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Er war DER Top-Manager in Deutschland: Chef vom Medienkonzern Bertelsmann, später Boss von Karstadt, Quelle, Arcandor. Thomas Middelhoff hat einen kometenhaften Aufstieg und einen öffentlichen Absturz hinter sich. Er wurde verurteilt wegen Untreue; er verlor seinen Ruf, sein Vermögen, seine Gesundheit. Und geht in seinem neuen Buch hart mit sich ins Gericht.

Typisches Managerleben

Der Beginn ist zumeist kein Paukenschlag, er kommt leise, schleicht sich ein in die eigene Lebensordnung und beginnt, die Selbstwahrnehmung zu verblenden. So beschreibt Thomas Middelhoff sein typisches Managerleben. Sein Leben kannte nur eine Richtung: Vorwärts, aufwärts. Immer unangreifbarer hat er sich gefühlt und „ich bin wichtig“. Überheblich, selbstverliebt, anmaßend. Als er beim Weltwirtschaftsforum in Davos von Bundeskanzlerin Merkel gefragt wurde, ob er eigentlich für richtig hält, dass er vor der deutschen Kanzlerin läuft, lächelt er nur und setzt seinen Weg an der Spitze der Delegation fort.

Überall muss es der beste Tisch im Restaurant sein. Das Geld kommt auf eine Privatbank mit Vermögensverwalter. Dann setzt die Gier ein, Steuern zu sparen. Hinzu kommen Angestellte, Diener, Boten im eigenen Haus. Und die Zahl der Wohnsitze erhöht sich ebenso wie die der Autos. Die Ansprüche steigen ins Maßlose, ein Managerleben eben. Work-Life-Balance gab es bei Thomas Middelhoff nicht. Alles Private wurde den beruflichen Belangen untergeordnet. Das Schlimme: Erreichtes konnte ihn nicht mehr freuen. Er war unfähig geworden, den Augenblick zu genießen oder zu würdigen. Middelhoffs Todsünden sind biblisch und so beschreibt er sie auch: Hochmut, Arroganz, Stolz, Gier, Zorn, Maßlosigkeit. Und dann der Absturz: Der Börsenstar pleite und im Gefängnis.

Selbsterkenntnis

Aber Zeit, in sich zu gehen. Middelhoff erkennt: Narzissmus machte ihn blind für die Bedürfnisse seines Umfelds. Er hatte sich selbst verloren. Der internationale Topmanager leistet Sozialarbeit in einer Behindertenwerkstatt und begreift, was für ein selbstverliebter Jammerlappen er war.

Vorbei ist das Schaulaufen der Eitelkeiten. Middelhoff streut Asche auf sein Haupt, tut Buße. Scheitern als Chance, einmal mehr. Das Buch von Thomas Middelhoff ist wichtig – vor allem für Menschen auf der Überholspur, die angestachelt sind von Ehrgeiz, der oder die Beste sein zu wollen. Middelhoff hat spät, aber nicht zu spät erkannt, dass es Sinn macht, ein neuer, ein anderer Mensch zu werden. Das Wichtigste im Leben ist und bleibt die Demut.

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Thomas Middelhoff

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