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Der Messengerdienst WhatsApp hat zum 15. Mai neue Nutzungsbedingungen eingeführt. Wer nicht zustimmt, kann den Dienst bald nicht mehr nutzen - auch wenn WhatsApp das etwas verschwommen formuliert. Deshalb sind sowohl der Ärger bei den Nutzer:innen groß als auch die Fragezeichen: was bedeutet das für mich?

Um was geht es bei den neuen WhatsApp Nutzungsbestimmungen?

Es geht darum, dass WhatsApp die Kommunikation zwischen Unternehmen und den Nutzern neu regeln und gerne auch mehr Daten an seinen Mutterkonzern Facebook weitergeben möchte. Überall auf der Welt darf Facebook diese Daten dann für Werbung nutzen, nur nicht in der EU - hier gibt es die Datenschutzgrundverordnung, an die auch Facebook gebunden ist.

Für EU-Bürger ändert sich formal eigentlich nicht so viel

Ich muss dann eben Facebook glauben, dass sie diese "DSGVO" beachten und die Daten nicht verwenden, überprüfen kann ich das nicht. Unverändert bleibt, dass WhatsApp bei den Chats nicht mitlesen kann, was ich verschicke oder empfange.

Es gab viel Aufregung darum, aber um das alles besser zu erklären, hat WhatsApp die Frist zum Zustimmen von Anfang Februar auf jetzt Mitte Mai verlegt.

Was passiert, wenn ich bei WhatsApp nicht zustimme?

In der ersten Version der Bestimmungen war es die Methode "Vogel friss oder stirb": stark eingeschränkte Funktionen, Löschung des Accounts. Jetzt ist WhatsApp aber ein Stück weit zurückgerudert - aber nur ein Stück. Zitat aus den aktualisierten FAQ von WhatsApp (Stand: 12.5.2021):

"Es werden aufgrund der Aktualisierung am 15. Mai weder Accounts gelöscht, noch die Funktionalität von WhatsApp eingeschränkt."

Die Löschung des Accounts ist also vom Tisch, aber mit der Formulierung "am 15. Mai" mogelt sich WhatsApp um die wahren Konsequenzen der Änderungen herum. Denn: schaut man genauer in diese FAQ, dann ist dort auch die Rede von einer "Erinnerung", die in WhatsApp aufploppen wird. Und die wiederum wird nach einigen Wochen permanent und sehr wohl die weitere, problemlose Nutzung von WhatsApp verhindern:

  • Du kannst dann zwar nicht auf deine Chatliste zugreifen, aber trotzdem eingehende Sprach- und Videoanrufe entgegennehmen. Wenn du Benachrichtigungen aktiviert hast, kannst du darauf tippen, um eine Nachricht zu lesen oder zu beantworten. Du kannst über die Benachrichtigungen auch zurückrufen, wenn du einen Sprach- oder Videoanruf verpasst hast.
  • Nach ein paar Wochen eingeschränkter Funktionalität wirst du keine Anrufe oder Benachrichtigungen mehr erhalten. WhatsApp schickt dann keine Nachrichten oder Anrufe mehr an dein Handy.

In der Konsequenz heißt das offensichtlich sehr wohl, dass WhatsApp für alle, die den neuen Bedingungen nicht zustimmen, nicht mehr nutzbar sein wird.

Falls ich jetzt noch keine dieser Erinnerungen bekommen habe, dass ich zustimmen soll, dann sollte ich nachsehen, ob ich die neueste Version von WhatsApp einsetze und ggf. updaten. Oder aber ich habe schon im Februar zugestimmt - nachprüfen in der App lässt sich das leider nicht.

Welche Alternativen habe ich zu WhatsApp?

Es gibt zahlreiche Alternativen. Allen voran sei Signal genannt: das ist auch ein kostenloser Messenger, der genauso sicher ist wie WhatsApp. Er überträgt Nachrichten, Sprache, Fotos und Videos verschlüsselt. Und das "Ende zu Ende verschlüsselt": alles wird bei mir auf dem Smartphone verschlüsselt und erst wieder beim Empfänger entschlüsselt, da kann keiner mitlesen.

Signal ist quasi WhatsApp in blau mit sehr ähnlichen Funktionen.

Dann ist noch Threema empfehlenswert. Dieser Messenger stammt von einem Schweizer Unternehmen, bietet sichere Verschlüsslung und kostet einmalig 3,99 Euro. Der Vorteil: ich kann den Messenger anonym benutzen. Als dritte im Bunde wird gerne noch die kostenlose App Telegram genannt - dort sind die Nachrichten aber nicht durchgängig verschlüsselt, die Firma ist etwas undurchsichtig, viele raten daher eher ab.

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