STAND
AUTOR/IN
SWR1 Moderator Jörg Witzsch (Foto: SWR, SWR1)

So hautnah und detailliert haben Sie noch nie eine Weltraum-Mission der NASA erleben können - hier halten wir Sie auf dem Laufenden über das "Perseverance" Mars-Projekt der Nasa. Die Premiere für die Mars-Drohne "Ingenuity" war ein voller Erfolg: Das erste Mal ist ein Flugkörper auf einem fernen Planeten selbständig durch die Luft geschwebt!

22.4.2021: "Ein großer Atemzug für die Menschheit"

Zehn Minuten atmen auf dem Mars - das ist umgerechnet die Menge an Sauerstoff, die ein Gerät namens "Moxie" aus der Mars-Atmosphäre gewonnen hat. Diese neuerliche wissenschaftliche Premiere auf dem Mars ist wichtig für weitere Missionen, denn aus Sauerstoff lässt sich nur Luft zum Atmen gewinnen, sondern auch Treibstoff. Wie das Ganze funktioniert, erklärt Stefan Troendle aus der SWR Wissenschaftsredaktion:

19.4.2021: Erfolg! Der Jungfernflug von "Ingenuity" hat funktioniert

Am 19. April 2021 schrieb "Ingenuity" Geschichte: die Mars-Drohne ist tatsächlich geflogen - der erste selbstständige Flug eines Mini-Helikopters auf einem fernen Planeten! Großer Jubel im kleinen Kontrollraum, als "Ingenuity" zuerst Flugdaten und dann ein ersten Schwarzweiß-Bild zur Erde sendete. Der Schatten auf dem Boden des Mars' beweist: Der Mini-Helikopter war mehrere Meter hoch in die extrem dünne Mars-Atmosphäre gestiegen.

Der NASA-Helikopter "Ingenuity" ist das erste Mal geflogen - auf dem Mars! (Foto: Screenshot: NASA/JPL-Caltech/ASU)
Screenshot: NASA/JPL-Caltech/ASU

Kurz danach kam auch das Beweis-Video von der großen Mastkamera des Rovers "Perseverance". Nur ein kleiner Punkt vor dem Mars-Horizont - aber eine große Landmarke für die Zukunft der Raumfahrt: Der Mini-Helikopter "Ingenuity" schwebt über der Marsoberfläche.

Lassen Sie "Intgenuity" auf Ihrem Computer fliegen

Mit einem witzigen Gimmick hat Google den Jungfernflug geehrt: Sie können den Mars-Heli über den Bildschirm Ihres Computers oder Smartphones fliegen lassen. Geben Sie in der Google-Suche die Worte Ingenuity und NASA ein, erscheint in den Ergebnissen ein Mini-Heli, dessen Rotoren sich drehen. Klicken Sie auf diese Grafik, fliegt der "Easter Egg Ingenuity"-Heli über Ihren Bildschirm!

Der erste Drohnenflug musste verschoben werden

Die USA hatten mit dem Marsrover "Perseverance" im Februar 2021 auch einen kleinen Helikopter auf den Mars gebracht. Der sollte Mitte April zu seinem Erstflug starten. Doch beim letzten Test tauchte ein Software-Problem auf: Beim Umschalten vom Vorbereitungs- in den Flugmodus schaltete sich "Ingenuity" ab, anstatt seine superleichten Rotorblätter auf hoher Drehzahl weiterlaufen zu lassen – eine Software, die die empfindliche Technik vor Überlastung schützen sollte, hatte falschen Alarm geschlagen. Die NASA will das nun soweit behoben haben, dass ein erster "Hüpfer" bis auf 3 Meter Höhe möglich sein soll.

"Ingenuity" ist eine Meisterleistung

Was für uns auf der Erde mittlerweile schon fast alltäglich ist, ist für die NASA eine Ingenieursleistung allererster Güte. Nicht umsonst haben sie die Drohne "Ingenuity" getauft, zu deutsch: "Erfindergeist" / "Einfallsreichtum". Uwe Gradwohl von der SWR Wissenschaftsredaktion hat die spannenden Fakten dieser Mission im Video:

9.4.2021: Fotogalerie: die "Ingenuity" im "Känguru-Beutel"

Die Bilder von den Startvorbereitungen für den Erstflug sind beeindruckend. Fast wie ein Känguru hatte die "Perseverance" die Drohne auf ihrer Bauchseite "im Beutel".

