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Sexuelle Belästigung und Sexismus passieren täglich - im Netz und im echten Leben. Jede zweite Frau in Deutschland wurde schon mal sexuell belästigt. Joko und Klaas zeigen in der fiktiven Ausstellung „Männerwelten“ zusammen mit prominenten und nicht-prominenten Frauen, was zum Alltag vieler Frauen dazu gehört...

„Es wird hart, bitter und für manche kaum zu glauben!“

Mit diesen Worten beginnt die Autorin und Journalistin Sophie Passmann das 15-minütige Video, in der es um sexuelle Übergriffe gegen Frauen geht.

Wenn die Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf in ihrer Spielshow gewinnen, bekommen sie 15 Minuten Sendezeit von ProSieben geschenkt. Diese Zeit können sie selbst gestalten, der Sender hat nach eigenen Angaben keinen Einfluss auf den Inhalt.
Die 15 Minuten am vergangenen Mittwochabend haben sie dazu genutzt, um auf sexualisierte Gewalt gegen Frauen und sexuelle Belästigung aufmerksam zu machen.

Sophie Passmann führt im Video durch eine Art fiktive Kunstausstellung und geht von Raum zu Raum.

„Alles echt und Teil unseres Alltags“

Prominente Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen wie die Moderatorinnen Kathrin Bauerfeind und Collien Ulmen-Fernandez, aber auch „ganz normale“ Frauen berichten in der Ausstellung "Männerwelten" schonungslos von ihren Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt, zeigen Chatverläufe bei Twitter, Instagram oder WhatsApp.

Und mal ehrlich, fast jede Frau kennt das doch: der ekelhafte Anmachspruch an der Ampel, die Hand des Taxifahrers oder Fahrschullehrers auf dem Oberschenkel, der angsterfüllte Heimweg durch den Park oder in der Bahn - viele Alltagssituationen sind für Frauen so viel unangenehmer als für Männer.

Was geht nur in solchen Männern vor?

Moderatorin Palina Rojinski zeigt im ersten virteullen Ausstellungsraum „Dick Pics“, also Penis-Fotos, die sie ungefragt geschickt bekommt. „Ich finde das verstörend, es grenzt an virtuellen Missbrauch. Das passiert ohne meine Zustimmung.“

Fast jede zweite Frau in Deutschland wurde schon mal sexuell belästigt. Jede siebte Frau in Deutschland hat bereits strafrechtlich relevante Formen sexueller Gewalt erlebt. Bis heute werden nur knapp zehn Prozent aller Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht.

In einem anderen Raum lesen drei Frauen, unter anderem Model und Influencerin Stefanie Giesinger, ekelhafte, beleidigende, sexistische Tweets und Kommentare vor, die sie bekommen haben.
Sophie Passmann ergänzt: „Unter den Videos von weiblichen Influencern sind im Durchschnitt 16 von 100 Kommentaren sexistisch. Bei männlichen Influencern sind es von 100 Kommentaren genau NULL!“

In diesen 15 Minuten wird gezeigt, was sich Mädchen und Frauen - nicht nur die, die in der Öffentlichkeit stehen - täglich anhören oder lesen müssen. Was muss in Männern nur vorgehen, die solche Kommentare ablassen?

Haben Sie schon mal sexuelle Belästigung erlebt?

Ein sexistisches "Kompliment" auf der Arbeit , eine scheinbar unabsichtliche Berührung in der Supermarktschlange oder ein "ausziehender" Blick in der Bahn. Das passiert leider fast täglich.

Aber Freundinnen haben mir erzählt, dass ihnen das oft passiert.

"Männerwelten ist leider eine Dauerausstellung"

Im letzten Raum der Ausstellung geht es um eine Frage, die Frauen häufig gestellt wird, nachdem sie vergewaltigt wurden: Was hattest Du an? Als ob die Kürze des Rockes eine Vergewaltigung erklären oder gar legitimieren würde. Es werden Outfits von Frauen präsentiert, die sie bei ihren Vergewaltigungen getragen haben - dazu die Stimmen der Opfer und ihre Erfahrungen.

„Wahrscheinlich müssen wir noch eine ganze Weile ertragen, dass diese Scheiße stattfindet – wir müssen sie aber nicht akzeptieren. Wir können diese Dinge thematisieren, in die Öffentlichkeit tragen und zur Anzeige bringen!“

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