Schmusen, Malochen, Kaff

Jiddische Wörter, die auch wir benutzen

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1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland feiern wir in diesem Jahr, weil ein Dokument von Kaiser Konstantin 321 nach Christus zum ersten Mal Juden erwähnt. Ein paar hundert Jahre jünger ist die Sprache, die viele mit dem Judentum in Deutschland verbinden: Jiddisch!

Wir Baden-Württemberger haben viele Wörter, die aus dem Jiddischen kommen. Denn mit unseren fränkischen, alemannischen oder schwäbischen Dialekten sind wir ganz nah dran am Jiddischen.

Entstehung der jiddischen Sprache

Jiddisch entstand im Mittelalter als Mischung aus hebräisch und der damaligen Amtssprache mittelhochdeutsch, die als gesprochene Sprache der Staufer, dem heutigen Schwäbisch ziemlich ähnelte. Kein Wunder, dass ein kurzes Lied im Jiddischen nicht "Liedchen" heißt, sondern "Liedele".

Berlin ist "dufte", wir "schmusen" und leben in "Käffern"

"Dufte" ist klassisches Berlinerisch? Nein, Jiddisch. Nachdem die jiddisch sprechenden Juden nach Osteuropa ausgewandert waren, kamen viele von ihnen irgendwann zurück, vor allem nach Wien und Berlin. Und weil verschiedene Sprachen, die an einem Ort gesprochen werden, sich immer gegenseitig beeinflussen, sagen die Berliner "dufte" und viele andere Wörter, die aus dem Jiddischen kommen.

Auch wir im Süden sagen "schmusen" für liebkosen. Ein Kuhdorf ist ein "Kaff" und wenn etwas von schlechter Qualität ist, ist es einfach nur "mies".

Alles Wörter, die aus dem Hebräischen über das Jüdische ins Deutsche kamen. Einige Begriffe haben im deutschen mit der Zeit ihre Bedeutung verändert. "Maloche" heißt auf Jiddisch Arbeit, wir verstehen unter malochen aber eine besonders anstrengende, schweißtreibende Arbeit. "Zocken" steht im Jiddischen für spielen und scherzen, im Deutschen heißt es so viel wie handeln mit großem Risiko.

Es gibt noch viele andere Wörter, die aus dem Jiddischen kommen. Können wir ja mal bei einem Bier besprechen, wenn sie wieder auf hat, die kleine Eckkneipe, die wir Badener und Württemberger gerne "Beiz" oder "Beizle" nennen - abgeleitet aus dem jiddischen "Bajis" für Haus.

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