Das erste "eigene" Bild, das die Mars-Drohne "Ingenuity" nach Hause gefunkt hat. Marsboden, auf den ersten Blick vielleicht nichts neues - aber eben doch ein Bild der ERSTEN Drohne auf dem Mars! (Foto: NASA/JPL-Caltech)
Das erste "eigene" Bild, das die Mars-Drohne "Ingenuity" nach Hause gefunkt hat. Marsboden. Auf den ersten Blick vielleicht etwas unspektakulär - aber eben doch das erste Bild der ERSTEN Drohne auf dem Mars! Bis es soweit war, hieß es aber erst einmal: auspacken... NASA/JPL-Caltech Bild in Detailansicht öffnen
Ausgepackt: Die Schutzhülle, in der "Ingenuity" auf der Unterseite von "Perseverance" angebracht war, ist bereits abgeworfen und liegt auf der Marsboden. NASA/JPL-Caltech/MSSS Bild in Detailansicht öffnen
Noch hängt "Ingenuity" in horizontaler Position an der Unterseite des Mars-Rovers NASA/JPL-Caltech/MSSS Bild in Detailansicht öffnen
"Ingenuity" ist aus dem "Bauch" herausgeschwenkt - man sieht links schon die ersten beiden Füße der Drohne über dem Mars-Boden schweben. NASA/JPL-Caltech/MSSS Bild in Detailansicht öffnen
Geschafft: die Marsdrohne hat alle Füße ausgeklappt, gleich wird sie selbständig auf der Marsoberfläche stehen. Dann muss nur noch der schützende Rover wegfahren und "Ingenuity" hat freie Sicht und Flugbahn nach oben, in den Himmel über dem Mars. NASA/JPL-Caltech/MSSS Bild in Detailansicht öffnen
Und da steht sie, die Mars-Drohne, in Startposition - sozusagen auf "freiem Feld" auf dem roten Planeten und wartet auf das Startsignal von der Erde. Auf der rechten Seite sieht man noch die "Reifenspuren" von Perseverance - der Rover hat den Weg freigemacht für die Drohne. NASA/JPL-Caltech/MSSS Bild in Detailansicht öffnen
Nahaufnahme: Deutlich sind die zwei gegenläufigen Rotoren von "Ingenuity" zu sehen - darunter die "Box" mit Elektrik und Kamera, darüber die Solarzellen. NASA/JPL-Caltech/MSSS Bild in Detailansicht öffnen
Selfie mit Drohne - der "Perseverance"-Rover und die Drohne "Ingenuity" NASA/JPL-Caltech/MSSS Bild in Detailansicht öffnen
Und noch ein zweites Selfie - jetzt "lächelt" sogar die Mast-Kamera der "Perseverance" direkt in die Kamera, im Hintergrund die "Ingenuity"-Drohne NASA/JPL-Caltech/MSSS Bild in Detailansicht öffnen
Das ist die Flugbahn für den Jungfern-Flug der "Ingenuity" NASA/JPL-Caltech/MSSS Bild in Detailansicht öffnen

18.2.2021: Spektakuläre Bilder der Bordkameras von der Landung der "Perseverance"

Auch die Landung des Mars-Rovers auf der Oberfläche des roten Planeten am 18. Februar 2021 war eine Ingenieurs-Leistung der Sonderklasse. Nicht wie ein "normales" Raumfahrzeug sollte "Perseverance" selbst landen, sondern von einem raketengetriebenen Landemodul aus einigen Metern Höhe sanft an Seilen auf die Oberfläche herunter gelassen werden, dann die Leinen kappen und das Transport/Lande-Modul wieder zurück in den Weltraum fliegen lassen.

Das Video der Landung beginnt gut 11 Kilometer über der Mars-Oberfläche, zeigt von der Auslösung des überdimensionalen Brems-Fallschirms bis zum Aufsetzen des Perseverance-Rovers auf der Mars-Oberfläche die bislang spektakulärste unbemannte Mission der Raumfahrtgeschichte in beeindruckenden Bildern:

So klingt der Mars

Schon wenige Minuten nach der geglückten Landung von "Perseverance" ("Beharrlichkeit/Durchhaltevermögen") im 45 Kilometer großen Jezero-Krater schickte der Rover erste Schwarz-Weiß-Fotos vom Mars zur Erde - und dann die ersten Audio-Aufnahmen vom Mars! Darin sind Windböen vom Roten Planeten zu hören...

2 Stunden und 11 Minuten Höchstspannung während der Landung

Und so hat alles angefangen: In der Aufzeichnung des Live-Streams der NASA vom 18. Februar 2021 bekommen Sie viel Hintergrund-Informationen zum Projekt und können noch einmal miterleben, wie die Landung von "Perseverance" abgelaufen ist.

Mehr als deutlich wird die große Anspannung während der letzten Phase der Landung: Werden die 7 Jahre Planung von Erfolg gekrönt sein oder wird der 2.5 Milliarden teure Rover in letzter Sekunde auf dem Mars zerschellen? Der Erfolg ist am Ende des Videos deutlich zu sehen und zu hören: riesiger Jubel, als die Bestätigung kommt "Perseverence ist sicher gelandet".

Auf einer speziellen Webseite der NASA können Sie sich weiterhin ausführlich über das Projekt informieren. Das Ziel der Mission:

»Nach Anzeichen von ehemaligem Leben suchen und Gesteinsproben für eine mögliche spätere Rückkehr zur Erde sammeln.«

MEHR ZUM THEMA

Seit 2006 ein Zwergplanet Darum ist Pluto kein Planet mehr

Dass Pluto kein Planet mehr ist, ist nicht neu, 2006 wurde das bereits entschieden. Aber wieso eigentlich? Und welche Kriterien müssen erfüllt sein, um ein vollständiger Planet zu sein?  mehr...

Astronautinnen gesucht! Die ESA startet Rekrutierungskampagne

Während die NASA schon einige Astronautinnen in ihren Reihen hat, gibt es bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA Nachholbedarf, sagte ESA-Generaldirektor Jan Wörner im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Florian Rudolph. Deshalb startet die ESA jetzt eine Rekrutierungskampagne für Astronautinnen. Bewerberinnen müssen im Team arbeiten können, sich unterordnen, aber auch führen können, sagte Wörner. Diese drei Eigenschaften in einer Person zu finden, sei gar nicht so einfach.  mehr...

Raumfahrt SpaceX und NASA starten mit Crew Dragon ein neues Raumfahrt-Kapitel

In der Nacht vom 15. auf den 16. November startete die Raumkapsel Crew Dragon zum zweiten Mal zur ISS. Erstmals waren vier Personen mit an Bord und auch die Technik wurde verbessert.  mehr...

Astronomie und Raumfahrt Testflug erfolgreich: Hubschrauber „Ingenuity“ fliegt auf dem Mars

Dem Mars-Helikopter „Ingenuity“ ist als erstes Luftfahrzeug ein kontrollierter Flug auf einem fremden Planeten gelungen. Der Hubschrauber hob kurz ab, schwebte und setzte dann wieder auf.  mehr...