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Mit "Der amerikanische Investor" löste Autor Jan Peter Bremer vor acht Jahren Begeisterungsstürme aus. Darin beschreibt er eine sehr groteske Situation: nämlich wie ein Mann in der Wohnung eines baufälligen Mietshauses hockt und angstvoll darauf wartet, dass jeden Moment der schwerreiche Investor einfällt. In Jan Peter Bremers neuem Roman warten auch wieder zwei: nämlich ein älteres Ehepaar, das sich in perfekter Loriot-Qualität das Leben schwer macht. Und dann kommt tatsächlich einer – nämlich der "Junge Doktorand" – so der Titel des Romans.

So geht das manchmal mit den hochfliegenden Plänen. Entweder entschwinden sie im unendlichen Blau des Himmels oder sie krachen einem mit voller Wucht auf die Füße. Bei den Greilachs, einem inzwischen in die Jahre gekommenen Künstlerpärchen, ist das noch ein bisschen anders. Beide hocken auf dem Land, haben sich in eine alte Mühle zurückgezogen und mit den Leuten drum herum gründlich verkracht. Vor allem aber liegen sie sich selbst in den Haaren. Autor Jan Peter Bremer hatte beim Schreiben hörbar Spaß:

»Wenn ich morgens aufgewacht bin, hatte ich die Stimmen dieser beiden älteren  Leute im Kopf. Da hat der Mann schon zu mir gesprochen – wawawa wawa  und die Frau hat dann – tättättätätä – irgendwas dazu gesagt. Und dann musste ich das manchmal nur noch mitschreiben. Die beiden haben sich komplett verselbständig im Kopf.«

Jan Peter Bremer

Köstlich zu lesen, wie die beiden sich gegenseitig verbal vors Schienenbein treten. Und manchmal, ohne einander wirklich zuzuhören. Jeder lebt in seinem Kosmos vor sich hin: Er, einst ein ehrgeiziger, nicht untalentierter Künstler, Sie, die Künstlergattin, die an seiner Seite auf ein aufregendes Leben hoffte.  Nichts von dem hat sich realisiert, trotzdem hoffen beide noch immer auf ein Wunder. Und eben in dieser Situation kündigt sich der junge Doktorand an, der alles zum Guten wenden soll:

»Sie wollen so bleiben wie sie sind, aber gesegnet werden in ihrem Bleiben. Und der junge Doktorand soll als Heilsversprechen dienen und er dient beiden auch als Heilsversprechen. Aber Heilsversprechen gibt es einfach nicht, die gibt es per se nicht und insofern kann das alles nur schief gehen.«

Schon der Auftakt geht gründlich daneben. Der junge Doktorand lässt nämlich zwei Jahre auf sich warten. Neunmal flattert den Greilachs eine Postkarte ins Haus, warum es mit dem Besuch wieder nicht geklappt hat. Ehefrau Natascha macht das Beste draus, denn endlich hat sie etwas, womit sie im Dorf kräftig angeben kann. Und dann steht er tatsächlich in dunkler, stürmischer Nacht vor der Tür. Doch der heiß ersehnte Heilsbringer entpuppt sich als blasser, kraftloser Typ im Kapuzenpulli, der wieder seine ganz eigene Geschichte mit sich bringt. Aber auch das tut dem absurden Spiel keinen Abbruch. Denn alle drei plappern munter aneinander vorbei.

»Der Künstler hält dann lange Reden, die gar nicht so blöd sind, glaube ich. Sie sind nun in den Momenten völlig deplatziert. Das macht, glaube ich, den Witz des Buches aus, dass es teilweise mit intelligenten Sätzen völlig blödsinnige Momente schafft.«

Nicht einmal 180 Seiten stark ist dieses Büchlein, aber jedes Wort sitzt, ein echtes Feuerwerk und ein grandioses Kammerspiel: herrlich schräg, zum Fremdschämen, aber auch eine Warnung vor Selbstbetrug und eitlen Lebenslügen.

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