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Monatelang rund um die Uhr tiefschwarze Nacht, arbeiten zwischen Eisbären, bei klirrend-kalten, gefühlten minus 60 Grad. Weit weg von jeglicher Zivilisation und der Familie. Die Bedingungen der Klima-Expedition MOSAiC in der Arktis waren extrem. Was der Expeditionsleiter dabei in sein Logbuch geschrieben hat, kann man jetzt nachlesen.

Expeditionsleiter Markus Rex (Foto: Pressestelle, Alfred-Wegener-Institut / Esther Horvath (CC-BY 4.0) )
Pressestelle Alfred-Wegener-Institut / Esther Horvath (CC-BY 4.0)

Bei der international besetzten Arktisexpedition MOSAiC haben Wissenschaftler fast ein ganzes Jahr auf einer driftenden Eisscholle geforscht. Und jeden Tag auf dem Eis war ihnen klar: hier geht nichts ohne ein echtes Team!

„Das Eis vor sich mit Metallstangen zu sondieren gehört, bei Bewegung auf unbekanntem Eis ständig dazu. Bei allen Sicherheitsvorkehrungen kann einem im Notfall keiner helfen, wenn niemand weiß, wo man ist. Der Mensch, mit dem man auf dem Eis unterwegs ist, ist nicht nur ein Kollege – er ist potenzieller Lebensretter. Er wirft die Rettungsleine zu, wenn man im Eis einbricht, und weist einen darauf hin, wenn sich Erfrierungen im Gesicht zeigen, die man selbst nicht bemerkt.“ (Auszug aus dem Logbuch)

Markus Rex, Professor für Atmosphärenphysik und Polarforscher beim Alfred-Wegener-Institut, hat das Logbuch abends in seiner Kajüte geschrieben. Das Forschungsschiff war direkt an der Eisscholle festgefroren. Die Tage sind voll, die Nächte unruhig. Eisbären besuchen das Camp, Stürme reißen das Schiff aus der Verankerung, Mess-Stationen müssen gerettet werden. Doch am Ende sind Terrabytes von Klimadaten gesammelt - über den Ozean, die Atmosphäre, das Eis, die Tierwelt – Daten, die unerlässlich sind, um in die Zukunft zu blicken. Denn die sich immer schneller erwärmende Arktis hat Auswirkungen auf das Klima des ganzen Planeten.

Rex schreibt verständlich, unaufgeregt, und gleichzeitig voller Respekt vor der Natur. „Eingefroren am Nordpol“ ist auch eine Liebeserklärung an einmalige  Farb- und Lichtspiele, an bizarre Eisformen und gewaltige Kräfte.

„Jetzt ist das Tagwerk getan – und plötzlich reißt die dünne Wolkenschicht auf. Die Sonne zeigt sich …ganz knapp über dem Horizont und taucht alles in ein rosafarbenes Licht. Das Licht der Arktis im Herbst. Es ist atemberaubend... Wir setzen uns einfach auf einen Eisrücken in den Schnee…Es ist fast windstill, und man hört nur manchmal ein ganz leises Quietschen, wenn sich das Eis unter uns bewegt. Keiner spricht. Solche Momente macht jeder mit sich selbst aus, die Eindrücke wird man für immer mitnehmen." (Auszug aus dem Logbuch)

»Eingekuschelt in eine Decke passt das Logbuch perfekt zu den kommenden Winterabenden. Man reist im Kopf mit ans Ende der Welt - und kommt ins Nachdenken. Denn das Eis der Arktis schwindet. Das geht uns alle an.
Ein Planet B ist nicht in Sicht.«

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