7.000 Eichen

Beuys und die Stadtverwaldung

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Vor fast 40 Jahren hat Joseph Beuys 7.000 Bäume in Kassel gepflanzt. Es gilt als das größte Kunstwerk Deutschlands.

Wie können Bäume ein Kunstwerk sein? 

Joseph Beuys hat mit seiner Aktion den Kunst-Begriff erweitert. Damals haben viele gedacht: Bäume stören in der Stadt. Sie wurden gefällt, um Platz für Straßen zu machen. Dagegen hat Beuys rebelliert und bei der Kunstausstellung "dokumenta" in Kassel 1982 das Projekt "Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung" ausgerufen.

Beuys wollte die Natur und den Wald zurück in die Stadt holen.

Erst Felsbrocken, dann Bäume

Beuys hat erst einmal 7.000 Felsbrocken aus Basalt vor das Kunstmuseum Fredericianum mitten in der Kasseler Innenstadt kippen lassen, jeder einzelne Brocken etwa einen Meter groß. Anschließend ließ er die Basalt-Brocken bzw. Basalt-Stelen in der ganzen Stadt Kassel verteilen. Neben jeder Basalt-Stele sollte eine Eiche gepflanzt werden.

Eichenallee in Kassel, die im Rahmen des Projekts "7.000 Eichen" von Joseph Beuys gepflanzt wurde. (Foto: Imago, Hartenfelser)
Eichenallee in Kassel, die im Rahmen des Projekts "7.000 Eichen" von Joseph Beuys gepflanzt wurde. Imago Hartenfelser

Empörung in Kassel

Die meisten Menschen in Kassel waren entsetzt und empört. Sie wollten nicht diesen Steinhaufen mitten in ihrer Stad. Und sie wollten auch keine Bäume in ihren Straßen:

»Dann müssen wir im Herbst so viel Laub kehren und auf die Bäume setzen sich Vögel und machen aufs Autodach – und überhaupt: Bäume nehmen Parkplätze weg.«

Der damalige Kasseler Oberbürgermeister fand die Idee aber gut. Er hatte auch den passenden Namen für das Projekt: "7.000 Eichen". Besagter Oberbürgermeister war der SPD-Politiker Hans Eichel.

Hans Eichel und die vielen Eichen

Hans Eichel war später Bundesfinanzminister. Er konnte schon als Stadtoberhaupt von Kassel mit Geld umgehen und meinte damals: die 7.000 Bäume nehmen wir gern - aber bezahlen wollen wir nichts.

Beuys hat geantwortet: Keine Angst, für die Finanzen sorge ich. Beuys hatte damals gedacht, er findet locker 7.000 Mitstreiter, die alle 500 Mark für jeweils eine Eiche in Kassel spenden. Aber da hatte sich Beuys geirrt: das Geld reichte nicht.

Geld aus Baden-Württemberg

Die finanzielle Rettung kam vom Kunstsammler Josef Fröhlich aus Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart. Der fand das Projekt klasse und hat ein paar hunderttausend Mark für das Projekt springen lassen, bis tatsächlich 7.000 Bäume gepflanzt waren. Viele der Bäume, die heute in Kassel gedeihen, sind also mit Geld aus Leinfelden-Echterdingen bezahlt worden.

Was ist aus den 7.000 Eichen von Joseph Beuys in Kassel geworden?

Bis heute stehen die Bäumen - nicht alles Eichen, auch ein paar Linden und Kastanien sind dabei. Die Menschen in Kassel sind stolz auf diese 7.000 Bäume: manche in Wohnstraßen als Allee, andere in Parks. Zwei Eichen stehen vorm Kunstmuseum – und neben jedem Baum eine etwa ein Meter hohe Basalt-Stele. Das alles steht seit einigen Jahren unter Denkmalschutz. Insgesamt ein großes Kunstwerk, eine "soziale Plastik", wie Joseph Beuys sagen würde.

Bildergalerie

Joseph Beuys: Fett, Filz und Kunst

Joseph Beuys war ein deutscher Aktionskünstler und Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Die einen feiern ihn als wichtigsten Künstler der jungen Bundesrepublik, andere beschimpfen ihn als Spinner. Beuys arbeitete vor allem mit Filz und Fett, seltener mit Farbe und Leinwand. Ist das Kunst oder kann das weg?  mehr...

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