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SWR1 Moderator Rainer Hartmann (Foto: SWR, SWR1)

Vor 100 Jahren war die Welt schon einmal lahmgelegt durch ein tödliches Virus: 1918 verbreitet sich die Spanische Grippe weltweit, bis zu 50 Millionen Menschen sterben daran.

Schulen, Theater, Kinos sind weitgehend geschlossen, Gottesdienste verboten. Gastwirtschaften und Kaffeehäuser müssen regelmäßig gelüftet werden. Und: 1918 besteht Maskenpflicht, gegen die es in einigen Städten zu Demonstrationen kommt. Es gibt unglaubliche Parallelen zu heute, die der österreichische Arzt Harald Salfellner in seinem Buch „Die Spanische Grippe“ auf spannende Weise beschreibt.

Viele Fotos und Bilder aus der Zeit um 1918 zeigen die Zeit der Pandemie, als bis zu 50 Millionen Menschen an der spanischen Grippe starben. Das sind mehr als im ersten Weltkrieg, der damals gerade zu Ende ging und der durch die umherreisenden Soldaten die Pandemie natürlich befeuert hat.

Vor allem im Südwesten Deutschlands war die Lage schlimm. In Städten wie Karlsruhe und Mannheim lag ein Drittel der Bevölkerung darnieder.

Corona-Maßnahmen damals und heute

Eigentlich war vor rund 100 Jahren alles wie heute:
Man soll sich keine Hände mehr schütteln, es wird empfohlen, bei der Begrüßung zum Salem Aleikum überzugehen, also sich zu verneigen. Alkoholische Getränke finden reißenden Absatz. Die Influenza wird mit Rum, Grog und Glühwein begossen. In England gibt es - kein Scherz - Whisky auf Rezept. Beherzt greifen die Menschen gegen den Reizhusten sogar zu Opium und Kokain. Die Leute hamstern Aspirin und Medikamentenfälscher machen das Geschäft ihres Lebens.

Zweite, dritte und vierte Welle

Es gibt (auch damals) die Hoffnung, dass der Sommer die Ausbreitung der Pandemie stoppt. Gleichzeitig wird vor einer zweiten Welle gewarnt, die dann tatsächlich mit voller Wucht im Herbst kommt, gefolgt von einer dritten und vierten Welle.
Prominente Stummfilmschauspieler sterben, Ärzte, Bürgermeister und auch der Großvater des heutigen US-Präsidenten, der Immobilienunternehmer Friedrich Trump aus der Pfalz, wird in New York von der Spanischen Grippe dahingerafft. Der britische Premierminister erkrankt an der damaligen Grippe – was für eine Parallelität zu Boris Johnson bei Corona – außerdem der deutsche Kanzler Prinz Max von Baden und auch den Schriftsteller Franz Kafka erwischt es, er stirbt an den Spätfolgen der Lungenkrankheit.

Bilder der Spanischen Grippe 1918 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance/AP Images)
Picture Alliance/AP Images

Die spanische Grippe war die Mutter aller Pandemien, die bislang größte Krankheits-Katastrophe der Menschheit. Das Buch von Harald Salfellner zeigt, wie unsere Urgroßeltern die tödliche Grippewelle gemeistert und ihr Leben tapfer fortgeführt haben.

Der Buchtipp zum Reinhören:

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