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Wohnungsnot, Verkehrschaos, Umweltschutz: die Städte in Baden-Württemberg stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Aber wie lösen? Jede Stadt hat da ihre eigenen Ideen.

Die Städte in Baden-Württemberg, wie sehen sie wohl in fünf, zehn oder gar in 20 Jahren aus? Wie leben, wohnen, arbeiten wir dann? Das haben wir den Freiburger Oberbürgermeister und die Bürger in Ulm gefragt und uns in Heidelberg die Internationale Bauausstellung mal genauer angesehen.

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»Städtisches Leben in der Zukunft bedeutet: Wohnen, Arbeit und Erholung liegen eng beieinander«

Franz Untersteller (Grüne), Umweltminister Baden-Württemberg

Bestes Beispiel für "Bauen für die Zukunft" ist aktuell das ehemalige Gelände der Bundesgartenschau Heilbronn. Dort waren schon - für die BuGa 2019 - einige zukunftsweisende Bauformen gezeigt worden, so unter anderem ein Holz-Hochhaus. Derzeit leben rund 550 Menschen in den neuen Häusern. Doch mit Ende des Bundesgartenschau hieß es nicht "alles vorbei", sondern "wie kann es weitergehen"?

In Heilbronn entsteht ein ökologisches Stadtviertel

Auf dem Heilbronner Bundesgartenschaugelände soll in den kommenden zehn Jahren ein ökologisches Stadtviertel für 3.500 Bewohner entstehen. Ein zukunftsfähiges Viertel soll es werden, mit Wohnen, Arbeiten und Erholung an einem Ort. Ein Qualitätswettbewerb entscheidet, welche Projekte den Zuschlag bekommen, so der Plan. 

Innenhof mit Pflanzen, Spielgeräten und Sitzmöglichkeiten im Schatten (Foto: SWR, Jens Nising)
Innenhöfe des neuen Stadtquartiers auf der BUGA sollen von den Bewohnern gemeinsam genutzt werden Jens Nising

Die großen Zukunftspläne von Freiburg

Eine der attraktivsten Städte im Land ist Freiburg. Das merkt man am enormen Zulauf: ganz viele Menschen wollen dort leben. Aber das bedeutet auch enorme Herausforderungen für die Stadt. SWR1 Moderator Stefan Orner geht im Interview mit Martin Horn, dem Freiburger Oberbürgermeister, den großen Plänen für die Stadtentwicklung auf den Grund.

»Ich wünsche mir ein Freiburg der Zukunft, das Urbanität und Weltoffenheit mit einer regionalen Identität verknüpft, wo man gerne und gut miteinander lebt, aufeinander achtet, tolerant miteinander umgeht und gleichzeitig das Große und Ganze, die soziale Gerechtigkeit, im Blick hat.«

Martin Horn, Freiburger OB, im SWR1 Interview
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"Wohnen der Zukunft" denkt auch an das Alter

Ein ganz wichtiger Aspekt in der "Stadt der Zukunft" ist der Themenkomplex "Wohnen und Leben im Alter". Aus Esslingen kommt ein Ansatz, der weg geht von traditionellen Ideen. Ursula Schebur hat gemeinsam mit 12 Mitstreiterinnen die „HaGeF“ Esslingen gegründet, die „Hausgemeinschaft für Frauen“. Sie haben ein Haus gebaut, in dem die dreizehn alleinstehende Seniorinnen wohnen und sich unterstützen. Der schicke Neubau mit dreizehn Mietwohnungen - vom kleinen Zweizimmerappartement bis zum 100-Quadratmeter Penthouse - soll ein "gemeinschaftliches und selbstbestimmtes Leben im Alter bei gleichzeitig größtmöglicher Autonomie der Einzelnen" ermöglichen, wie es in der Selbstverpflichtung der Frauen heißt: eine Haus-, aber keine Wohngemeinschaft.

Die Seniorinnen des Wohnprojekts HAGEF Esslingen (Foto: SWR)

»Stadt der Zukunft. Ist alles schön was da manche Leute angeben. Mehr Kinder Spielplätze ist toll. Aber komischerweise sind viele Plätze leer. Kaum Kinder auf den Straßen. Weil Kinder nicht mehr raus dürfen. Zu viel könnte passieren. Ich wünsche mir als allererstes, dass die Menschen wieder menschlich werden. Dass Nachbarschaft wieder Nachbarschaft ist. Dass ein guten Morgen mit ein guten Morgen begrüßt wird. Dass die Gesellschaft wieder näher zusammen kommt.«

Nachricht von SWR1 Hörer Sven

Wenn die Miete explodiert: Wohnhorror in Baden-Württemberg

"Stadt der Zukunft" heißt aber auch: der Wohnraum muss bezahlbar sein. Ein Beispiel: Das Schicksal des Ehepaares Atorf. Es hat die die Horrorvorstellung eines jeden Mieters erlebt. Seit gut 50 Jahren leben sie in ihrer Wohnung in Stuttgart. Doch dann wechselt das Haus den Besitzer, und der kündigt gleich mal eine Modernisierung an. Die Kaltmiete für die 60-Quadratmeter-Wohnung soll damit um 700 Euro steigen: von 438 auf 1.137 Euro. "Das können wir uns nicht mehr leisten" sagt Jürgen Atorf.

Wie sieht es aus mit dem Verkehr in der Stadt der Zukunft?

»Wir arbeiten darauf hin, dass eine viel stärkere Vermischung der Funktionen in den einzelnen Stadtteilen stattfinden wird. Wohnen und arbeiten, die heute noch stark getrennt sind, sollten zusammenkommen. Dadurch hoffen wir, dass die riesigen Verkehrsströme, die jetzt erzeugt werden durch diese Trennung von wohnen und arbeiten, ganz klar zurück gehen können.«

Professor Gerhard Schmitt vom "Future Cities Lab"

Das "Future Cities Lab" in Singapur will herausfinden, wie man den Verkehr in einer Metropole in Zukunft organisieren kann. Unsere Reporterin beispielsweise setzte eine Virtual Reality-Brille auf und konnte testen, wie sich das Radfahren anfühlt, wenn man den Verkehr anders organisiert.

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16:05 Uhr
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SWR2

Ideen für das Leben in der Zukunft: "das Futurium"

Wie wollen wir in Zukunft leben? Diese Frage beschäftigt ein neues Museum in Berlin. Das Futurium wurde vom Bund in Auftrag gegeben. "Das Futurium soll einen Beitrag bieten zur Diskussion über eine lebenswerte Zukunft", sagt Ausstellungsleiterin Gabriele Zipf. Besucher treffen im Gebäude auf Roboter-Menschen, Visionen für grüne Hochhäuser und gemeinwohlorientiertes Wirtschaften.

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18:40 Uhr
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