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AUTOR/IN

Isabel Bogdan ist Übersetzerin, Bloggerin und Schriftstellerin aus Köln, 51 Jahre alt - und sie hat mit ihrem Roman "Der Pfau" gleich mal einen Riesenerfolg gelandet. Eine subtile Komödie, die in den schottischen Highlands spielt. Aber statt in der gesetzten Schublade weiterzuschreiben, hat Isabel Bogdan in ihrem neuen, zweiten Roman jetzt ein ganz anderes Thema gewählt. Der Roman heißt: "Laufen" - und diesmal geht es um Suizid. Es geht darum, wie eine junge Frau zurück ins Leben findet, nachdem sich ihr Partner umgebracht hat.

Laufen liest sich wie ein einziger langer Satz. Ein Selbstgespräch mit dem Partner, der sich aus dem Leben verabschiedet hat, weil er es so wollte und sie hat es nicht gemerkt.

Isabel Bogdan (Foto: Imago, Horst Galuschka)
Autorin Isabel Bogdan Imago Horst Galuschka

Die Selbstvorwürfe kommen beim Laufen - genauso wie die Fragen nach dem Warum und die der Einsamkeit. Und mit den Schmerzen des Laufens, der Wiederläuferin, nach 6 Jahren fängt sie wieder an zu joggen, löst sich ganz langsam Etwas. So als könnte ein körperlicher Schmerz den seelischen betäuben und damit den Blick und die Wahrnehmung weiten. Auf die Gerüche im Park, die Menschen, den Frühling und das Leben.

"Jede Sekunde will ich Dir was erzählen, jede Sekunde fehlst Du, ich kaufe immer noch zu viel ein, so viel hast du doch gar nicht gegessen..."

Und dann kommt alles auf den Tisch. Die Depression, die dazugehörige Unlust, die Gedanken übers Kinder kriegen und das, was die Anderen an Ratschlägen hatten. Am ersten Todestag beginnt die Orchestermusikerin zu laufen, sie läuft in den Momenten, in denen die Wut größer ist als die Trauer. Anfangs schämt sie sich, dass sie stolz darauf war, überhaupt wieder das Haus zu verlassen, aber das konnte sie niemanden erzählen.

Fazit

Manchmal hatte ich als Leser das Gefühl, das geht mich gar Nichts an, das ist jetzt so intim. Doch es ist fesselnd geschrieben, dass ich es einfach nicht beiseitelegen konnte. Und durch das permanente Selbstgespräch im Laufen, bekommt der Text ein ganz eigenes Tempo. Das konnte ich in anderen Kritiken erst nicht nachvollziehen, als ich zu lesen begann, war es gleich spürbar.

Es ist fast nicht zu glauben, dass Isabel Bogdan den Verlust eines Partners nicht persönlich durchlitten hat, weil dieser Verlust in jedem ihrer Sätze so spürbar ist. Sie hat viel recherchiert und es im Freundeskreis erlebt. Dass der Verlust immer eine Wunde bleibt und es Zeit braucht, mit den Narben leben zu können. Ich weiß nicht, ob Laufen ein Buch ist, das Mut machen kann, denn Mut ist genauso ein bescheuertes Wort wie "Bachblüten gegen Einsamkeit", die die Läuferin in einem Apothekenschaufenster sieht. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass es einen Weg gibt - bei Isabel Bogdans Protagonistin führt der übers Laufen.

Buchtipp: "Laufen" von Isabel Bogdan

Der Roman heißt: "Laufen" - und es geht um Suizid. Es geht darum, wie eine junge Frau zurück ins Leben findet, nachdem sich ihr Partner umgebracht hat.  mehr...

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