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Stellen Sie sich vor, Sie wachen auf und es ist dunkel. Sie sind in einem Raum gefangen und wissen nicht, wo Sie sind und warum. Das ist der Schauplatz des Romans "Picknick im Dunkeln".

Begnadeter Komiker trifft auf großen Philosophen

Und wer trifft sich in diesem unbekannten dunklen Ort? Zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Der begnadete Komiker von Dick und Doof, Stan Laurel, und einer der großen Philosophen des Mittelalters, der Theologe Thomas von Aquin. Rund 700 Jahre trennen die beiden Herren, was natürlich erst einmal zu Verwirrung führt, warum gerade sie beide in diesem dunklen Raum aufeinander treffen. So unterschiedlich die beiden auch sind, umso interessanter werden aber ihre Unterhaltungen.

Und während sie über alles, was sie bewegt, diskutieren und philosophieren, erfährt man in dem Roman auch viel über das Leben der beiden Figuren, was sie dem Leser dadurch sehr nahe bringt. Der Mönch, der zum Beispiel noch nie richtig herzlich gelacht hat und sogar mal eine Frau körperlich begehrt hat, und der Komiker, in dessen Leben nicht immer alles so lustig war, der sein kleines Kind verloren hat und eine alkoholkranke Mutter hatte. Und neben den Geschichten aus ihrem Leben stellen sich die beiden immer wieder die Fragen: Warum sind wir hier? Warum jetzt? Warum gerade wir beide? Genau das müssen sie herausfinden, um endlich ans Licht zu gelangen, 'raus aus dem dunklen Raum.

Das literarische Quadrat: Katharina Fuß mit  "Picknick im Dunkeln" von Markus Orths (Foto: SWR)
Katharina Fuß über "Picknick im Dunkeln" von Markus Orths: "Das Buch lässt einen über die wesentlichen Dinge des Lebens nachdenken, die man oft verdrängt. Und: es berührt einen sehr, lässt einen aber trotzdem oder vielleicht deswegen mit einem Lächeln zurück."

Vom gegenseitigen Verstehen

"Picknick im Dunkeln" kann man am besten als philosophische Reise beschreiben, denn das Buch bringt einem zum Nachdenken, sogar über Dinge, die viele Menschen lieber verdrängen, wie Ewigkeit, Tod, die Liebe oder wo eigentlich die Wahrheit liegt. Die schönsten Stellen im Roman sind aber die, bei denen diese völligen Gegensätze versuchen, einander zu verstehen und sich näher kommen. Thomas von Aquin, der Geistliche, ruhig und besonnen - denkt über alles nach, bis er zufrieden mit der Lösung ist - und der Komiker Stan Laurel, der versucht, viel mit Witz und Humor zu regeln und scheinbar vieles lockerer nimmt, aber auch kurz mal eine Art Panikattacke bekommt.

Eine Träne im Auge und ein Lächeln auf den Lippen

Ein Satz im hinteren Teil des Buchs, den Thomas von Aquin zu Stan Laurel sagt, fasst ganz gut zusammen, um was es in dem Buch geht:

"Sehen Sie, wenn zwei Menschen reden, muss der eine ganz genau nachvollziehen, was der andere sagt, sonst spricht man nicht mit dem anderen, sondern nur mit sich selbst, also mit dem, was man im anderen hört oder hören will, nicht aber mit dem, was der andere gesagt oder wirklich gemeint hat."

Es gibt viele Kritiker, die den Roman toll finden, aber vom Ende etwas enttäuscht sind. Mir ging es anders: Ich hatte Probleme 'reinzukommen, aber als ich drin war, habe ich das Buch unheimlich gerne gelesen. Und beim Ende hatte ich - so schmalzig das jetzt für manche klingen mag - eine Träne im Auge und ein Lächeln auf den Lippen, weil man - trotz vieler ernster Themen und Fragen - einfach ein gutes Gefühl bekommt beim Lesen.

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