Sendungslogo SWR1 Thema Heute (Foto: SWR)

Die Vogelwelt im Winter So helfen Sie Amsel und Zaunkönig durch die Kälte

Das hölzerne Vogelhäuschen im Garten oder auf der Fensterbank, dazu jede Menge Sonnenblumenkerne in die Wiese oder auf den Balkon gestreut - und vor dem Küchenfenster der Meisenknödel. Ist das der richtige Weg, Vögeln über den Winter zu helfen? So schön es sein mag, Vögel an diesen Futterstellen zu beobachten: Nein, das ist nicht ganz der richtige Weg.

Der SWR1 Thema Heute Podcast

Sie sind nicht einfach nur schön anzusehen, sie sind einfach auch enorm wichtig für eine intakte Natur. Unsere heimischen Vogelarten. Umso wichtiger ist es, gerade im Winter den Vögeln zu helfen, durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Unsere SWR 1-Reporter haben Menschen getroffen, die das tun, unsere Experten geben die entsprechenden Tipps, wir stellen das Tier-Programm Ikarus vor und berichten über die größten Feinde der Vögel.

Dauer

Wintervögel brauchen keinen ordentlichen Garten!

Verwelktes Laub auf dem Boden: bitte liegenlassen. Altes, morsches Holz neben der Terrasse: ja! "Unaufgeräumte" Beete: Haken dran, bloß nicht aufräumen. Wintervögel lieben und brauchen Unordnung:

"So eine Unordnung mag zwar im ersten Moment als Durcheinander erscheinen, aber dort können die Vögel auch im Winter Insekten finden."

Stefan Bosch, Vogelexperte beim NaBu Baden-Württemberg

Nicht nur unter den Blättern finden sie überlebenswichtige Nahrung. Auch gerade in abgestorbenen Pflanzen können Insekten ihre Eier ablegen. Die können die Vögel dann fressen. Und wenn in den Pflanzen noch Samen übrig sind: noch besser - auch das ist wichtig Nahrung, um über den Winter zu kommen.

Vogelhäuschen? Gefährlich!

Heißt das jetzt: gar nicht zufüttern? Nicht unbedingt. Wenn es richtig kalt ist, dann darf und soll der Mensch gerne helfen. In einer einzigen kalten Winternacht kann ein Vogel ein Zehntel seines Körpergewichts an Fett verlieren. Um seine Körpertemperatur halten zu können, muss er das verlorene Fett wieder über die Nahrung aufnehmen. Der klassische Meisenknödel ist wichtiges "Fettfutter". Aber nicht schon am Winter-Anfang, wenn es noch nicht alles zugefroren ist - das ge- und verwöhnt Vögel nur, weil sie ganz leicht an Futter kommen. Gleiches gilt für Nuss- und Beerenmischungen - die sollten Sie in Futterspendern bereitstellen. Futterspender ist dabei das wichtige Stichwort: So schön das Vogelhäuschen im Garten auch aussehen mag - es ist eine Brutstätte für Keime. Kot und Futter vermischen sich und sind gefährlich für die Vögel.

Noch wichtiger als Futter aber ist die Versorgung mit Wasser. Auch, wenn Sie nur einen Balkon oder Fensterbänke haben: Einen Blumentopfuntersetzer mit Wasser füllen, einen Stein hineinlegen - mehr braucht es nicht. Aber auch hier ist Hygiene wichtig: Das Wasser sollten Sie täglich wechseln.

Star pickt Körner an einer Futterstelle. Vögel haben einen hohen Stoffwechsel, deshalb müssen sie andauernd fressen.  (Foto: SWR)
Stare und andere Vögel haben einen hohen Stoffwechsel, deshalb müssen sie andauernd fressen.

Nistkästen sind auch im Winter wichtig

Gerade in den heute so zubetonierten Landschaften ist es für Vögel wichtig, einen Unterschlupf zu finden. Aber ein Nest im Winter, wozu soll das gut sein, die Brutzeit kommt doch erst wieder ab März/April? Gerade in kalten Winternächten werden Nistkästen von vielen Vögeln gerne als Schlafplatz genutzt.

Wenn Sie es besonders gut machen wollen: Nehmen Sie einen Nistkasten, bei dem Sie die Vorderwände austauschen können, mit unterschiedlichen Lochgrößen für jede Vogelart. Eine Meise zum Beispiel braucht kleinere Löcher als ein Star. Und: Spätestens jetzt sollten Sie diesen Nistkasten säubern, denn auch hier gilt, dass er nicht zur Brutstätte für Keime werden sollte.

(mit Material von Susanne Henn, SWR Umweltredaktion)

STAND