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SWR1 Moderator Rainer Hartmann (Foto: SWR, SWR1)

Es hat lange gedauert. Jetzt endlich hat Kultusministerin Susanne Eisenmann auf Nachfrage reinen Wein eingeschenkt. Die ganz große Mehrheit der Schüler und Eltern in Baden-Württemberg muss sich darauf einstellen, dass die Schule frühestens in zwei Monaten, nach den Pfingstferien Mitte Juni, wieder anläuft – wenn überhaupt. Kitas werden noch lange Zeit dicht bleiben.

Prüfungen werden zwar abgelegt und die Notfallbetreuung wird ausgeweitet – aber die nackte Wahrheit ist: Für Dreiviertel der Schüler und Eltern geht die Belastungsprobe weiter – und die ist in vielen Wohnungen längst zur Nervenschlacht geworden.

Eltern fungieren als private Hauslehrer und Kita-Betreuer. Sie pauken neben ihren Jobs mit den Kindern Tag für Tag und stundenlang Mathe, Deutsch und Englisch. Sie drucken kiloweise Arbeitsblätter und Anweisungen aus, die über verschiedene Kanäle eingehen. Eltern lesen, bearbeiten, korrigieren und beantworten Fachfragen, für die sie nicht ausgebildet sind.

Was Eltern von der Kultusministerin zu alledem auch noch hören, ist, dass für den Rest des Jahres vermutlich gar kein normaler Unterricht mehr möglich ist. Diese Aussagen befeuern die Alarmstimmung unter den Eltern und einen drohenden Burn-Out dazu.

Natürlich ist die Lage schwierig. Schulen dürfen kein Hort werden für Ansteckungen. Eltern teilen diese Verantwortung für Gesellschaft und Gesundheitssystem. Jetzt aber brauchen sie eine Perspektive! Denn die Lage ist eindeutig: Die meisten Eltern werden diese private Kinderbetreuung nicht bis zu den Sommerferien durchhalten können.

Wenn Mütter und Väter arbeiten – wie sollen sie die nächsten Wochen bewältigen? Wie soll das funktionieren mit den Arbeitgebern?

Sie haben das Recht, jetzt endlich kreative Ideen zu hören: Schüler könnten zu Einzelgesprächen in die Schule kommen. Klassen könnten zeitlich und räumlich in Kleingruppen aufgeteilt werden. Auch nachmittags oder samstags könnte Unterricht stattfinden, um sich aus dem Weg zu gehen. Warum nicht Unterricht im Freien abhalten? Eine offene Diskussion ist jetzt dringend nötig. Wenn der Staat auf die Schulpflicht pocht, kann er jetzt im Umkehrschluss Schüler und Schülerinnen nicht monatelang allein lassen.

Millionen von Eltern sind längst systemrelevant geworden. Sie halten die Bildungsrepublik Deutschland am Laufen. Viele von ihnen fühlen sich aber im Moment von der Politik links liegen gelassen. Nicht der Rede wert.

Eltern in Baden-Württemberg haben mehr Plan, mehr Struktur, mehr Handeln verdient - und eine Schulpolitik, die sagt, was möglich wäre anstatt sich immer nur dahinter zu verschanzen, dass das Virus unberechenbar ist.

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