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Seit Jahren sterben die Bienen.

Was geschah wann? Das Insektensterben: eine Chronik

Von Gabor Paal

Noch vor zwei Jahren war das Insektensterben kein Thema. Das hat sich gründlich geändert. Wir informieren, was wann geschah.

Was bisher geschah ...

Mai 2017: Die Deutschland-Korrespondentin der Fachzeitschrift Science, Gretchen Vogel, berichtet über die Erhebungen des Entomologischen Vereins in Krefeld, wonach in manchen Gebieten Deutschlands die Masse der Insekten um bis zu 80 Prozent zurück gegangen ist.

Der SWR greift als eines der ersten Massenmedien das Thema auf. Es folgte eine Welle der Berichterstattung. War in der Vergangenheit meist immer nur vom "Bienensterben" die Rede, wird nun das "Insektensterben" zum geflügelten Wort.

Oktober 2017: Eine Studie untermauert die Zahlen des Krefelder Vereins. Jetzt ist das Thema in der Politik angekommen.

Dezember 2017: Die EU-Kommission muss über die Verlängerung des Herbizids Glyphosat entscheiden. Dabei spielt die mögliche Wirkung von Glyphosat auf Insekten zwar noch eine untergeordnete Rolle. Dennoch werden jetzt in der öffentlichen Diskussion beide Themen seitdem oft in einem Atemzug genannt. Die Kommission beschließt, Glyphosat für weitere 5 Jahre zuzulassen - dann soll Schluss sein.

Januar 2018: In Frankreich sind jetzt Neonicotinoide verboten.

April 2018: Die neue Umweltministerin Svenja Schulze ein Glyphosatverbot noch in dieser Legislaturperiode an - als Maßnahme gegen das Insektensterben. Doch nach Einschätzung der meisten Experten spielt Glyphosat beim Insektensterben eine untergeordnete Rolle. Als Unkrautvernichtungsmittel gilt es noch als insektenverträglicher als manche Alternativsubstanz.

27. April 2018: Die EU verbietet drei Neonicotinoide im Freiland.

Mai 2018: Umweltministerin Schulze und Landwirtschaftsministerin Klöckner kündigen einen gemeinsamen Aktionsplan gegen das Insektensterben an.

September 2018: Eine Studie zeigt, dass Glyphosat in der Lage ist, das Immunsystem von Bienen zu schwächen. Sie findet Beachtung, weil damit eine direkte Wirkung von Glyphosat auf Insekten belegt ist.

9. Oktober 2018: Forscher belegen ein Insektensterben auch im tropischen Regenwald - in vergleichbarer Größenordnung wie in Deutschland. Hier spielt vor allem der Klimawandel eine Rolle.

11. Oktober 2018: Umweltministerin Schulze konkretisiert den Aktionsplan. Sie will 100 Millionen Euro für den Insektenschutz bereit stellen. Damit soll unter anderem ein umfangreiches Insektenmonitoring finanziert werden. Schulze will außerdem das Düngen von Ackerrandstreifen verbieten und in ökologisch besonders schutzbedürftigen Bereichen Pflanzenschutzmittel verbieten. Glyphosat solle nur noch zum Einsatz kommen, "wo und soweit dies absolut nicht anders geht".

19. Oktober 2018: Führende deutsche Insektenforscher fordern in einem 9-Punkte-Plan die Politik zum Handeln auf. "Der dramatische Rückgang der Insekten zeichnet sich bereits seit Jahrzehnten ab und wird unabsehbare ökonomische und ökologische Folgen haben, wenn wir alle nicht endlich handeln", warnt der Insektenkundler Lars Krogmann.

31. Januar 2019: Die ÖDP in Bayern startet das Volksbegehren "Artenvielfalt & Naturschönheit in Bayern", auch genannt "Rettet die Bienen".

31. Januar 2019: Die erste globale Studie zum weltweiten Insektenrückgang erscheint.

Die Autoren Francisco Sánchez-Bayo und Kris A.G. Wyckhuys werten 73 bestehende Untersuchungen aus. Die meisten von ihnen stammen aus den USA und Europa. Die Studie kommt zum Ergebnis: 40 Prozent der Insektenarten seien bedroht. Vor allem Schmetterlinge, aber auch Hautflügler (Bienen, Wespen, Ameisen usw.) und Käfer. Bei den Libellen sowie den Stein- und Köcherfliegen seien schon viele Arten verloren gegangen. Hauptursache seien laut den Autoren: der Verlust an Lebensraum durch die intensive Landwirtschaft und zunehmende Verstädterung.

14. Februar 2019: 1,7 Millionen Menschen unterschreiben in Bayern das Volksbegehren "Rettet die Bienen". Somit übertrifft das Ergebnis die erforderliche Schwelle von 10 Prozent der Stimmberechtigen deutlich: Mit einer Beteiligung von mehr als 18 Prozent ist es erfolgreicher als jedes andere Volksbegehren in Bayern. Es findet Nachahmer in anderen Bundesländern.

26. März 2019: Eine britische Studie zeigt, dass viele bestäubende Insektenarten in den letzten 30 Jahren in Großbritannien zurück gegangen sind. Allerdings haben auch einige Arten vom Eingriff des Menschen in die Natur profitiert, zum Beispiel die Hummel. Die wird besonders in der Landwirtschaft benötigt und wird daher besonders geschützt.

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