Das Wort "Mitarbeiter*innen" ist auf einem Bildschirm zu sehen  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Sebastian Gollnow)

Pro und Contra

Mit oder ohne Gender-Sternchen?

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Respekt gegenüber allen Geschlechtern - das ist das Ziel der gendergerechten Sprache. Und das sowohl im Geschriebenen als auch im Gesprochenen. Sichtbares Zeichen dafür: ein * - das Gendersternchen. Auch hörbar, im Radio?

Pro & Contra zum Nachlesen

Gehören Sie auch zu denjenigen...

... denen das Gendern mit Sternchen und Minipause gewaltig auf den Senkel geht? Weil Sie das völlig übertrieben oder überflüssig finden? 

Dann machen wir mal ein Experiment:  Sie hören das Wort "Chirurgen" und denken an? Genau: an eine Gruppe Männer in Weiß. Und jetzt das Ganze mit Stern: "Chirurg*innen".

Erstaunlich, oder? Jetzt  taucht in unserem Kopf auf einmal auch eine  Frau Doktor am OP-Tisch auf. 

Studien belegen, dass ein Maskulinum in unserer Sprache nicht neutral verstanden wird, dass "weiblich" und "divers" eben nicht sowieso schon - wie man so nett sagt -  mitgedacht werden, sondern ganz einfach hinten 'runterfallen. Schlecht!  Denn: 

Gedanken bestimmen unsere  Worte -
und Worte unser Tun und unseren Alltag.

Und genau deshalb, weil in Sachen Geschlechtergerechtigkeit noch Luft nach oben ist, sollten wir der kleinen Pause, dem Stern beim Sprechen eine Chance geben. Und zwar schön locker, nicht verbissen und vielleicht auch nicht immer, aber immer öfter.
(Stefanie Meinecke)

Liebe Frauen und Frauinnen,

bevor Sie mich jetzt mit Beschwerdemails überschütten:

Meine Haltung hat nichts mit fehlendem Respekt gegenüber dem weiblichen Geschlecht zu tun. Es geht mir hier schlicht um eine übertriebene Political Correctness, die einfach lästig ist, zumindest, was das gesprochene Wort angeht.

In einem Text, den ich lese,
störe ich mich nicht an einem Sternchen.

Wenn ich aber jetzt bei allen Daseinsformen eine Pause lassen muss und das INNEN nicht vergessen darf, weil ich mich damit als mutmaßlicher FRAUENFEIND oder ähnliches outen würde, dann geht mir so eine militante Durchsetzung von verbalisierten Frauen- und anderen Rechten gehörig auf die Nerv*in.

Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass auch nur EINER Frau geholfen ist, wenn wir uns mit politisch korrekten Wortschöpfungen die Zunge brechen. (Corvin Tondera-Klein)

Reaktionen der SWR1 Hörer*innen

Tatsächlich dachte ich bis vor kurzem wie Corvin. MEIN Denken hat bei „Lehrer/ Schüler/Bürger“ auch immer die weibliche Form impliziert. Selbstverständlich, bin ich doch so aufgewachsen/ erzogen, dass Rollenklischees keine Rolle mehr spielen. So arbeite ich als Mutter zweier Kinder Vollzeit (wie auch mein Mann), der den Haushalt schmeißt.
Zum Umdenken hat mich tatsächlich das Homeschooling bewegt. Dort wurden explizit/ oft die „Mamas“ angesprochen, wenn es um Übungen zu Hause ging. Und auch in meinem Unterricht an der weiterführenden Schule merke ich, wie wichtig es gerade für junge Heranwachsende Menschen ist, die eventuell aus hierarchischen, patriarchischen Familienstrikturen stammen, ALLE Geschlechter zu erwähnen. Als Selbstverständnis. Weil es eben NICHT für alle da ist, dieses Selbstverständnis... (Nicole Bock)

Ich finde das Sternchen sehr wichtig und gut, weil es ALLE Menschen einschließt. Hier geht es nicht nur um Männer und Frauen, wie die meisten Hörer das bisher beschrieben haben. Es gibt auch Menschen, die sich keiner der beiden Gruppen zuordnen können oder möchten und für die steht das Sternchen. Nur, um das noch einmal zu verdeutlichen. ☺️ Schreiben tue ich es immer, mit der Aussprache tue ich mir auch noch schwer, aber Übung macht den Meister und man gewöhnt sich an alles. (Camilla)

