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Jeder von uns kennt sie - die Geschichten vom Struwwelpeter, dem Suppenkasper, Zappelphilipp oder dem Daumenlutscher. Es sind Geschichten über unartige Kinder, die für ihr Verhalten auf unterschiedliche Art und Weise bestraft werden. Der Struwwelpeter ist uralt - von 1844 - und er gehört zu den erfolgreichsten deutschen Kinderbüchern. Und ist wegen seiner bösartigen Strafen längst umstritten. Genau deshalb haben zwei Brüder aus Fellbach den Struwwelpeter neu aufgelegt. „Struwwelpeter - die Abrechnung“ - so heißt das Buch.

Zentimeter lange Fingernägel und eine stuwwelige Mähne auf dem Kopf – ja, das Bild vom Struwwelpeter hat sich eingeprägt:

"An den Händen beiden / ließ er sich nicht schneiden / seine Nägel fast ein Jahr / kämmen ließ er nicht sein Haar"

So klingt das Original von Heinrich Hoffmann aus dem Jahr 1844 – Niklas und Johannes Kizler aus Fellbach rechnen nun damit ab:

"Der Peter hat seinen eignen Kopf / zum Ausdruck trägt er diesen Schopf / Und auch die Nägel lässt er lang / um nicht zu sein wie jedermann / Hat sich mal schon wer gefragt / warum sich Peter gar so plagt?"

Stolz halten die beiden Brüder ihr Werk in der Hand – es ist ein dunkelgrünes Buch mit hartem Cover, vorne drauf mit wuscheliger blonder Mähne der Struwwelpeter – er streckt nicht wie im Original alle 10 Finger mit den Zentimeterlangen Fingernägeln von sich, sondern nur die beiden Mittelfinger

Kommentierte Neufassung des Struwwelpeter (Foto: SWR, Foto: Ulrike Weber)
Kommentierte Neufassung des Struwwelpeter Foto: Ulrike Weber

"Wir fanden einfach, dass es mal interessant ist zu hinterfragen, warum die Kinder so vermeintlich böse sind. Der böse Friedrich zum Beispiel, der die Tiere schlägt. Wir haben uns dann gefragt: Warum machen die das eigentlich? Das muss ja irgendwo herkommen."

Insgesamt drei Jahre haben der 41-jährige Niklas und sein jüngerer Bruder an ihrer neuen Fassung gearbeitet. Auf insgesamt 86 Seiten gibt es 10 Geschichten. Man trifft neben dem Struwwelpeter auf Figuren wie den Zappelphilipp, Hans Guck-in-die- Luft oder der fliegende Robert, die Lieblingscharaktere der beiden Autoren. Ihnen ist vor allem noch der Daumenlutscher in Erinnerung. Der Schneider kommt mit seiner großen Schere zur Tür hinein und schneidet dem Kind den Daumen ab. Das Blut tropft. Es sind harte Geschichten, die den Kindern etwas beibringen sollten.

Die beiden Brüder erinnern sich noch gut, wie das Buch vom Struwwelpeter im Telefonschränkchen der Oma in Fellbach stand – damals hat allein schon der Anblick den Beiden Angst eingeflößt, sagt Johannes. Deshalb rechnet der gelernte Fotograf nun mit 36 Jahren ab.

Die Autoren betrachten die Geschichten aus der Sicht der Kinder – damit drehen sie den Spieß um. Wie das Original ist selbstverständlich alles in Reimform. Dazu gibt es bunte und eigene Illustrationen von Christina Mäckelburg. Die Stuttgarterin ist 29 Jahre alt und studiert Kommunikationsdesign an der Kunstakademie:

"Mir hat besonders gut gefallen, dass die beiden es geschafft haben, diese oft bösen und fiesen Geschichten mit so einem Augenzwinkern entgegenzutreten – aber ernsthaft. Man lacht und denkt: Oh Mann, es ist so richtig."

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