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SWR1 ist mit einer großen Vision angetreten, das ganze Land sollte gemeinsam ein Buch lesen. Drei Literaturliebhaber aus unserer Redaktion stellten je ein Buch vor, von dem sie meinten, dass es sich zu lesen lohnt.
Anschließend durften Sie entscheiden und für Ihr Lieblingsbuch voten. Am 21. März stand dann fest, welches EINE Buch wir alle gemeinsam lesen: „Die Entdeckung der Fliehkraft“ von Kai Weyand.

Gemeinsam über ein Buch reden

Jetzt diskutieren wir alle gemeinsam in Schmidts Samstag „Die Entdeckung der Fliehkraft“ von Kai Weyand:

Nicht nur Silke Arning, Rainer Hartmann, Katharina Fuß und Moderator Ingo Lege aus der SWR1 Redaktion haben das Buch gelesen, sondern auch ganz viele Hörerinnen und Hörer.

Hier einige Ihrer ganz unterschiedlichen Rückmeldungen

„Leider ist es schon zu Ende. Das Berührendste, Komischste ... was ich seit Langem gelesen habe und gleichzeitig traurig-hoffnungsvoll. Vielen Dank für diese Empfehlung. Ein Buch, das ich zum ersten, aber nicht zum letzten Mal gelesen habe. Schon allein, weil es so viel Freude an der Sprache transportiert."

Stefanie H. aus Freiburg 

"Danke für diese Buchempfehlung! Ich habe die 198 Seiten an einem Tag gelesen und selten bei einer Lektüre so häufig gegrinst, gelächelt und sogar laut gelacht. Vieles in dem Buch hat man so oder so ähnlich schon gedacht, gefühlt, erlebt oder von anderen gehört. Spannend bis zum Schluss. Das Beste an diesem Roman ist aber neben dem Sprachwitz die Ehrlichkeit: dass der so kluge, in vielen Ansichten anderen Überlegene am Ende erkennen muss, was er mit seiner Ratio angerichtet hat. Nun steht er vor einem Scherbenhaufen und der wirkt über die 198 Seiten hinaus weiter."

Stephan G. aus Eschach

„Sehr gut!“

Sonja H. aus Ehningen

"Mir tut der Protagonist Karl Löffelholz leid. So etwas mag man keinem Romanhelden zumuten: Eine vollkommen unglaubhafte SMS-Liebesgeschichte, die sich weder so abgespielt hat, noch sich jemals so abspielen konnte oder würde, ein Nachbarjunge, der überhaupt keinen behinderten Eindruck macht, aber als solcher herhalten muss, ein Mechaniker, der vielleicht bei Kafka eine glaubhafte Rolle bekommen hätte, in diesem Roman aber vollkommen deplatziert wirkt, ein Fahrrad, das ständig kaputtgeht, eine wirre Theorie über das Trampolin als Zeichen der Domestizierung von Kindern, ein Vandalismusanschlag auf das Trampolin und eine Cafebar, die gerademal gut genug für einen doppelten Espresso und gestelzte Klugscheißerei ist.
Etwas weniger Stationen im Leben, etwas mehr Tiefgang, etwas mehr Gefühlswelt und etwas mehr Beobachtung der Alltäglichkeit hätte dem Buch gut getan. So ist es nur langweilig. Für den Protagonisten und für den Leser. Aber während der Leser das Buch jederzeit weglegen kann, ist Karl Löffelholz in ihm gefangen. Deshalb tut er mit leid. Ein solches Schicksal hat niemand verdient. Auch kein Romanheld."

Thomas P. aus Landau

Der Löffelhans

Sein Blick ist vom Vorübergehen der Ehe
so müd geworden, dass sie nicht mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben wartet Karolin.

Der weiche Gang führt ihn in das Gefängnis,
wo er im in allerkleinsten Kreis sich dreht,
er tanzt in Worten um die Mitte
und ist betäubt und bleibt beredt.

Des Trampolinens Netze er gestört
beinahe Homer, seinen Freund, zerstört.
Des Vater Vorhang der Pupille schließt sich ganz,
es bleibt im Herzen Stille und auch Dissonanz.

Til B. aus Stuttgart nach „Der Panther“ von Rilke

"Oh du meine Güte. Was für ein Buch. Gerade bin ich fertig. Dieses Buch muss man zweimal lesen , um darüber reden zu können. Es wühlt auf. Macht sprachlos. Berührt."

Waltraud S. aus Salmendingen

"Es ist nicht so, dass das Buch nicht einen gewissen Unterhaltungswert hätte... aber Karl ist leider ein selbstgefälliger Idiot, der pseudophilosophische Gedankenausflüge macht. Die einzigen "wahrhaftigen" Figuren sind Homer und Novak."

Andrea B. aus Heilbronn

„Die Entdeckung dieses Frühjahrs! Ein Buch, das auf witzig-anrührende Weise Seriosität und Nonsens verknüpft. Extra-Bonbon: für mich als Deutsch-Lehrerin in der Erwachsenenbildung und Kennerin der Freiburg-Szene zum Kringeln und Über-sich-selbst-Nachdenken!“

Ulrike L. aus Friesenheim

„Heute holte ich mir das Hörbuch auf CD in meiner Buchhandlung in Müllheim am Verkaufsfenster, und da war wirklich Betrieb. Jetzt bin ich bei CD 2.  Gefängnis ist was Neues, ich warte noch ab, was mit Lydia oder Caroline passiert… Ich höre weiter und stricke und höre Hitparädle…“

