren erobert die prosperierenden Städte - die Mieten steigen und selbst Normalverdiener können sich den Kauf einer Wohnung, geschweige eines Häuschens, nicht mehr leisten. So werden Forderungen laut, den Sozialen Wohnungsbau neu zu beleben. Eine Maßnahme mit einer langen Geschichte: Schon vor 100 Jahren sollten Genossenschaften und moderne Formen des Siedlungsbaus die akute Wohnungsnot in vielen Großstädten lindern.

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Weiterverkäufe erhöhen Profit

Rund eine Million Wohnungen in Deutschland befinden sich unter der direkten Kontrolle von finanzmarktorientierten Fondsgesellschaften und Börsenkonzernen. Dabei gibt es Gebäudekomplexe, wie etwa in Freiburg-Landwasser, die in den vergangenen Jahrzehnten viele Male den Besitzer gewechselt haben. Jeder Weiterverkauf bringt Geld. Schließlich muss das Investment global konkurrenzfähig sein. Dazu optimieren die Firmen ständig ihre Wohnungsbewirtschaftung. Für Mieter sind die Folgen oft fatal: Ihnen drohen drastische Mieterhöhungen aufgrund von Modernisierungsmaßnahmen oder Umwandlung in Eigentumswohnungen.

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Der SWR-Film „Wohnen. Mieten. Abzocken." erzählt die Geschichte vom großen Geschäft mit Immobilien und fragt: Wie konnte es soweit kommen? Was läuft schief auf dem deutschen Wohnungsmarkt? Warum schaffen es beispielsweise Städte wie Wien, auch heute noch günstige Mietwohnungen vorzuhalten? Und gibt es einen Weg aus der Mietpreisspirale?

Es geht auch anders...

In Wien funktioniert das kommunale Wohnungssystem dagegen gut. Rund zwei Drittel der Wiener leben in städtisch gefördertem Wohnbau. Die Mieten sind bezahlbar, eine 58 Quadratmeterwohnung gibt es beispielsweise für 337 Euro und der kommunale Träger schreibt dennoch schwarze Zahlen.

So sieht Sozialbau in Wien aus. © SWRClaus Hanischdörfer (Foto: ard-foto s2-intern/extern, Claus Hanischdörfer)
So sieht Sozialbau in Wien aus. ard-foto s2-intern/extern Claus Hanischdörfer
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