Bücherstapel (Foto: SWR, Colourbox -)

Buchtipp: "Was wirst du tun, wenn du gehst" von Lucia Berlin Direkt und schonungslos

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"Was habe ich sonst noch verpasst? Wie oft war ich in meinem Leben gewissermaßen auf der hinteren Veranda statt auf der vorderen? Welche Liebe mag es gegeben haben, die ich nicht spürte?", solche Fragen hat sich Lucia Berlin gestellt. Eine amerikanische Autorin, die erst nach ihrem Tod weltweit bekannt wurde. Nicole Köster wurde durch "Was wirst Du tun, wenn Du gehst" zum Lucia Berlin-Fan.

Inhalt

Direkt und schonungslos beschreibt Lucia Berlin die Momente, wo ein Leben auseinanderbricht und der Halt verlorengeht.

Zitat:
Sie geht ins Bad und sieht den schwarz angelaufenen Löffel, eine Spritze auf dem Waschbecken. Max auf der Toilette, sie fragt: "Max, was ist das?" "Das ist Heroin" sagt er. Und dann: "das klingt wie das Ende einer Geschichte oder der Anfang, obwohl es in Wirklichkeit nur ein Teil der Jahre war, die noch kommen sollten."

Es ist teilweise ihre eigene Lebensgeschichte, die Lucia Berlin beschreibt, in einer Schonungslosigkeit, die oft weh tut und gleichzeitig beglückt, weil sie so direkt und echt ist. Abgründe der Realität in literarischer Reinform.

Die Autorin

Das Leben von Lucia Berlin war wie ein Roadmovie. Geboren wurde sie 1936 in Alaska, sie studierte in New Mexico, heiratete in Albuquerque und bekam zwei Söhne. Mit ihrem zweiten Mann einem Jazzmusiker zog sie nach New York. Anfang der 60iger Jahre zog sie mit ihrem dritten Mann Buddy Berlin nach Mexiko und sie bekamen zwei Söhne. Wegen seiner Drogenabhängigkeit wurde die Ehe geschieden.

Lucia Berlin zog ihre vier Söhne alleine auf. Sie war eine echte Lebenskünstlerin: hatte Jobs als Krankenschwester, Telefonistin, Putzfrau oder Spanisch-Lehrerin. Sie schlug sich überall durch, wurde alkoholabhängig. Mit Mitte 20 hatte sie begonnen, in Zeitschriften literarische Kurzgeschichten zu veröffentlichen.

Fazit

"Was wirst Du tun, wenn Du gehst" - ihre Kurzgeschichtensammlung habe ich nicht am Stück gelesen, sondern immer wieder auf's Neue. Die Geschichten sind wie Schnappschüsse, Nahaufnahmen mitten aus dem amerikanischen Alltag der 60iger bis 80iger Jahre. Ihr Gespür für Humor und Momente größter Verzweiflung liegen ganz dicht beieinander.

"Pralles Leben, das aus den Zeilen so pulsiert, dass man versucht ist, es für das echte zu halten", schreibt ihre Übersetzerin im Nachwort. Lucia Berlin war ab 1994 Dozentin für Kreatives Schreiben an der Universität in Boulder, Colorado - da war sie 58 Jahre alt. 10 Jahre später starb sie und wurde erst nach ihrem Tod weltweit literarisch bekannt.

"Was ich sonst noch verpasst habe" wurde 2016 ein Bestseller und danach erschien: "Was wirst Du tun, wenn Du gehst" .

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