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Das Thema Abschied begleitet uns alle ein Leben lang und dennoch haben wir Angst davor. Erst in einem Alter, in dem das Abschiednehmen immer öfter unumgänglich ist, gelingt es uns einen offeneren, zugewanderten Blick darauf zu haben. Mit Charme und Humor erzählt uns Christine Westermann von Ihren großen und kleinen Verlusten.

Abschiednehmen fällt schwer

Ich bin furchtbar schlecht, schlecht im Abschiednehmen. Wahrscheinlich hab ich deshalb im Laden nach Westermanns Taschenbuch gegriffen. Dieses „Manchmal ist es federleicht“ im Titel war wie ein Köder. Das will ich auch können… federleicht Abschied nehmen. Kann ich aber nicht.

Stattdessen: Kieselsteine auf'm Fensterbrett, die mir meine Kinder vor mehr als 20 Jahren schenkten und Notizzettel und Muscheln, ein altes Athener Metroticket und ein leeres Zuckertütchen in meiner Jackentasche. Und Wimmelbilder im Kopf. Alles Erinnerungen an gute Erlebnisse und auch an die schlechten.

»Alles festhalten wollen - keine gute Idee.«

Der Abschied zwingt Sie loszulassen und es ist so ein abgenudelter Satz, aber genauso abgenudelt wie wahr.

»Es kann erst was Neues kommen, wenn was Altes geht.«

Abschied ist Teil des Lebens

Nur das kein Irrtum aufkommt: Westermann hat keinen Ratgeber geschrieben. Dass viele Buchhändler diese Buch in der Lebenshilfe-Ecke verräumen …Schade! Da könnte es untergehen. Dabei plaudert Christiane Westermann in diesem Buch so nett mit einem: zum Beispiel über den Abschied vom jugendlichen Körper, von Wohnungen und Ländern oder auch von der Fernseh-Sendung „Zimmer frei“ - zwei Jahrzehnte Kult. „Ihre“ Sendung, tief ins Herz gewachsen. Und auch das Literarische Quartett hat sie erst vor kurzem verlassen. Westermann erzählt von all den großen und kleinen Abschieden ehrlich und witzig und nie wehleidig .

»Ich empfinde 'ne große Lebenslust. Ich finde gerade jetzt wo man älter ist, hat man so viel begriffen übers Leben … und vielleicht auch über's Sterben.«

Authentisch ehrlich

Westermann mogelt sich an den schweren Abschieden nicht vorbei. Sie erzählt, wie der frühe Tod ihres Vaters sie tief erschüttert hat, denkt über ihr eigenes Sterben nach und dann ist da doch noch ein Ratschlag: Öfter mal „Nein“ sagen und sich frei machen von Altlasten, verinnerlichten Erwartungen und Leitsätzen.

Es gibt einen klugen Bibelspruch. Der heißt: „Bedenket, dass Ihr sterben müsst, auf dass Ihr klug werdet“. Die Abschiede gehören zum Leben dazu. Und „auf dass Ihr klug werdet“ - zu wissen, das Leben ist begrenzt. Also lebt es jetzt.

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