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SWR1 Moderator Stefan Orner (Foto: SWR, SWR1)

Grundschulen und Kitas bleiben genau wie die weiterführenden Schulen geschlossen – eine gute Entscheidung, kommentiert Stefan Orner aus dem SWR1-Team.

Ja, die Entscheidung ist richtig! Auch wenn sie schmerzt.

Natürlich haben wir schon im vergangenen Jahr gemerkt, dass Präsenzunterricht in der Schule durch nichts zu ersetzen ist. Von den sozialen Kontakten mit den Klassenkameradinnen und Kameraden ganz zu schweigen. Die Kinder wollen ja auch überwiegend wieder zurück in die Schule – aber die Zahlen lassen es eben noch nicht zu.

Was aber passiert in zweieinhalb Wochen?

Die Landesregierung gibt nun das Ziel vor, die Grundschulen und Kitas am 1. Februar wieder zu öffnen – wenn die Zahlen es zulassen. Das Dilemma und der Streit dürften dann von vorne beginnen. Wieder würde ich mich dann fragen: Warum darf meine jüngere Tochter in der dritten Klasse zurück in den Unterricht, während die andere zuhause bleiben muss? Sie ist nur zwei Jahre älter und würde in ihrem ersten Jahr in der neuen, weiterführenden Schule natürlich auch lieber „vor Ort ankommen“. Wieder würde ich mich fragen: Gibt es eigentlich nur schwarz und weiß oder könnte die Landesregierung nicht für ein bisschen Gerechtigkeit von Klasse eins bis zwölf sorgen? Sie müsste nur mal über ihren Schatten springen und das Konzept der Gewerkschaften und von Teilen der Opposition übernehmen, das da heißt: Wechselunterricht, und zwar für alle!

Öffnung auf Probe?

Sollten die Infektionszahlen bis 1. Februar zurückgehen – warum nicht eine Öffnung aller Schulen auf Probe? In Frankreich sind die Infektionen binnen vier Wochen von 50.000 auf 10.000 täglich gesunken – und zwar während alle Schulen durchgehend geöffnet hatten. Das heißt nicht, dass es bei uns genauso laufen muss. Und das heißt auch nicht, dass ich für eine Öffnung der Schulen auf Teufel komm raus bin. Ich finde nur: Wir sollten nicht den einen Kindern Dies anbieten und den anderen Jenes.

Dass am Montag viele Sonderpädagogischen Bildungszentren öffnen mussten, während alle anderen Schulen geschlossen sind, hat verständlicherweise zu einem Aufschrei dort unter Lehrern und Eltern geführt. In einer Situation, in der keiner sagen, ob genau dieser Weg oder jener Weg der richtige ist, gerade dann muss die Politik Ungleichbehandlungen unbedingt vermeiden.

Gerecht handeln!

Handelt, wie es euch die Zahlen nahelagen, aber handelt gerecht! Denn nur, wenn wir für alle Kinder gleich sorgsam entscheiden, wird sich auch bei denen Akzeptanz einstellen, die es gerne härter oder lockerer hätten.

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