Buchtipp: "Schwere Knochen" von David Schalko Mehr als ein Krimi

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Es ist verwirrend. Schwere Knochen ist der vierte Roman von David Schalko und die Vollendendung seiner "Trilogie der Gier und Korruption". Wobei Teil 1 und 2 der Trilogie Fernsehserien sind. "Braunschlag" und "Altes Geld". Schwarzer österreichischer Krimihumor vom Gröbsten.  

Die Wiener Unterwelt ist nicht Wienern vor allem durch den Film "Der dritte Mann" bekannt. Der Roman "Schwere Knochen" von David Schalko nimmt sich das gleiche Thema vor, aber doch ganz anders und irgendwie gründlicher. Stefan Schlegel stellt das Buch vor...

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Der Autor David Schalko ist halt irgendwie als Regisseur erfolgreich geworden. Und auch "Schwere Knochen" wäre vielleicht eine Serie geworden, wenn man so viel Geld zur Verfügung gehabt hätte, wie die Macher von "Babylon Berlin". Gut so! Sonst wäre uns dieser unglaubliche Ton entgangen, in dem David Schalko die Geschichte der Wiener Unterwelt vor und nach dem Zweiten Weltkrieg erzählt. Auf 560 Seiten hält Schalko diesen Ton durch, der alles zu wissen scheint, aber dabei unverbindlich ist, mittendrin und obendrüber zugleich, knapp und ausschweifend und jedenfalls so irgendwann im Kopf des Autos auftauchte.

David Schalko: "Das war der Versuch, dem Wiener Schmäh oder das Wienerische ins Hochdeutsche fast zu übersetzen und dem eine Musikalität zu geben und es ist ein bisschen in Legendenform geschrieben."

Ferdinand Krutzler war damals der wichtigste Notwehrspezialist Wiens. Elfmal wurde er wegen tödlicher Notwehr freigesprochen. Nur am Schluss hatte er es übertrieben. Da saß er in mitten des gefürchteten Bregovic-Clans. Bloß waren die sonst so lauten Jugoslawen ganz still. Das einzige was man hörte, war ihr Blut.

Fazit

David Schalko mag's gern komplizierter. Dazu gehört, dass seine Ganoven im KZ beides sind: Opfer und Täter, weil sie die Kapos der Nazis werden und Verbrechen verüben, um zu überleben. Insofern ist "Schwere Knochen" auch mehr als ein Krimi, vielleicht sogar gar kein Krimi, denn die Verbrechen sind kein bisschen rätselhaft, sondern einfach nur genau so hart wie das Ganze drumherum der Wiener Unterwelt, die ihre Ausbildung zum Teil im KZ absolviert hat, so die These von Schalko.

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