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Digital und regional Welche Zukunft hat die Zeitung?

Früher gehörte die Tageszeitung auf jeden Frühstückstisch und in jeden Haushalt. Mittlerweile gehen die Auflagen zurück, Leser und Anzeigenkunden brechen weg und die Zeitungsverlage stehen unter großem Spardruck.

Kampagne für Qualität

Heute wurden Sie auf den Titelseiten ihrer Traditionsblätter mit einer großformatigen Anzeigenkampagne überrascht: Über 50 Zeitungen in Baden-Württemberg haben heute erstmals die gleiche Titelseite. Damit wollen die Verlage in eigener Sache für Qualitätsjournalismus werben und darauf aufmerksam machen, dass der auch in Zukunft wichtig ist. Es ist eine Kampagne für gesellschaftliche Werte wie Vertrauen, Nähe, Ehrlichkeit und Transparenz.


Zum Hintergrund: Zeitungen haben damit zu kämpfen, dass ihre Auflagen stark rückläufig sind. Viele Menschen nutzen immer häufiger kostenlose Angebote im Internet. Doch die haben mit Qualitätsjournalismus häufig nicht mehr allzuviel zu tun, heißt es.

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Dauer

„Die beste Zeit für guten Journalismus ist jetzt‘“. So heißt eine Kampagne von 50 Zeitungen in Baden-Württemberg. Sie kämpfen darum, dass Recherche und Fakten nicht untergehen im digitalen Mediendschungel zwischen twitter und instagram.

Wirtschaftlich Lage: angespannt!

Lena Schneider (Name von der Redaktion geändert) bekommt täglich zu spüren, dass die Tageszeitungen in der Krise stecken: Die Journalistin schreibt für eine Zeitung in Baden-Württemberg und hangelt sich da von einem befristeten Vertrag zum nächsten.

»Eine unbefristete Festanstellung zu bekommen, ist für mich und viele andere jüngere Kollegen in der aktuellen finanziellen Lage unserer Zeitung fast unmöglich. Deshalb gehen immer wieder Kolleginnen und Kollegen - weil sie total gefrustet sind. Auch in der Redaktion insgesamt ist die Stimmung schlecht, weil der Spardruck dazu führt, dass immer weniger Leute in immer kürzerer Zeit immer mehr machen müssen.«

Lena Schneider, Journalistin bei einer Tageszeitung in Baden-Württemberg
Viele Zeitungen liegen übereinander.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Picture Alliance

Nach wie vor gibt es in Baden-Württemberg etwa 50 verschiedene Zeitungen. Bei den meisten Blättern sind die Auflagen in den letzten Jahren deutlich gesunken und auch die Werbeeinahmen eingebrochen.

»Zum Einen gibt es eine neue Welle der Pressekonzentration… und das Zweite ist, dass in den Redaktionen ein enormer Spardurck herrscht. Und den kriegen nicht nur fest angestellte Mitarbeiter, sondern auch freie Mitarbeiter zu spüren. Zum Beispiel, weil sie weniger Aufträge bekommen.«

Siegfried Heim von der Gewerkschaft ver.di

Alle Tageszeitungen versuchen mittlerweile auch mit Internetangeboten Geld zu verdienen. Mehr oder weniger erfolgreich, meint der Medienforscher Horst Röper: »Was grade in jüngerer Zeit gut läuft sind E-Paper…«. Experten sind sich daher einig: Die Zeitung der Zukunft ist digital.

Ein iPad auf dessen Bildschirm eine E-Paper-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung zu sehen ist liegt auf einem Frühstückstisch. (Foto: dpa Bildfunk, Karl-Josef Hildenbrand)
Ein iPad auf dessen Bildschirm eine E-Paper-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung zu sehen ist. Karl-Josef Hildenbrand

Verkaufszahlen gehen bundesweit in den Keller

Die Auflagen der deutschen Tageszeitungen sinken weiter. Einschließlich der Sonntagsausgaben und Sonntagszeitungen wurden im dritten Quartal dieses Jahres durchschnittlich 14,99 Millionen Exemplare pro Erscheinungstag verkauft und damit 4,07 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das hat die Auflagenkontrolle IVW in Berlin mitteilte. Zulegen konnten allerdings die ePaper-Ausgaben: Mit 1,57 Millionen verkauften elektronischen Exemplaren wurden gegenüber dem Vergleichsquartal 2018 ein Sechstel mehr digitale Ausgaben vertrieben.

Magazine leiden auch

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" konnte seine Auflage leicht verbessern: In den vergangenen drei Monaten wurden 719.326 Stück pro Ausgabe abgesetzt, 2018 waren es 716.663. Das bedeutet ein Plus 0,37 Prozent. Der "Stern" musste dagegen einen einschneidenden Auflagenverlust von 9,49 Prozent hinnehmen, verkauft wurden noch 466.019 Exemplare. Noch dramatischer fiel der Rückgang beim "Focus" aus: Die Auflage sank von 412.165 (3/2018) auf 364.254, was einem Minus von 11,62 Prozent entspricht.

Quelle: edp

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