Gerda F. aus Neuenburg

"Ich würde jetzt nicht sagen, dass das Buch nicht gut ist! Ach, ich mag diese doppelte Verneinung. Wie der Autor auch. Natürlich ist das Buch sehr sehr gut! Ich liebte es spätestens ab Seite 7 "Wumms, Bumms, Rumms" - sind drei Wörter aus dem wahren Leben eines Mannes. Man(n) sollte das Buch unbedingt lesen. Nachdenklich und humorvoll zugleich! Wie es die Begegnungen mit Homer, dem Fahrradmechaniker oder seinen Schülern und seinem Vater immer zeigen und schließlich zu eigenen Gedanken zwangsläufig anregt. Auch die Analysen zum "Glück" gefallen mir sehr gut. Persönlich machte mir der Satz "..., dass er das eine wollte, aber das andere sollte" sehr zu schaffen. Höhepunkt des Buches sind für mich die Smartphone Nachrichten mit Karoline. Ich denke, eine Fortsetzung wird es nicht geben. Denn nur so können die Gedanken jedes einzigartig Einzelnen zum Blühen kommen. Aber wer weiß - "woher soll die Quelle wissen in welchem Fluss sie mündet" (widme ich dem Brunnenfrosch aus dem Buch). Und bei einer Skala von 1 bis 10 würde ich dem Buch die 11 geben.“

Jürgen S. aus Hüffenhardt

„Ich fand das Buch sehr gut! Klasse Buch mit viel Stoff zum Nachdenken, Hinterfragen .... tiefgründig und trotzdem leicht und flüssig zum Lesen.“

Sonja K. aus Oedheim

„Die Entdeckung der Fliehkraft habe ich als Hörbuch genossen. Es hat mich gefesselt, beeindruckt und ich habe mich stets auf das nächste Kapitel gefreut. Am 6.4. hatte ich die Geschichte schließlich fertig gehört.
Und ich kann nicht sagen, dass mich dieser unbefriedigende, ja geradezu fehlende Schluss nicht enttäuscht hätte. So witzig, feinporig, ergreifend diese Geschichte war, so nichtssagend, grobporig und gefühlsfern fand ich den Schluss. Als ob der Autor Angst vor seinen eigenen Gefühlen gehabt hätte, die eine Begegnung der beiden Fernliebenden hätten hervorrufen können... Lieber ein trauriges, unerwartetes, aufwühlendes Ende als dieses Nichts. Es ist nicht so, dass ich einem guten Freund das Buch nicht empfehlen würde, gleichzeitig würde ich ihn allerdings auch  vor dem jähen Abbruch warnen."

Regina H. aus Albbruck

„Ich habe mich schon nach einigen Seiten in die Ausdrucksweise des Autors verliebt. Ich finde es sehr berührend, wie der Lehrer Karl die Hoffnung nicht aufgibt, seinen doch eher bildungsfernen Schülern im Gefängnis den Zauber und die Macht der Worte nahe zu bringen. Besonders der Satz: "Das wonach man sich sehnt, ist die Wahrheit , nicht das was man tut." Er gibt soviel positive Energie und passt auch in die aktuelle schwierige Zeit. Nur mit dem Ende bin ich nicht so glücklich, da erhoffe ich mir eine Fortsetzung.“

Bärbel B. aus Offenbach an der Queich

"Mir hat es sehr gut gefallen, es war zum Teil heiter, zum Teil traurig und es regt zum Nachdenken an. Was mir überhaupt nicht gefallen hat, war der Schluss. Er lässt so viele Fragen offen und schreit förmlich nach einer Fortsetzung. Kommt Karl mit seiner Frau wieder zusammen? Gesteht er Homer die Sache mit dem Netz? Und was ist mit seiner Smartphone- Liebe? Ich jedenfalls wünsche mir eine Fortsetzung."

Sabine F. aus Lauchheim

Auch der Autor meldete sich zur Wort

Die Antwort von Autor Kai Weyand auf die Fragen nach dem Schluss:

"Ich verstehe das Interesse sehr gut, wissen zu wollen, wie die Geschichte weitergeht. Das ist für mich als Autor erstmal eine sehr schöne Anfrage, denn sie zeigt doch, dass das Buch nachhallt, dass der Leserin die Figuren nicht egal sind, dass sie mit ihnen gelebt, gelitten, mit gefiebert hat. Das empfinde ich als Kompliment und freue mich sehr darüber.

Schließlich erhoffe ich mir, dass die Geschichte den Leser berührt und emotional ergreift. Ich stelle in dem Buch viele Fragen und versuche aufzuzeigen, wie man Dinge, Geschehnisse auch sehen kann. Durch die E-Mails kommt eine Reflexionsebene zustande, die versucht, auch im Leser eine Reflexion in Gang zu setzen. Der Leser soll die Geschichte von Karl nicht „nur“ nachvollziehen, sondern sich quasi unterschwellig selbst zu der Geschichte ins Verhältnis setzen. Dies setzt aber voraus, dass dem Leser eine Freiheit des Denkens, des Träumens, des Hoffens gegeben wird. Und das geht meines Erachtens nur, wenn das Ende nicht alles auserzählt.

Ich kann nachvollziehen, dass einen das vielleicht im ersten Moment unbefriedigt zurücklässt, hoffe aber, dass es im Nachklang doch beglückender ist. Vielleicht hinkt der Vergleich: Wenn man sich als Kind etwas Bestimmtes zu Weihnachten gewünscht hat und man hat noch vor der Bescherung erfahren, dass man das Gewünschte bekommt, so war man zwar für den Moment befriedigt, aber eigentlich wäre es einem doch viel lieber gewesen, man wäre wirklich überrascht worden. Wünschen ist etwas Tolles, aber damit der Wunsch auch wirklich ein Wunsch ist, braucht es die Freiheit der Erfüllung, also auch der Nichterfüllung. Es ist doch so, dass, was uns glücklich macht, ist selten das, von dem wir glauben, dass es das tun würde."

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