Genderismus - Der Mensch gehört zu den Säugetieren. Nun heißt es eben der Mensch und nicht die Mensch. Setzen wir uns zukünftig dafür ein, dass wir auch bei Katzen, Hunden usw. alle Geschlechter in unsere Sprache einbeziehen?  Für mich handelt es sich um Ideologie und vielleicht sollten sich diese Sprachideologen (hier wird mich wegen des fehlenden Sternchens niemand kritisieren) einmal außerhalb ihrer Blase bewegen. Dann könnten Sie evtl. auch feststellen, dass gerade ihr Dogmatismus Leuten wie Trump Vorschub leistet. Ich bin übrigens ein Nichtschlossernder und auch kein Nichtschmiedender. (Wolfgang Rentschler)

Als 65-jährige Feministin bin ich gegen die Sprechpause beim Gendern. Im Fernsehen gibt es bald keine Moderatorinnen sondern nur noch Moderator   innen. Meine Ohren mögen diese Sprache gar nicht. Einige negative Aspekte sind:
1. Durch die Pause wird der Satz zerrissen und die Aufmerksamkeit abgelenkt.
2. Es ist nicht barrierefrei.
3. Schlechtere Lesbarkeit von Texten.
4. Die Rolle vom Geschlecht wird betont und
5. fühle ich mich benachteiligt, dass Innen erst an zweiter Stelle steht.
Wenn gendern dann bitte: Moderatorinnen und Moderatoren! Das generische Femininum wäre allerdings die eleganteste Lösung. (Annette Neufang)

Dass aus Studenten Studierende geworden sind, aus Moslems Muslims und aus Flüchtlingen Geflüchtete, daran habe ich mich gewöhnt. Dass aber unsere Sprache umgekrempelt wird, um mit der Gendersprache explizit Diverse zu diskriminieren halte ich für den falschen Weg. Also statt *innen muss es immer *m/w/d *w/m/d *d/m/w *d/w/m (mehrfach wg. der Reihenfolge) heißen.
Ernst beiseite! Kümmert euch um gleiche Bezahlung für Frauen und Männer. Mir persönlich geht dieser Sprachtrend sehr auf den Zeiger. Deshalb zappe ich weiter, sobald es damit in TV oder Radio losgeht. (Markus Fligg)

Es irritiert mich, dass im Zusammenhang mit dem Sternchen immer Beispiele kommen wir Chirurgin, Erzieherin, Ärztin, Politikerin, Ingenieurin. Was ist mit den Straftäter*innen, Verbrecher*innen, Kindermisshandler*innen, Steuerhinterzieher"innen, Idiot*innen...?
Die Liste ließe sich endlos weiterführen. Nur positive besetzte Begriffe zu verwenden, schafft keine Akzeptanz und ist nicht gerecht.
Ich persönlich finde diese Diskussion total überflüssig, überbewertet und zur Unzeit. Als ob wir grade keine andere Sorgen hätten, als das Gründersternchen.(Elisabeth Englert)

Ich bin absolut für Gleichberechtigung in allen Bereichen, aber das Gendersternchen ist wohl das kleinste Problem, das unsere Gesellschaft hat.
Wie sieht es mit der Gleichberechtigung von Vätern in Bezug auf die Betreuung von Kindern aus - Thema Wechselmodell. Ebenso werden viele Mütter bei der Wiedereingliederung nach der Elternzeit benachteiligt. Das sind Genderprobleme die unsere Gesellschaft und Politik angehen muss! (Alexander Steinberger)

Ja es ist lästig, trotzdem mache ich es. Warum ?
1. Habe eine Tochter und ich wünsche mir für Ihre Generation dass ihr alle Türen offen stehen, auch in Ihren Gedanken.
2. Ich finde Sprache sollte nicht diskriminieren (kämpfe schon seit meiner Kindheit gegen das N-Wort)
3. Es tut mir nicht weh und Reinigungsfachkraft geht nach 2-3 mal genauso leicht über die Lippen wie Putzfrau
4. Ich weiß, dass Änderungen immer erstmal auf dem Papier und in der Sprache beginnen, bevor sie gelebte Realität werden.
An alle Nörgler: Das gegen die Änderungen "kämpfen" kostet doch mehr Kraft als diese respektvoll zu akzeptieren, oder nicht? (Manuel Alexander Boyke)

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