Eine Stinkwanze sonnt sich in einem Garten auf einem Blatt (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk - Jochen Lübke)

Nach der "Winterruhe" Droht uns ein Wanzen-Erwachen?

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Einer der größten Nerv- und Ekelfaktoren des vergangenen Jahres könnte sich bald fortsetzen: die Wanzenplage. Denn die Viecher hatten ihre Winterquartiere in unseren Wohnungen bezogen. Der Winter ist vorbei, droht uns jetzt ein Wanzen-Erwachen?

Gebrumme im Wohnzimmer, vor allem am Abend an den Lampen. Das war der Sound des Herbstes 2018. Dafür sorgte das trockenwarme Wetter. Dazu gab es viele Trauben und Äpfel, die die Wanzen mit ihren Rüsseln anzapfen konnten.

Ideale Bedingungen, um sich zu vermehren, weiß Axel Weiss aus der SWR-Umweltredaktion: "Die Wanzen haben im vergangenen Jahr zwei Generationen geschafft, normal ist eine." Daher habe es auch doppelt so viele Wanzen gegeben.

Bis zu 450 Eier

Das erkläre auch die Wanzeninvasion in den Wohnungen. "Die Wanzen kamen im Herbst zu uns nach Hause, weil sie Angst vor Kälte haben und wissen, dass sie Temperaturen unter minus 10 Grad nicht überleben werden", sagt Axel Weiss.

Haben die Tiere ein kuscheliges Plätzchen gefunden, bleiben sie in der Regel dort, bis sie im Frühjahr nach der Paarung ihre Eier ablegen. Und das kann beim Frühjahrsputz für einen zusätzlichen Ekelfaktor sorgen, denn eine Wanze legt bis zu 450 Eier ab.

Verlassene Landwanzeneier (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / blickwinkel - R. Koenig)
Verlassene Landwanzeneier picture alliance / blickwinkel - R. Koenig

Wie sehen die Wanzen aus?

Charakteristisch für die Sechsbeiner ist das sogenannte Rostrum - eine Art mehrteiliger Rüssel. Damit saugen sie Nahrung auf. Den Menschen beißen sie nicht. Eine Ausnahme bildet dabei die Haus- oder Bettwanze, die sich von Blut ernährt.

Unterwegs waren 2018 ganz verschiedene Arten, von der auffällig gefärbten Feuerwanze über die Graue Gartenwanze und die Grüne Stinkwanze bis hin zur eingewanderten Marmorierten Baumwanze, die aus Asien stammt. Eingeschleppt wurden sie in Europa mit Containern, die per Schiff aus Ostasien kamen. Diese Wanze ist ein Profiteur der Globalisierung - aber auch vom Klimawandel. Denn das Tier findet hier Temperaturen, die es überleben lässt und für die Fortpflanzung ideal sind.

Schädling im Garten und auf dem Feld

In den Vereinigten Staaten hat sich die Marmorierte Baumwanze zum echten Problem entwickelt. Sie kommt in mehr als 30 Bundesstaaten vor und richtet als Schädling jährlich Schäden in großer Höhe an. Auch im europäischen Garten und auf dem Feld ist sie deshalb kein gern gesehener Gast.

Ein Problem ist, dass die Marmorierte Baumwanze hierzulande keinen natürlichen Fressfeind hat. Anders in China: Dort haben Forscher bereits eine biologische Waffe gegen die Wanzeninvasion gefunden. Die chinesischen Schlupfwespen bekämpfen die Stinkwanzen effektiv. Um sie in Europa einsetzen zu können, müsste aber zuerst eine Risikoanalyse gemacht werden. Denn die chinesischen Schlupfwespen könnten auch einheimische Nützlinge und gefährdete einheimische Insektenarten arg dezimieren.

Eine Marmorierte Baumwanze auf einem Beerenstrauch (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/APA/picturedesk.com - Roland Schlager)
Die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) ist eine aus Asien eingeschleppte Insektenart, die besonders an Obstfrüchten Schäden verursachen kann picture alliance/APA/picturedesk.com - Roland Schlager

Wanzen los werden - so geht's

Die Tiere sind laut Naturschutz Bund (Nabu) für den Menschen harmlos - sondern allerdings ein übelriechendes Sekret ab, wenn sie Gefahr wittern. Daher haben sie auch ihren Namen Stinkwanze. Wer die Tiere los werden will, sollte daher behutsam vorgehen. Axel Weiss empfiehlt: "Am besten ein Papier unter das eher träge Tier schieben, ein Glas darüber und dann ab raus damit! Auch draußen gibt es ja wärmere Plätzchen."

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