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In den Niederlanden und in Belgien sollen sich zwei genesene Corona-Patienten erneut mit dem Virus angesteckt haben. Ein Grund zur Panik sei das aber nicht, sagen Experten.

Medienberichten zufolge haben sich in den Niederlanden und in Belgien zwei genesene Corona-Patienten erneut mit dem Virus angesteckt. Bei dem niederländischen Patienten soll es sich um eine ältere Person handeln, die ein geschwächten Immunsystem hat. Der belgische Patient habe milde Symptome, berichtete der niederländische Rundfunksender NOS am Dienstag unter Verweis auf die Aussagen von Virologen.

Die Fälle zeigen aus Sicht des Virologen Marc Van Ranst, dass die Antikörper des Patienten nicht ausgereicht haben, um eine zweite Infektion mit einer leicht unterschiedlichen Variante des Virus zu vermeiden. "Das sind keine guten Nachrichten." Es ist aber unklar, ob solche Fälle selten sind, oder ob sich noch mehr Menschen nach sechs oder sieben Monaten erneut ansteckten könnten.

Auch in Hongkong gab es einen solchen Fall

Ein ähnlicher Fall sorgte am Montag in Hongkong für Aufsehen: Dort hatte sich ein Mann viereinhalb Monate nach seiner Genesung erneut mit dem Corona-Virus infizierte. Dabei handelte es sich nach Angaben der Medizinischen Fakultät der Universität von Hongkong um einen leicht veränderten Stamm des Virus, mit dem sich der Mann auf einer Spanienreise mit Zwischenstopp in Großbritannien infiziert hatte. Symptome der Covid-19 Erkrankung zeigte er nicht.

Die Medizinische Fakultät der Universität von Hongkong hatte auf Twitter erklärt, den weltweit ersten Fall einer erneuten Covid-19-Infektion nachgewiesen zu haben. Der Fall deute darauf hin, dass "die Immunität nach einer natürlichen Infektion von kurzer Dauer sein kann".

Ulmer Virologe: Erneute Infektion nach Genesung nicht ungewöhnlich

Thomas Mertens vom Institut für Virologie am Universitätsklinikum Ulm sagte im Interview mit dem ZDF, eine erneute Infektion sowohl nach überstandener Krankheit als auch nach einer Impfung sei nichts Ungewöhnliches. Eine "sterile Immunität", bei der keine weitere Infektion mit demselben Erreger mehr möglich ist, sei eher selten.

"Entscheidend ist nicht, ob sich jemand erneut infiziert, sondern ob jemand bei erneuter Infektion erkrankt"

Ulmer Virologe Thomas Mertens

Deshalb sei es wichtig zu unterscheiden, ob jemand infiziert oder erkrankt ist. Eine erneute Infektion müsse außerdem nicht schlecht sein, weil sie die bestehende Immunität auffrischen kann.

SWR Wissenschaftsredakteur David Beck: Keine Panik!

Unser Wissenschaftsredakteur David Beck findet, die Berichte seien kein Grund zur Panik. Zwei der drei Patienten hatten bei ihrer ersten Infektion einen milden Verlauf, deshalb hat das Immunsystem möglicherweise nicht so viele Antikörper gebildet. Trotzdem hatte zumindest der Patient aus Hongkong bei seiner zweiten Infektion einen  milderer Krankheitsverlauf als beim ersten Mal. Das deutet laut Beck darauf hin, dass er zu einem gewissen Grad immun war. Seine ausführliche Analyse können Sie hier hören:

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Jedes Jahr eine neue Impfung nötig?

Außerdem hatte sich der Hongkonger mit einer mutierten, also einer veränderten Version des Virus aus Europa angesteckt. Die unterscheidet sich möglicherweise inzwischen von dem Virusstamm aus Asien. Denn: Viren verändern sich von Generation zu Generation. Das kennen wir von der Grippe: Jedes Jahr gibt es eine neue Impfung, weil sich das Virus verändert hat.

Nach einer überstandenen Krankheit erkennt das Immunsystem aber immer nur bestimmte Teile eines Erregers. Wenn sich genau die ändern, kann es passieren, dass die Immunantwort schwächer ausfällt.

Wie ist der Forschungsstand in Sachen Immunität?

Ob Patienten nach einer überstandenen Covid-19 Erkrankung gegen den Erreger immun sind, ist aktuell noch nicht eindeutig geklärt. Die Studienlage ist teilweise sogar widersprüchlich.

Allgemein ist es so, dass das Immunsystem bei einer Infektion mit einem neuen Erreger sogenannte „T-Killerzellen“ bildet. Sie zerstören die Körperzellen, in denen sich das Virus eingenistet hat. Außerdem stellen „B-Lymphozyten“ (kurz: B-Zellen) Antikörper her, die an den Erreger binden und ihn damit unschädlich machen. Diese Antikörper verschwinden laut einigen Studien bereits wenige Monate nach einer Infektion - oder könnten bei manchen Patienten überhaupt nicht nachgewiesen werden.

Dem widersprechen unbestätigte Studien aus den USA und Kanada. Sie gehen davon aus, dass Antikörper gegen das neuartige Coronavirus mindestens drei Monaten, bzw. länger als 100 Tage im Blut nachweisbar sind. Forscher aus Schweden und den USA berichten außerdem, dass die sogenannten „T-Killerzellen“ bei einer Corona-Infektion in großem Maßstab aufgebaut werden; auch bei Menschen mit einem milden Krankheitsverlauf.

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