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Familienleben Einer tanzt immer aus der Reihe

Aufregung bei den Royals: Prinz Harry und seine Frau Meghan ziehen sich aus der ersten Reihe des britischen Könighauses zurück. Sie sind Ausreißer, Revoluzzer, verlassen die eingetreteten Familienpfade.

Ob man will oder nicht: in jeder Familie spielt jedes Mitglied seine Rolle. Daraus entstehen auch Erwartungshaltungen. Beispielsweise, dass Kinder das Familienunternehmen fortführen oder zumindest eine ähnliche Berufslaufbahn einschlagen wie die Eltern.

Aber immer wieder gibt es auch den "Ausreißer" in der Familie. Das muss gar nicht unbedingt das berühmte "Schwarze Schaf" sein, das ja durchaus negativ besetzt ist. Es kann auch sein, dass jemand einfach eine komplett andere Vorstellung von seinem Leben hat und deshalb andere Wege einschlägt.

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Einzelne rote Blüte in gelbem Tulpenfeld (Foto: Imago, imago/blickwinkel)
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"Revoluzzer" und Ausreißer unter den SWR1 HörerInnen

Claudia Webaer: "Mein Vater hat mal gesagt, "Muss ich mich wohl daran gewöhnen, dass alle meine Töchter einen Umweg gehen". Er meinte das aber völlig wertungsfrei. Keine von uns dreien ist den geraden, direkten Weg durchs Leben gegangen, jede hat mal mehr oder weniger nötige Umwege genommen. Das weiße Schaf wäre bei uns die Ausnahme."

In Ute Fleiners Familie ist ihr Sohn der Ausreißer: "Wir - komplett aus der schwäbischen Pampa, alle im Handwerk tätig - haben einen Sohn, der Schauspieler werden möchte. Ich finde das durchaus mutig!"

Und auch der Sohn von Susanne Jaus wollte ein anderes Leben: "Mein Sohn hat Deutschland vor einigen Jahren verlassen. Haben nur noch wenig Kontakt miteinander. Gruß zum Geburtstag/Weihnachten per Mail. Tut weh!"

Rebecca Sujer lebt seit knapp sechs Jahren in Finnland: "Hatte schon immer meinen eigenen Kopf, was mich nicht unbedingt zum Liebling der Familie gemacht hat. Zwar habe ich hier auch so meine Probleme; das Paradies auf Erden ist Wunschvorstellung. Dennoch bereue ich meine Entscheidung nicht. Ich wäre in Deutschland niemals glücklich geworden und fühle mich jetzt freier, als ich es in meinem 'alten' Leben jemals getan habe."

Auch Birgit Gerwig wollte weit weit weg: "Mit 23 für fünf Jahre nach Kalifornien, dann 15 Jahre in Virginia und schwupps bin ich schon wieder seit etwa 11 Jahren in Deutschland, in meiner Heimatstadt, in der gleichen Straße in der ich vorher gewohnt habe. Vermisse meine andere Heimat, aber beides geht wohl nicht..."

Daniela Mauron würden viele wohl als typisches Schwarzes Schaf bezeichnen: "Ich hab geraucht und gesoffen, bin zum 18. Geburtstag morgens um 6 zu meinem doppelt so alten Freund gezogen, hab heimlich den Motorradführerschein gemacht und eine Maschine gekauft. Jetzt lebe ich seit über 20 Jahren glücklich und zufrieden in der Schweiz. Turbulente Zeiten..."

Mutig, was der Bruder von Sibylle gemacht hat: "Mein Bruder ist vor fast 20 Jahren nach Kuba ausgewandert. Er hat sich dort eine Existenz als Deutscher Taxifahrer und Reiseleiter aufgebaut."

Queen lässt Prinz Harry in Teilzeit gehen

Prinz Harry und Herzogin Meghan hatten überraschend angekündigt, viele ihrer royalen Verpflichtungen aufzugeben und wechselnd in Großbritannien und Kanada zu leben. Das hat für große Aufregung im britischen Königshaus gesorgt. Queen Elizabeth II. hat dem Wunsch ihres Enkels Prinz Harry nun zugestimmt, auch wenn sie es lieber gesehen hätte, wenn er und seine Frau Meghan sich weiter voll für das britische Königshaus engagiert hätten.

Die Queen von Großbritannien, Meghan und Prinz Harry (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
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Auch andere Mitglieder der Königsfamilie tun sich schwer damit den Schritt von Prinz Harry zu akzeptieren. Sein älterer Bruder William soll sogar ziemlich sauer sein über Harrys Rückzug.

Familienunternehmen - aus Tradition

Nicht nur die Royals, auch viele Familienunternehmen blicken stolz auf eine lange Geschichte zurück. Betriebe, die von Generation zu Generation weitergeführt wurden. In solchen Situationen wiegt es umso schwerer, wenn Unternehmen irgendwann nicht mehr im Familienbesitz gehalten werden können, weil Kinder zum Beispiel ganz andere Vorstellungen von ihrem Lebensweg haben.

»Vor allem Zweitgeborene tanzen aus der Reihe. Die müssen oft mehr kämpfen. Und das hat Auswirkungen!«

Generationenforscher Rüdiger Maas

Rüdiger Maas aus Augsburg ist Generationenforscher und weiß, warum uns das so weh tut, wenn einer aus der Familientradition ausbricht, alles anders macht.

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